Eine Frau im Gerichtssaal verdeckt ihr Gesicht vor Kameraleuten
Die Angeklagte hat bereits vor Prozessbeginn weitgehend gestanden. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Ballenstedt Gestanden: Frau tötet Nachbarn und kassiert über Jahre seine Rente

Eine Frau aus Ballenstedt im Kreis Harz hat zugegeben, vor Jahren ihren älteren Nachbarn getötet zu haben. Vor dem Landgericht Magdeburg gestand sie, aus Notwehr gehandelt zu haben. Anschließend hat sie jahrelang seine Rente bezogen.

Eine Frau im Gerichtssaal verdeckt ihr Gesicht vor Kameraleuten
Die Angeklagte hat bereits vor Prozessbeginn weitgehend gestanden. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Im Prozess um einen getöteten Rentner hat eine Frau aus Ballenstedt im Harz gestanden, den Mann umgebracht zu haben. Vor dem Landgericht Magdeburg sagte die heute 62-Jährige zu Prozessbeginn am Dienstag, sie habe aus Notwehr gehandelt. Sie habe sich gewehrt, weil der Nachbar sie sexuell genötigt habe. Daraufhin habe sie ihn mit einem Messer und einem Beil angegriffen und getötet. Die Leiche habe sie im Keller vergraben.

Elf Jahre lang Rente kassiert

Die Frau habe ihren Nachbarn seit Jahren versorgt. Nach der Tat kassierte die Frau die Rente des Mannes – laut Anklage mindestens von 2004 bis 2015. Damit würde sich die Höhe der Bezüge auf über 100.000 Euro summieren. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Totschlag vor. Die Frau hatte die Taten bereits vor Prozessbeginn weitgehend gestanden und die Ermittler zu einem Skelett auf ihrem Grundstück geführt.

Tat eventuell verjährt

Der Knackpunkt der juristischen Bewertung ist der genaue Tatzeitpunkt: Die Anklage geht von Herbst 2001 aus, als der Mann 81 Jahre alt war. Die Angeklagte beharrt aber auf Herbst 1995. In dem Fall wäre die Tat verjährt. Nach dem Strafgesetzbuch verjährt Totschlag nach 20 Jahren.

Rentenbetrug unentdeckt

Wie der Rentenbetrug über einen so langen Zeitraum unentdeckt bleiben konnte, ist noch unklar. In der Regel erfährt die Versicherung durch Meldebehörden, Bestatter oder auch Angehörige vom Tod eines Rentners. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung sind Zahlungen über den Tod hinaus nur dann möglich, wenn es keine Bestattung gab und der Tod nicht gemeldet wurde. In der Regel leite die Rentenversicherung eigene Ermittlungen ein, wenn Schreiben nicht zustellbar sind und zurückkommen.

Laut Rentenversicherung erfolgen Zahlungen grundsätzlich auf das Konto des jeweiligen Rentners. Allerdings sei es auch möglich, dass andere Personen eine Vollmacht für das Konto bekommen. Wenn ein Rentner schriftlich erkläre, dass die Rentenzahlungen auf das Konto einer anderen Person überwiesen werden sollen, sei auch das möglich – unabhängig davon, ob eine Verwandtschaft besteht. Ob es so in dem Fall von Ballenstedt war, ist noch unklar.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. August 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 16:32 Uhr

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5 Kommentare

14.08.2019 11:04 Max W. - Die "toitsche Axtmörderin" als solche! 5

@14.08.2019 09:07 Mediator (Und wieder einmal eine deutsche Axt-"Mörderin"...)

ROTFL - "wieder einmal"... Von wievielen "deutschen Axtmörderinnen" können sie uns denn kundig berichten? Dass das "Echo" so "gering" ist, liegt wohl eher daran, dass an diesem Fall einmal mehr deutlich wird, was sich die SPD unter einer "Rente" vorstellt - und das wussten wir schon.
Und natürlich ist es blanke Borniertheit und billigster Zynismus, diese Sorte Verbrechen mit dem zu korrelieren, was sie hier unterschwellig andeuten wollen.

Es gibt in diesem Fall nur zwei bemerkenswerte Punkte: Erstens die deutlich zu geringe Verjährungsfrist bei Totschlagsdelikten und zweitens die offensichtliche soziale Isolierung von mutm. Täterin und Opfer, die den Fall jahrelang unentdeckt bleiben liessen. Letzteres wundert mich nicht eine Sekunde in Haseloffs real existierendem Sachsen-Anhalt.

14.08.2019 09:07 Mediator 4

Und wieder einmal eine deutsche Axt-"Mörderin". Für dieses Tötungsdelikt und die Schädigung der Rentensolidargemeinschaft ist das Echo in den Kommentaren aber sehr gering. Mag daran liegen, dass es sich wohl nur um ein Familiendrama unter deutschen Nachbarn gehandelt hat.

Was man an dem Fall lernen kann ist, dass die Rentenversicherung noch viel Spielraum nach oben hat den mißbräuchlichen Bezug von Leistungen zu verhindern.

Es wird spannend werden, welcher Tatzeitpunkt festgestellt wird und wie das Verfahren weiter geht. Selbst wenn man von einer Notwehr ausgehen mag bleibt immer noch der bewusst begangene Rentenbetrug.

14.08.2019 06:59 Carolus Nappus 3

Ist mir auch schleierhaft, wie man angesichts des jahrelangen Rentekassierens, und das ja auch keinesfalls aus Versehen, sondern ganz bewusst organisiert, nicht auf Habgier und damit Mord kommt. Zumal man ja in einem fremden Haushalt ständig mit Messer und Beil rumrennt.
Klar will sie das so darstellen, aber das sind doch nichts als Schutzbehauptungen.

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