Drei Jahre Rotmilanzentrum Halberstadt Sachsen-Anhalt ist "Land der Milane"

Rund um Halberstadt leben so viele Rotmilane wie sonst nirgendwo in Deutschland. Deshalb gibt es dort seit drei Jahren auch ein Rotmilanzentrum. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT verriet dessen Leiter Martin Kolbe, was die größte Herausforderung seiner Arbeit ist.

Rotmilan (Milvus milvus) jagend über einer Wasseroberfläche.
Im Vorharz ist der Milan ein gefragter Vogel. (Symbolbild) Bildrechte: imago/BIA

Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viele Rotmilane wie im Harzvorland. Rund um Halberstadt finden sich auf 100 Quadratkilometern 22 Brutpaare, durchschnittlich sind es zehn in Sachsen-Anhalt und drei in Deutschland.

Damit das so bleibt, betreibt das Land Sachsen-Anhalt in Halberstadt seit März 2016 ein Rotmilanzentrum. Der Leiter des Zentrums, Martin Kolbe, versteht sich als Berater und Beschützer. Berater für Behörden, Windradinvestoren, Landwirte und Beschützer für den potentiell gefährdeten Milan. Deshalb forschen er und seine Kollegen auch, klettern auf Bäume und bestücken Nester mit Kameras.

Mit Funksendern ausgerüstet

Auf einer Handfläche liegt ein kleiner Sender.
Funksender, den die Vögel umgeschnallt bekommen Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Seine Arbeit beschreibt der 30-Jährige im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT so: "Einerseits ist es super, wenn man Kindern vermitteln kann, wie es in einem Rotmilan-Nest aussieht. Der andere wissenschaftliche Aspekt meiner Arbeit ist, dass ich mehr darüber erfahre, was Rotmilane fressen."

Deshalb werden die Greifvögel auch mit Funksendern ausgerüstet. Denn so sehe er auch, wo die Beute herkommt – aus einem Weizenfeld, einem Blühstreifen oder der Brache daneben: "Das sind sehr wertvolle Ergebnisse", sagt Kolbe.

Ziel: Lebensraum für Milan erhalten

Ein Schild des Rotmilan-Zentrums am Museum Heineanum.
Seit drei Jahren setzen sich Experten im Harz für den Rotmilan ein. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Denn obwohl Sachsen-Anhalt das "Land der Milane" ist, sieht Kolbe im milangerechten Wirtschaften noch Nachholebedarf. Damit der Bestand der schönen Greifvögel nicht abnimmt, versteht der Biologe es als wichtige Aufgabe, die Forschungsergebnisse des Zentrums an Landwirte weiterzureichen, um so den Lebensraum der MIlane zu erhalten.

Dem Experten zufolge sind Streifen am Ackerrand, die speziell bewirtschaftet werden, so dass immer Nahrung während der Brutzeit vorhanden ist, ideal. In anderen Bundesländern, wie Niedersachen oder Thüringen, gebe es bereits diese speziellen Schonstreifen für Rotmilane – in Sachsen-Anhalt leider nicht.

Wir müssen aufpassen, dass wir den Bestand, den wir haben, mindestens so halten, vielleicht sogar wieder etwas verbessern können. Daran arbeiten wir aktiv mit.

Martin Kolbe, Leiter des Rotmilanzentrums in Halberstadt

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. März 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2019, 15:53 Uhr

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2 Kommentare

19.03.2019 15:40 Milvus milvus 2

@mdr Ich denke es sind 22 Brutpaare auf 100 Quadratkilometern :)

Ansonsten Dank für den Artikel! Es bedarf dringend Schutz und Aufklärung. Die Monokulturen in der Landwirtschaft sind ein riesen Problem für viele Vogelarten. U.a für den Rotmilan.

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir haben es bereits korrigiert. Danke für das nette Feedback.

19.03.2019 14:32 Norbert Woywode 1

22 Brutpaare auf 100 Quadratmetern kann nicht sein. Gemeint sind 100 Quadratkilometer

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Danke für den Hinweis. Wir haben es korrigiert.

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