Umgestürzte Bäume, Trockenheit Zwei Jahre nach Orkan Friederike: Harz kämpft weiter mit Folgen

Orkan Friederike fegte am 18. Januar 2018 über Sachsen-Anhalt und richtete enorme Schäden an. In den Wäldern im Harz wurden zahlreiche Bäume umgeworfen. Zwei Jahre später kämpfen Waldbesitzer noch immer mit den Folgen.

Karge Flächen in einem Waldstück
40 Hektar groß und kahl: Diese Fläche bezeichnet Schattenberg als "größte Wunde" in seinem Wald. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Hans Christan Schattenberg dreht sich im Kreis und macht eine ausladende Geste. "Das hier ist die größte Wunde in meinem Wald", sagt der Leiter des Forstbetriebs Ostharz. Die Fläche, auf die er zeigt, ist 40 Hektar groß und kahl. Verursacht hatte sie Orkan Friederike im Januar vor zwei Jahren. Doch dieses Stück Wald am Rande des Selketals nahe Harzgerode ist nur ein kleiner Teil der Schäden, die damals der Orkan im Forstbetrieb Ostharz verursacht hatte.

Schäden durch Stürme und Borkenkäfer in Millionenhöhe

308.000 Festmeter Holz hatte Orkan Friederike hier im Januar 2018 umgeworfen. Im Laufe des Jahres kamen dann noch rund 40.000 Festmeter durch den Borkenkäfer hinzu. Im vergangenen Jahr fielen durch Stürme und den Borkenkäfer weitere Hunderttausende Festmeter an. Das Ergebnis nach zwei Jahren: fast 700.000 Festmeter Schadholz.

Ein gutes Drittel davon liegt noch gestapelt im Wald. Kaum einer will es kaufen. 90 Euro gab es vor dem Orkan für den Festmeter Fichtenholz, heute sind es 30 bis 35 Euro. Die Folge sind Verluste in Millionenhöhe.

Zwei Jahre nach Orkan Friederike Kahle Flächen und braune Kiefern im Harz

Karge Flächen in einem Waldstück
Vor zwei Jahren wütete der Orkan Friederike über Deutschland. Noch immer sind die Schäden im Wald des Forstbetriebs Ostharz zu sehen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Karge Flächen in einem Waldstück
Vor zwei Jahren wütete der Orkan Friederike über Deutschland. Noch immer sind die Schäden im Wald des Forstbetriebs Ostharz zu sehen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Karge Flächen in einem Waldstück
Dieses Stück Wald am Rande des Selketals nahe Harzgerode zeigt nur einen kleinen Teil des Schadens. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Karge Flächen in einem Waldstück
Insgesamt entstanden innerhalb von zwei Jahren fast 700.000 Festmeter Schadholz. Durch die kahlen Flächen im Wald hat man teilweise eine Sicht bis zum Brocken. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Gestapelte Holzstämme
Das Schadholz will kaum jemand kaufen. Den Waldbesitzern entsteht dadurch ein erheblicher Schaden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Fraßgänge in einer Fichtenrinde
Die Fraßgänge des Borkenkäfers sind in der Rinde der Fichten zu erkennen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Christian Schattenberg vom Forstbetrieb Ostharz
Christan Schattenberg, Leiter des Forstbetriebs Ostharz, arbeitet mit seinen Kollegen an der Wiederaufforstung. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Eine kleine Douglasie
Beim Pflanzen neuer Baumarten wird darauf geachtet, dass sie der Trockenheit besser standhalten. So setzt der Forstbetrieb auf Eichen, Kastanien, Tannen, Lärchen und Douglasien.

Quelle: MDR/sp
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Januar 2020 | 12:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Erst Friederike, dann der Borkenkäfer

Orkan Friederike sei nur der Anfang gewesen, meint Hans Christian Schattenberg. Denn nach dem Sturm kamen Trockenheit und in der Folge die Borkenkäfer – und das zwei Jahre nacheinander. Die vielen umgeworfenen Bäume locken Borkenkäfer an. Dann befielen die Käfer die ausgetrockneten Bestände. Im vergangenen Jahr setzte sich das fort.

Das ganze Dilemma zeigt Hans Christian Schattenberg an einem weiteren Waldstück. Orkan Friederike hatte auch hier viele Bäume umgeworfen. Diese waren bis Ende 2018 weggeräumt. Doch dann kam der Käfer und die Forstleute mussten erneut Bäume entfernen. Heute stehen nur noch wenige Fichten in dem Waldstück, das für die Aufforstung hergerichtet wurde. Unter den Fichten ist schon wieder eine braun.

Die Aufforstung vieler Bereiche läuft

Inzwischen wird eifrig neu angepflanzt. 300 Hektar wurden im Bereich des Forstbetriebs Ostharz im vergangenen Jahr wieder aufgeforstet. 2.500 Hektar allerdings warten noch darauf. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb fast 20.000 Hektar Landeswald. Rund 13 Prozent des Waldes im Forstbetrieb Ostharz sind derzeit Kahlflächen.

Neue Ideen für den Wald

Eine kleine Douglasie
Die neu gepflanzte Douglasie soll der Trockenheit besser standhalten. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Damit die künftigen Wälder widerstandsfähiger sind, wird nicht mehr auf die Fichte, sondern verstärkt auf Baumarten gesetzt, die der Trockenheit stärker trotzen – auf Eichen, Kastanien, Tannen, Lärchen und Douglasien. Und damit diese ordentlich anwachsen und die Schäden an den noch vorhandenen Wäldern nicht größer werden, hofft Hans Christian Schattenberg auf einen möglichst feuchten Sommer.

"Frustrierend ist das vor allem für die Kollegen, die jahrzehntelang den Wald gehegt und gepflegt haben", sagt der Forstbetriebsleiter. Doch er sieht auch einen Lichtblick. Die künftigen Aufgaben seien nicht nur riesig, sondern auch interessant. Denn: "Diese Kollegen haben die einmalige Chance, den Wald so hinzustellen, wie sie ihn gern hätten. Ich würde gern in 150 Jahren hier mal vorbeigucken und schauen, wie sich das entwickelt hat."

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Januar 2020 | 12:00 Uhr

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