Streit um Förderung Investor bläst Schierker Seilbahn ab

Über das Schierker Seilbahn-Projekt wird in Sachsen-Anhalts Politik seit Jahren gestritten. Dabei geht es vor allem um Naturschutz-Fragen. Nachdem der Investor seine Pläne überarbeitet hatte, läuft das Raumordnungsverfahren wieder. Einen Förderbescheid wird das Wirtschaftsministerium – dessen Minister für das Projekt ist – aber derzeit nicht ausstellen. Nun ist dem Investor der Geduldsfaden gerissen. Die Politik will die Zelte hingegen noch nicht abbrechen. Und auch vor Ort wird weiter an das Projekt geglaubt.

Das geplante Seilbahnprojekt in Schierke ist offenbar geplatzt. Der Sprecher des Investors, Hartmut Möllring, sagte am Freitag MDR SACHSEN-ANHALT, für Investor Gerhard Bürger sei das Thema definitiv durch. Der zuständige Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) habe per E-mail mitgeteilt, dass es keinen Förderbescheid gibt. Damit könne sich Bürger keine Kreditzusage bei der Bank holen. Möllring war von 2013 bis 2016 selbst Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt.

Nach Möllrings Worten will Investor Bürger 20 Millionen Euro in das Projekt stecken, davon acht Millionen aus eigener Tasche. Den Rest sollen ein Bankkredit und die Wirtschaftsförderung beisteuern. "Irgendwann ist es natürlich nicht mehr vernünftig, immer noch weiter eigenes Geld zu investieren, wenn die anderen Seiten nicht mitspielen", erklärte Möllring im MDR-Interview.

Ministerium sieht weiterhin Chancen

Der amtierende Wirtschaftsminister Willingmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der fragliche Fördermittelbescheid könne nur in diesem Moment nicht gegeben werden. Das Raumordnungsverfahren laufe noch. Deswegen sei ein Bescheid zum jetzigen Zeitpunkt rechtlich nicht möglich.

Ex-Wirtschaftsminister Möllring hingegen widerspricht der Darstellung seines Amtsnachfolgers. Die Zusage könne auch an Auflagen und Bedingungen geknüpft werden. Außerdem würde das Geld ohnehin erst nach abgeschlossenem Bau fließen. "Der Bewilligungsbescheid liegt im Wirtschaftsministerium und es fehlt nur noch die Unterschrift", so der Sprecher. Die mündliche Zusage Willingmanns, dass er für das Projekt sei, nütze in dem Prozess nicht: "Das ist ja nett. Aber damit kann ich nicht zur Bank gehen."


Die Argumente:

Hartmut Möllring, 2013
Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Hartmut Möllring, Investor-Sprecher

Hartmut Möllring, Investor-Sprecher

"Wenn der zuständige Wirtschaftsminister ihm per E-mail mitteilt, dass es keinen Förderbescheid gibt, kann er nicht zur Bank gehen und sich eine Kreditzusage holen. Damit ist die Finanzierung kaputt."

Wirtschaftsminister Armin Willingmann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Armin Willingmann, Wirtschafsminister

Armin Willingmann, Wirtschafsminister

"Der Wirtschaftsminister dieses Landes bleibt weiterhin ein Unterstützer des Projektes. Ich würde es für eine ganz wichtige Erweiterung des touristischen Angebotes im Harz halten."


Willingmann bleibt auf MDR-Nachfrage bei seiner Darstellung. "Wir sind an Recht und Gesetz gebunden", so der Minister. Der Steuerzahler erwarte, dass es beim Thema Geld äußert korrekt zugehe. Darüber hinaus ist das Thema Seilbahn-Förderung für den Politiker noch nicht vom Tisch: "Sobald die Voraussetzungen erfüllt sind, sobald die naturschutzrechtlichen Belange im Sinne des Projektes geklärt sind, dann kann es selbstverständlich Fördermittel geben", sagte Willingmann. Es gebe weiterhin gute Chancen auf eine Zusage. Der Ball liege aber beim Investor, der die entsprechenden Nachweise liefern müsse.

