Vorstellung der Bewerber Im Porträt: Das sind die Kandidaten der Landratswahl im Harz

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Rund 185.000 Wahlberechtigte im Landkreis Harz sind aufgerufen, ihr Kreuzchen zu machen und einen neuen Landrat zu wählen. Wer sind die vier Kandidaten? MDR SACHSEN-ANHALT stellt sie vor – in ihrer politischen wie privaten Heimat.

Gasse mit Fachwerkhäusern in Halberstadt
Zauberhaftes Halberstadt: In der Kreisstadt wird die zukünftige Landrätin oder der zukünftige Landrat viel Zeit verbringen. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Jan Dörre

Am 5. Juli wird im Landkreis Harz ein neuer Landrat gewählt. Zugelassen sind insgesamt vier Bewerber für das Amt. Gesucht wird für die nächsten sieben Jahre die Nachfolge von Martin Skiebe (CDU), der nicht wieder antreten wird.

Die Bewerber für den Landrat, in alphabetischer Reihenfolge, sind:

  • Thomas Balcerowski (CDU)
  • Maik Berger (SPD, unterstützt von DIE LINKE und Bündnis90/Die Grünen)
  • Annette Ivkin (AfD)
  • Dieter Kühn (FREIE WÄHLER)

Thomas Balcerowski (CDU): Glücksmomente mit vier Kindern

Thomas Balcerowski in einer Nahaufnahme auf einer Höhe stehend mit einem Tal hinter sich.
Thomas Balcerowski geht gerne Joggen oder spielt Fußball mit Freunden. Bildrechte: Thomas Balcerowski

Zuhause bei den Balcerowskis geht es immer munter zu. "Mit 4 Kindern wird es nie langweilig", meint Thomas Balcerowski, der mit seiner Familie gerne im Harz unterwegs ist. Und "da sind die Kinder die Nummer Eins und bestimmen, was gemacht wird". Seine Familie ist für den 48-Jährigen Ruhe- und Kraftpol gleichermaßen, die ihm "viele Glücksmomente verschafft." Zum beruflichen Ausgleich – als Bürgermeister leitet Thomas Balcerowski seit Jahren die Geschicke der Stadt Thale – bekommt er mit Joggen den Kopf frei oder er kickt mit Freunden. Apropos Fußball: Der studierte Jurist mit zwei Staatsexamen in der Tasche ist "Fan der besten deutschen Mannschaft". Die Frage, ob er ein Genussmensch sei, beantwortet er mit einem klaren Jein. "Ich bin da schlichtweg ein Normalo und freue mich über ein gegrilltes Schnitzel zu Hause mit Freunden bei einem Glas Bier – und dass man über Gott und die Welt reden kann."

Und nun soll es der Chefsessel in der Kreisverwaltung werden. Der Landkreis Harz sei wirtschaftlich gut aufgestellt, meint Thomas Balcerowski. "Aber es ziehen dunkle Wolken auf, nicht nur durch die Coronakrise, sondern auch durch den Mobilitätswandel." Damit spielt er auf die Automobil-Zulieferindustrie im Harz an und fragt, "wie viele Autoteile haben wir noch im Elektroauto, die aus dem Harz kommen?" Eine seiner Hauptaufgaben als Landrat würde es sein, diese dunklen Wolken zu vertreiben und als Verwaltung den Unternehmen zu helfen. Und die Verwaltung müsse bürgerfreundlicher werden. Dies sei Dienst am Bürger, und mit dieser Auffassung hinterfragt CDU-Mann Balcerowski den Dialog, die Erreichbarkeit, die Servicequalität. Da gebe es "viel Luft nach oben."

