Ehemaliges Außenlager vom KZ Buchenwald Denkmalgeschützter Stollen in Blankenburg in Gefahr

Im Zweiten Weltkrieg sind in Stollensystemen bei Blankenburg KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zur Arbeit in der Rüstungsindustrie gezwungen worden. Ein Großteil ist schon wegen Einsturzgefahr verfüllt, ab Februar droht die komplette Schließung. Nicht nur für Heimathistoriker ist das undenkbar.

Eine Brücke, deren Unterführung mit einer Stahltür verschlossen ist.
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Wolfgang Schilling kann nur noch durch das Gitternetz schauen, das die kleinen Öffnungen neben dem verriegelten Zugang zum Stollen in Blankenburg verschließt. Der Heimathistoriker und Buchautor hatte mehrmals tief unter dem Eichenberg fotografiert, jetzt ist kein Reinkommen mehr. Doch die Geschichte der in den letzten Kriegsjahren gebauten Rüstungsfabrik "Klosterwerke" will er nicht vergessen lassen.

"Blankenburg war einer der wichtigeren Standorte von Rüstungsverlagerung und dem muss auch adäquat gedacht werden. Das kann man nicht einfach wegwischen", sagte Heimathistoriker Schilling MDR SACHEN-ANHALT. Im Zweiten Weltkrieg waren hier Stollensysteme in die Berge getrieben worden und tausende KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zur Arbeit in der Rüstungsindustrie gezwungen.

Ein Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlagers Klosterwerke
In Blankenburg mussten in den letzten Kriegsjahren tausende Zwangsarbeiter in KZ-Rüstungsprojekten arbeiten. Jeder zehnte starb. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Größter Teil ist schon verfüllt

Ein Mann mit Brille, Heimathistoriker Wolfgang Schilling, gibt ein Interview.
Wolfgang Schilling will nicht, dass der denkmalgeschütze Tunnel, der zum Stollen gehört, verfüllt wird. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Der größte Teil der riesigen unterirdischen Anlage ist bereits wegen Einsturzgefahr verfüllt. Ab 1. Februar soll laut Schilling nun der Rest zugeschüttet werden – darunter auch die letzten 50 Meter Stollen, die denkmalgeschützt sind. Schilling sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass bei der Entscheidung weder interessierte Bürger noch Opferverbände mit einbezogen wurden.

Das internationale Komitee Buchenwald-Dora meldete sich dann auch mit einem Schreiben an den Bürgermeister von Blankenburg:  

Ein hervorgehobenes Zitat aus einem Brief.
Ein Auszug aus dem Schreiben vom internationalen Komitee Buchenwald-Dora an Blankenburgs Bürgermeister Breithaupt. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Bürgermeister Heiko Breithaupt sieht keine Versäumnisse seitens der Stadt. Verantwortlich für die Sicherung der verbliebenen Stollen ist der Bund, für die Ausführung das Land Sachsen-Anhalt. Sie haben beschlossen, dass der denkmalgeschützte Abschnitt reversibel verfüllt werden soll. Das Material könnte also auch wieder entfernt werden.

Gespräche, falls der Bund dazu bereit ist

Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt
Heiko Breithaupt, Blankenburgs Bürgermeister, sieht die Stadt nicht in der Verantwortung. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Breithaupt könnte sich aber vorstellen, als Vermittler aufzutreten. "Ich bin gerne bereit, wenn der Bund dazu bereit ist, alle Beteiligten vor Ort einzuladen und auch den Raum zu geben, genau das, was notwendig ist, vor Ort zu diskutieren", so Blankenburgs Bürgermeister.

Bund und Land schreiben auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, dass noch nicht feststeht, wie und womit der letzte Stollenabschnitt verfüllt werden soll. Demnach wäre noch Zeit für alle Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen.

Leere Baracken im Schnee
In Blankenburg waren die Zwangsarbeiter in solchen Baracken untergebracht. Ein neues Konzept wird für die Gedenkorte in Blankenburg gebraucht, die bislang kaum zu finden oder zumindest heruntergekommen sind. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Unter Mitwirkung von Sven Stephan.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Januar 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

fritz deutsch vor 6 Wochen

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Matthäus 8.22

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