Bürgerinitiative und Stadt glauben weiter an das Projekt

Auch andere geben die Hoffnung auf das Seilbahn-Projekt noch nicht auf. Der Vertreter der Bürgerinitiative Pro Winterberg, Sven Borchardt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man sei sicher, Investor Bürger werde das Projekt nicht fallen lassen: "Der Investor verfolgt seit vielen, vielen Jahren das Projekt hier in Schierke mit sehr viel Engagement. Nicht nur mit finanziellem Engagement, sondern auch mit viel Begeisterung und Herzblut." So habe Bürger bereits ein Hotel gekauft und instand gesetzt. Borchardt äußerte zugleich Verständnis für die Verärgerung des Investors, der "wie die Einwohner von Schierke, die Unterstützung der Landesregierung vermisst".

Auch Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) äußerte Verständnis für Investor Bürger. Sie glaubt aber ebenfalls an ein Fortbestehen des Seilbahnprojektes. MDR SACHSEN-ANHALT sagte sie: "Für mich ist das nicht gestorben, ich denke, wir sollten hier wieder vernünftig miteinander reden." Ein klares Bekenntnis der Landesregierung für das Seilbahnprojekt sei jetzt ganz wichtig: "Ich glaube, es kann sich kein Land, auch kein Land so wie Sachsen-Anhalt, leisten, diese Investition von einem Privatinvestor einfach so vorbeigehen zu lassen."

Jahrelanger Streit um Sinn und Naturschutz

Vertreter der Regierung von Sachsen-Anhalt und Pressevertreter besichtigen künftige Baustelle der Seilbahntrasse bei Schierke
Die Seilbahn und der Streit ums Hochmoor führte sogar zu einem Vor-Ort-Termin der Landesregierung. Bildrechte: Alexander Budweg

Die geplante Seilbahn am Schierker Winterberg sollte den Ort am Brocken an Skigebiete im Westharz anschließen und galt als wichtiger Baustein für das Tourismuskonzept der Region um Schierke. Um das Projekt war jahrelang zwischen Investor und Naturschützern gerungen worden. Mehrere Gutachten hatten ergeben, dass die Bahn über schützenswerten Moorwald führt. Daraufhin wurden die Trassenpläne überarbeitet, das Raumordnungsverfahren Ende 2018 wieder aufgenommen. Auch innerhalb der Landesregierung hatte es deswegen handfesten Streit gegeben. Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) sieht Wintersport in Zeiten des Klimawandels kritisch. Befürworter argumentieren, dass es sich um ein Ganzjahresprojekt handele.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. Mai 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2019, 17:43 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

20 Kommentare

04.06.2019 15:33 Benutzer 20

super

04.06.2019 10:41 Sr.Raul 19

Ach ja, die geschätzten Investoren. Profiteure auf Kosten der Allgemeinheit. Sollen sich das mal schön selber finanzieren und gut ist. Davon mal ab, ist das Ganze natürlich eine gute Sache und in die richtige Richtung gelaufen. In Hochgebirgen schmelzen die Gletscher weg und hier träumen Welche von künftigen Wintersportoasen auf solchen, vergleichsweise, lächerlichen Hügeln.

04.06.2019 09:35 Andreas Tille 18

In den Planungsunterlagen habe ich folgende Angaben gefunden: „Im Bereich zwischen Loipenhaus und Mittelstation auf ca. 715 m ü. NN beträgt die Steigung des Geländes im Mittel 14 %. In diesem Bereich ist die Hauptabfahrt geplant. Zwischen Mittelstation und Talstation ist das Gelände weniger steil (im Mittel 9 %).“
Laut Klassifikation von Abfahrten besitzen blaue Pisten (=Anfängerpisten) ein Gefälle von unter 25 %. Alpine Skisportler bevorzugen in der Regel lange Abfahrten mit roten (ab 25 %) oder schwarzen (ab 40 %) Pisten. (Zum Vergleich:
Hexenritt am Winterberg zu 60 %Gefälle.)
Sehr gerne kann ich ein Diagramm der Steigungsverhältnisse beitragen.
Kurz zusammengefaßt bedeutet das: Hier wird über eine 1 km lange blaue Piste mit Anfängerniveau gestritten - oder mit anderen Worten: Den teuersten Anfängerhügel des Harzes.

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt