Wochenserie bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Tolle Ideen und interessante Geschäftsmodelle aus dem Harz

Vom 6. bis 10. Januar reist das Regionalmagazin in verschiedene Orte im Harz. Dort gibt es tolle Ideen, die Menschen mit Engagement umsetzen. Allen gemeinsam ist die regionale Verbundenheit bei dem, was sie machen.

Verkaufstresen in einem kleinen Laden
Ein Käsebauer will die Harzer Käsetradition im Harz wieder aufleben lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Montag: Superfood aus Derenburg

Ein kleines landwirtschaftliches Gerät auf einer Anbaufläche
Auf diesem Stück Land in Sachsen-Anhalt werden Goji-Beeren geerntet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was macht man mit dem Bauernhof des Opas und einem Hektar Land? Und dazu noch den festen Willen, etwas Gesundes herstellen zu wollen? Vielleicht eine Goji-Beeren-Plantage?

Was im Frühjahr 2011 als kleiner Familienbetrieb begann, ist mittlerweile ein kleines Harzer-Gesundheitsimperium mit Geschäftsbeziehungen bis nach China und Bolivien. Zu Goji-Beeren gesellten sich Aronias, Schisandras und Cranberrys. In Derenburg ist mittlerweile ein Großhandelsbetrieb und ein riesiges Zwischenlager für Superfoods entstanden. Anfang Oktober eröffnete die Familie einen der größten Bioläden Sachsen-Anhalts und schafft so weitere Arbeitsplätze.

Im Winter halten die Goji-Pflanzen zwar Winterschlaf, doch gemeinsam mit einem Magdeburger Unternehmen tüftelt Familie Abel daran, was man neben Saft und Trockenfrüchten noch alles aus den Gojis machen kann. Außerdem retten Bernd Abel und seine Familie den ganzen Winter über Orangen aus Sizilien davor, einfach nicht geerntet zu werden und locken damit in großer Zahl Sachsen-Anhalter und Menschen aus den benachbarten Bundesländern nach Derenburg.

Dienstag: Baumwart rettet Obstsorten

Männer auf einer zugeschneiten Streuobstwiese
Auf Streuobstwiesen sucht Stephan Koppelin nach alten Obstsorten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seinen alten Job als Niederlassungsleiter einer Personalberatung hängt Stephan Koppelin Ende des Jahres an den Nagel. Neben der Arbeit hat er sich in den letzten Jahren zum Baumwart ausbilden lassen. Ein (fast) ausgestorbener Beruf, der Menschen befähigt, Bäume zu lesen, wie er sagt.

Der Baumschnitt in den Wintermonaten und die Veredlung seien das eine. Ganz wichtig ist Stephan Kopplin, alte Harzer Obstsorten vor dem Aussterben zu retten. Zwanzig dieser bedrohten Arten konnte er bereits in Harzer Gärten ausfindig machen und sichern. Aber damit nicht genug will der junge Mann diese traditionellen Sorten auch wieder in Umlauf bringen und die großen Harzer Streuobstwiesen wiederbeleben. Das sei gerade für Sachsen-Anhalt ganz wichtig, da hierzulande das Streuobstwiesensterben deutschlandweit am gravierendsten sei.

Besonders stolz ist der Baumwart darauf, ein Exemplar der Hüttenröder Kuhschnute in einem verwilderten Garten entdeckt zu haben. Das ist ein ganz besonderer Apfelbaum in allerdings sehr schlechtem Zustand, den er gemeinsam mit dem MDR retten will. Den Besitzer besticht er dabei mit einem Glas vom echten Harzer Gebirgshonig seines Vaters.

Mittwoch: Glühende Zukunft in der Krellschen Schmiede

Zwei Schmiede in einer historischen Schmiede
In Wernigerode werden noch Schmiede ausgebildet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unebener Steinfußboden, verrußte Wände aus Fachwerk und Ziegelsteinen, Feuerstelle und ganz viel Metall – Ambosse, Zangen, Hämmer, Rohmaterial, Werkstücke. Ein einziger Schritt von Wernigerodes Einkaufsmeile in das Innere der Krellschen Schmiede ist wie eine Zeitreise 300 Jahre zurück.