Maik Berger (SPD): Mamas Erdbeerkuchen und Taufstein aus 1576

Maik Berger in einer Nahaufnahme auf einem Platz.
Maik Berger wandert gerne und pflegt seinen Schrebergarten. Bildrechte: MDR / Simon Köppl

In und um Aderstedt ist Maik Berger bekannt wie ein bunter Hund. "Die Leute kommen ja zu mir und sagen, da ist eine Laterne kaputt oder da ist ein Schlagloch", schmunzelt der ehrenamtliche Ortsbürgermeister. Der 47-Jährige liebt seine Heimat am Huy und hat seine eigenen vier Wände in der ehemaligen Dorfschule gefunden. Berger ist verheiratet, wandert viel in seiner Freizeit und hält den gemeinsamen Schrebergarten in Schuss. All das braucht er als Ausgleich zu seinem "oft stressigen Job als Gebietsleiter." Und diesen Ausgleich findet er auch in der Dorfgemeinschaft von Aderstedt und somit auch im Förderverein für das Freibad, für den er sich engagiert. Als Chronist hat er einen verschollenen Taufstein aus dem Jahre 1576 aufgespürt, "der in unsere Kirche zurückgekommen ist", erzählt Berger voller Stolz. Für ein Stück Torte sei der Genussmensch immer zu haben und gibt zu: "Eine meiner größten Schwächen ist der Erdbeerkuchen meiner Mutter."

Seine Stärken hingegen sieht Maik Berger in der Strukturierung von Prozessen oder Mitarbeiterführung. "Meine Erfahrungen aus der freien Wirtschaft sind bedeutende Vorteile", untermauert er seine Ambitionen, mit Rückenwind der Linken und Bündnisgrünen den Landratsposten erobern zu wollen. Sollte dies gelingen, stünden für den Landkreis Harz die Digitalisierung sowie die Wirtschaftsförderung inklusive Tourismus ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Dabei gibt sich der SPD-Mann Berger ganz selbstbewusst: "Ich denke, dass es auf eine Stichwahl zwischen Herrn Balcerowski und mir hinauslaufen wird."      

Annette Ivkin (AfD): Zwischen Mandelholz und Förderprogrammen

Annette Ivkin in einer Nahaufnahme auf einem Platz stehend in mitten älterer Gebäude.
Annette Ivkin ist eine Naturliebhaberin und mag kulturelle Ausflüge. Bildrechte: MDR / Simon Köppl

Als diplomierte Hörgeschädigten-Pädagogin lehrt Annette Ivkin an der Carl-Kehr-Schule – das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Halberstadt. Halberstadt ist ohnehin ihre liebgewordene Heimat, nur für ihr Studium hatte es sie für fünf Jahre nach Moskau verschlagen. Die beiden Kinder stehen inzwischen auf eigenen Füßen, und so verbringt sie mit ihrem Ehemann viel Zeit in den Harzer Bergen. "Unser Lieblingsplatz ist Mandelholz. Um die Talsperre kann man so schön herumwandern", meint die Naturliebhaberin. Darüber hinaus unternimmt Annette Ivkin regelmäßig kulturelle Ausflüge mit dem Harzklub. Und sie hat ein Faible für Theater und klassische Konzerte des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode. Schon allein deshalb sei es sehr wichtig, dass Angebote im kulturellen Bereich fortgesetzt werden könnten.

Im Politischen ist Annette Ivkin das Nesthäkchen unter den Kandidaten zur Landratswahl. Seit 2018 ist sie Mitglied der AfD und sitzt seit dem letzten Jahr im Stadtrat Halberstadt und im Kreistag. "Neuling muss kein Nachteil sein. Ich habe einen anderen Blick auf Dinge und betrachte das unter anderen Aspekten als ein eingefahrener Politiker", so Ivkin. Und sie setzt zusätzlich auf ihren "fraulichen Blick", wenn man beispielsweise in den Bereich Bildung hineinschaue. "Das kann andere Akzente setzen als die der männlichen Mitbewerber."

Als Landrätin würde Annette Ivkin die Verwaltung effizienter gestalten wollen, die Digitalisierung vorantreiben und "mit den Pfunden wuchern, die wir mit unserer Kultur und dem Tourismus haben." Weiterhin läge ihr die Mittelstandsförderung am Herzen. Ivkin meint, egal, ob von der EU, dem Bund oder Land – Förderprogramme müssten verstärkt angezapft werden.

