Landstraße mit Ortseingangsschild von Wienrode.
Im beschaulichen Wienrode bei Quedlinburg will sich die Gruppe "Weda Elysia" ansiedeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Weda Elysia" in Wienrode Entsteht im Harz eine völkisch rechte Siedlung?

Wienrode ist ein beschaulicher Ortsteil von Blankenburg. Dort will sich eine Selbstversorger-Gruppe ansiedeln. Diese steht im Verdacht, Kontakte zu Rechtsextremen und zur Identitären Bewegungen zu pflegen.

Landstraße mit Ortseingangsschild von Wienrode.
Im beschaulichen Wienrode bei Quedlinburg will sich die Gruppe "Weda Elysia" ansiedeln. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Dorfschänke in Wienrode bei Quedlinburg im Harz steht leer und verfällt seit der Wende. Jetzt soll sie wiederaufgebaut werden. Die Räumlichkeiten will eine Gruppe namens "Weda Elysia" nutzen, die der sogenannten Anastasia-Bewegung anhängt – einer völkisch rechten Siedlungsbewegung. Das haben Recherchen des ARD-Magazins "KONTRASTE" ergeben.

Den Recherchen zufolge pflegt "Weda Elysia" Kontakte zu Rechtsextremen, unter anderem zur Identitären Bewegung. Nach außen präsentiere sich die Gruppe jedoch harmlos – zum Beispiel mit Trachten, Volkstänzen und einer naturverbundenen Lebensweise.

Homophobe und rassistische Aussagen

Verdeckte Aufnahmen, die "KONTRASTE" vorliegen, zeigen aber, wie der Anführer der Gruppe Maik Schulz erklärt, dass Homosexuelle zum Beispiel im Projekt unerwünscht seien. Auf einem Treffen werde offen über Telegonie gesprochen – einer Rassenlehre, die auch von den Nazis verbreitet wurde. Schulz sagt dazu: "Das ist der letzte Versuch, die Rasse noch zu retten."

Als Schulz von Reportern auf seine Kontakte zur rechtsextremen Identitären Bewegung angesprochen wird, sagt er: "Was machen diese Menschen? Die wollen, dass die Identität aller Völker wieder gewahrt wird. Ihr lebt in einer Welt, in der das kaputt gemacht wird. Merkt ihr das eigentlich nicht?"

Ein weiterer Vortragsredner der Anastasia-Bewegung, Frank Ludwig, äußert sich in weiteren Aufnahmen, die "Kontraste" vorliegen, antisemitisch: "Es gibt jüdische Rasse und jüdischen Glauben. Die Rasse ist grau. An der grauen Hautfarbe und den dunklen, finsteren Augen der Nacht werdet ihr sie erkennen."

Bürgermeister sieht keinen Anlass zur Sorge

Der Bürgermeister von Wienrode Ulf Voigt sieht keinen Anlass zur Sorge bezüglich der Einsiedlung in der Dorfschänke: "Sie sagen, wir wollen erstmal, was schaffen. Wir wollen sehen, wie es weitergeht, wie es zum Schluss aussieht, und dann können wir reden, was wir daraus machen, aber sie haben denke ich schon Vorstellungen." Zudem lobt der Bürgermeister das Engagement von Schulz: "Herr Schulz kandidiert im Ortschaftsrat, zumindest hat er sich aufstellen lassen. Und da sieht man schon, dass er sich im Ort engagieren wird."

Die Anastasia-Bewegung Die Anastasia-Bewegung bezieht sich auf den russischen Autor Wladimir Megre. In seinen Büchern geht es um seine Begegnung mit der angeblich "allwissenden" Anastasia. "Die Ideologie der Anastasia ist geprägt von einem verkitschten mystifizierenden, antiaufklärerischen Weltbild", so Matthias Quent, Politologe am Institut für Demokratie und Zeitgeschichte Jena. "Da spielt Antisemitismus, Rassismus, völkisches Denken eine große Rolle", so der Politologe weiter. Man lehne die moderne Gesellschaft wie sie ist ab. Man sehne sich zurück nach einer angeblich beschaulicheren, authentischeren Lebensweise im Einklang mit der Natur, so Quent.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2019, 11:06 Uhr

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78 Kommentare

15.04.2019 10:27 Mediator an Bernd L.(69) 78

Sie haben aber schon eine Ahnung wie Indoktrinierung funktioniert und wie man Menschen am besten radikalisiert? So etwas macht man in abgeschlossenen Gemeinschaften, in denen man kaum Meinungspluralität zulässt, so dass neu hinzukommende Menschen, wenn sie Teil dieser Gemeinschaft sein wollen, diese akzeptieren müssen.

Selbstverständlich hilft auch Attraktivität und bei der Jugend eine erprobte Mischung aus Freiheit, Abenteuer und enger ideologischer Begleitung. Das hat schon bei der HJ, den Pionierorganisationen der DDR oder der Wicking Jugend funktioniert. Basierend auf solcher Ideologisierung ist dann der Schritt in den Extremismus viel einfacher anzugehen. Der Pegida-Bomber hat seine Anschlagsideen ja auch nicht im luftleeren Raum erdacht, sondern er wurd radikalisiert.

PS: Wenn Homophobie und Antisemitismus im Ausland aus unserer Sicht schlecht ist, warum sollen wir das dann hier zulassen, wo der deutsche Staat hoheitlich tätig werden kann?

15.04.2019 08:57 Benutzer 77

14.04.2019 21:25 Dorfbewohner

Für Herrn Mediator ist jeder kleingeistig blabla der nicht so denkt wie er :D typisch Linkes denken .D

Wahrscheinlich ist er sogar MDR Mitarbeiter. Deshalb wird alles freigegeben.

15.04.2019 08:50 winfried an (71)Dorfbewohner 76

Ich kann Ihre Gereiztheit verstehen, ich teile sie vollumfänglich.
Jedoch ...
es ist zu bedenken, ob die Mediator-Sache "es wert ist" sich so aufzuregen.
Ist es nicht besser, anstelle "auf den blanken Haken beißen",
sich ein "dickeres Fell" zuzulegen ?!