Schmiedemeister Wolf-Dieter Wittig liebt und lebt sein traditionelles Handwerk, zeigt es regelmäßig in Schmiedevorführungen. Er betreibt Deutschlands größte reine Kunstschmiede seit 2009. Wittig versteht sich, seine Gesellen und Lehrlinge als Bewahrer regionaler, traditioneller Handwerkskultur. Deshalb ist ihm die Ausbildung des Nachwuchses ganz besonders wichtig.

Dafür geht er sehr innovative, wenn auch steinige Wege. Von Fair-Trade-Arbeitsgarderobe bis hin zu schadstofffreien Metallen: Wolf-Dieter Wittig schmiedet mittlerweile ausschließlich ökologisch und ist damit deutschlandweit ebenfalls einer der Pioniere. So entstehen Unikat-Nägel für Kirchentüren oder aktuell ein 60 Meter handgeschmiedeter Zaun in Wernigerode.

Donnerstag: Harzer Käse

Eingangsschild von einem Käsehof
In Westerhausen soll die Harzer Käsetradition wieder aufleben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Haben Sie schon einmal echten, im Harz hergestellten, Harzer Käse probiert? Kann nämlich nicht sein, denn im Harz wird bislang kein echter Harzer Käse produziert. Das will Peter Gropengießer ändern. Als Bio-Käsehersteller weiß er nämlich nicht nur, wie es geht. Er sucht derzeit gemeinsam mit Studenten auch nach Wegen, die echte Harzer-Käseherstellung profitabel zu machen.

Überhaupt liegen dem Käsemacher seine Heimat, typische Harzprodukte und die dazugehörigen, fast vollkommen verschwundenen Nutztierrassen besonders am Herzen. 13 Milchkühe der Rasse Harzer Rotes Höhenvieh und fast 80 Harzer Ziegen liefern die Milch für seine ganz besonderen Käse aus dem Harz. Heu machen, Füttern, melken, Käse herstellen und vertreiben – aus Überzeugung und Liebe zum Produkt: Peter Gropengießer macht auf dem Westerhäuser Käsehof, mit Hilfe seiner Familie, wirklich alles selbst.

Käseproduktion 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Freitag: Harzer Alt-Hippie

Verkaufsfläche in einem kleinen regionalen Laden
In diesem kleinen Laden in Ilsenburg kann man Produkte nicht nur riechen und anfassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Claudia Kemmerling ist die Besitzerin des "Ilsenburger Ladens". In Wohnzimmeratmosphäre kaufen Einheimische wie Touristen frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität aus Dingelstedt, Käse aus Westerhausen, Marmelade aus Schladen oder Wild aus dem Nationalpark Harz.

Die Lebensmittel werden weitgehend unverpackt präsentiert, zum Sehen, Riechen und Anfassen. Stammkunden bringen ihre Jutebeutel mit. Zu entdecken gibt es hier aber auch Bücher eines Quedlinburger Verlages, Ausstellungsstücke aus einem ehemaligen Andenkenladen aus DDR-Zeiten, Schmuck, Wollmützen und Klangschalen aus Nepal und Ilsenburger Kunstguss.

Dieser Laden ist eben so bunt und abenteuerlustig wie Kemmerlings Leben. Die 56-Jährige hat sich nämlich schon viel getraut: Auswandern, den Schritt in die Selbstständigkeit, ein Aussteigerleben im VW-Bus – und Ankommen in Ilsenburg, denn die Kosmopolitin ist ausgerechnet im Harz sesshaft geworden. Vor allem der Menschen wegen. Eine ihrer Leidenschaften ist das Buttern in Gemeinschaft, das sie gemeinsam mit den Ilsenburger Nennenfrauen regelmäßig in ihrem Laden betreibt. Mit der Kamera begleitet der MDR sie dabei.

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Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Januar 2020 | 19:00 Uhr

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