Dieter Kühn (FREIE WÄHLER): Das Leben selbst in die Hand nehmen

Dieter Kühn in einer Nahaufnahme vor einer Straße
Dieter Kühn besichtigt gerne historische Orte in der ganzen Welt. Bildrechte: MDR / Simon Köppl

Dieter Kühn nennt ein Klavier aus dem Jahre 1890 sein Eigen. "Ich kann sehr gut spielen", sagt der 56-jährige Halberstädter selbstbewusst. Und er freut sich, dass auch seine Tochter dieser Passion verfallen ist. Aber seit einigen Jahren seien die Kinder aus dem Haus – so widme sich Kühn in der Freizeit gerne seinem Garten oder reise an die Ostsee. Und er besichtige historische Stätten, etwa in Israel, Bulgarien oder Russland. Zu Russland pflege er ohnehin eine besondere Beziehung, habe er doch an der Bergbauakademie im damaligen Leningrad sein Diplom gemacht. Als Genussmensch sitze Kühn zu Hause gemütlich in seinem Sessel, in der Hand ein Gläschen Cognac oder eisgekühlten Wodka und in den Ohren die Musik der 1980er-Jahre.

Seine Mitbewerber um das Landratsamt bezeichnet Dieter Kühn als "ganz harte Brocken". Trotzdem: "Ich gebe nicht auf und stelle mich gerne der Wahl". Als Kreisvorsitzender der Freien Wähler und Mitglied im Stadtrat Halberstadt kenne er die Sorgen und Nöte der Kommunen. Deshalb sähe er als künftiger Landrat die Ausfinanzierung der Kommunen als eines der wichtigsten Themen an. "Auf keinen Fall darf an die kommunale Daseinsversorgung wie Wasser oder Stadtwerke herangegangen werden, um notwendige Millionen zu kriegen, die jetzt fehlen." Ebenso wichtig sei für Dieter Kühn die Erhaltung von Schulen, kulturellen Einrichtungen sowie des Oberharzer Waldes als intakte Naturlandschaft.

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Über den Autor Swen Wudtke arbeitet seit 2020 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Heimat sind die Harzer Berge – und so liegt es auf der Hand, dass er aus dem Studio Wernigerode über alles berichtet, was die Harzer bewegt und für ganz Sachsen-Anhalt wichtig ist. Seine Erfahrungen sammelte Swen Wudtke in verschiedenen Medienhäusern, etwa bei radio ffn, RPR1., Radio38 oder auch bei Sat.1 und Baden TV. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind seine Heimat rund um Rübeland und die weitläufige Natur des Drömlings.

Quelle: MDR/pow,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Juni 2020 | 06:30 Uhr

3 Kommentare

harzer vor 5 Wochen

Ich wünsche Dieter Kühn ,dass er Landrat wird! Er hat das Zeug dazu als Freier Wähler.
Durch seinen berufliche Tätigkeit hat er viele Kontakte zu den Bürgern! Er war früher mal mein Mieter, wo ich beruflich noch in einer Immobilienfirma war!

Rotti vor 5 Wochen

Ich wünsche den Harzern einen echten Fachmann, der sich vor allem in der Kommunalpolitik auskennt. Der Bürgermeister von Thale ist, nach der Vorstellung hier, der einzige Bewerber, der das Zeug zum Landrat hat.
Und, bevor Sie Taufstein mit Muttis Erdbeerkuchen wählen, da schauen Sie sich doch mal im Landkreis Stendal um. Da können Sie sich informieren, was es bringt, einen Quereinsteiger ohne Ahnung, von der Ehefrau liebevoll Labertasche genannt, zu wählen.
Die Sparkassenfusion ist schon gescheitert, seinen Proporz wollte er auch schon als Beigeordnete unterbringen.
Der Wähler hat das hier so gewollt. Bleiben Sie im Harz wachsam! Kann ich nur raten.

SGDHarzer66 vor 5 Wochen

Hier sollen die Wähler über einen Posten entscheiden, welcher reine Repräsentationszwecke hat. Also die Sicherung eines guten Salärs ohne Entscheidungen treffen zu müssen. Ideal in der heutigen Zeit.
Der scheidende Amtsinhaber hat bereits vorgelebt, wie dies geht: schnell unter das CDU-Schirmchen gehüpft, unzählige Ablichtungen im Amtsblatt und ein entspanntes Dasein.
Die Zeit eines "Wahlvorganges" werde ich daher lieber meiner Familie widmen.
Guten Tag.

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