Erfinder Willy Drube Schierker Feuerstein: Als im Harz Schnaps aus dem Brunnen sprudelte

Weil ein paar Touristen mit Magendrücken zu ihm kamen, entwickelte Apotheker Willy Drube einen Schnaps – den Schierker Feuerstein. Mit seiner lustigen Art sorgte er für Geschichten, die bis heute gerne erzählt werden. Sein Getränk erfreut sich nach wie vor – weit über die Grenzen des Harzes hinaus – großer Beliebtheit.

Brunnen
Aus diesem Brunnen an der Alten Apotheke in Schierke sprudelte einst Schnaps. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Der Schierker Feuerstein ist eines der bekanntesten Produkte aus Sachsen-Anhalt. Seit 111 Jahren gibt es den Kräuterschnaps. Dass sich das Getränk deutschlandweit großer Beliebtheit erfreut, hat viel mit der Umtriebigkeit seines Erfinders Willy Drube zu tun.

Apotheker entwickelt Schnaps für Touristen

Der Schierker Apotheker begann 1908 mit der Entwicklung des Getränks. Damals war Schierke so etwas wie das St. Moritz des Harzes – ein Ort für wohlhabende Urlauber – erzählt  Walter Möller, der aktuelle Geschäftsführer von Schierker Feuerstein: "Wenn die Leute zu viel gegessen hatten, kamen sie zu Apotheker Willy Drube und wollten etwas gegen ihr Magendrücken haben. Der hat dann überlegt, was er machen kann." Und Willy Drube mischt und probiert was das Zeug hält. Die Apotheke in Schierke wird zum Versuchslabor.

"Auf alten Bildern sieht man, dass Drube Glasballons hatte", berichtet Möller. "Da hat er dann ein Alkohol-Wassermischung hineingegeben und dazu Kräuter. Das war dann der Grundstoff." Zudem habe Drube "Mordshumor" gehabt, so Möller. Seine Art und sein Produkt kommen an.

Patent, Sponsoring und Vernetzung machen Getränk bekannt

SW-Aufnahme eines älteren Pfeife rauchenden Mannes an einem Schreibtisch
Willy Drube ist der Erfinder des Schierker Feuersteins. Bildrechte: Schierker Feuerstein

Als Erkennungsmerkmal hat er sich ein rotes Etikett ausgedacht mit einem Schriftzug und einem Bild der Schierker Feuersteinklippe. Freunde sind es schließlich, die mit dem Erfolg auch eine Gefahr erkennen, die von Nachahmern. Nach einen wilden Zecherei mit dem Bürgermeister habe Drube den Schnaps patentieren lassen, erklärt Möller.

Zum Erfolg trug auch bei, dass Drube ein Marketing-Fuchs war. Schon damals betrieb er Sponsoring. In Garmisch fuhr zum Beispiel ein Bob mit seinem Schriftzug durch die Eisbahn. Zudem pflegte Drube Kontakte zu vielen wichtigen Leuten und war gut vernetzt.

Schnapsbrunnen zur Hochzeit

Eine der bekanntesten Episoden aus dem Leben von Willy Drube ist die vom Schnapsbrunnen in Schierke. Walter Möller erzählt sie immer wieder gern. Als Drubes Tochter 1936 heiratete, habe sich der Unternehmer nicht lumpen lassen. Er baute einen schicken Brunnen vor seine Apotheke. "Zur Hochzeit sprudelte daraus kein Wasser, sondern Schierker Feuerstein. Das muss ein größerer Umtrunk im Ort gewesen sein", erzählt Möller belustigt.  

Berühmter Schnaps Willy Drubes Erbe in Schierke

Brunnen
Aus dem Brunnen an der Schierker Apotheke sprudelte einst Schnaps. Anlass war die Hochzeit von Willy Drubes Tochter. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Brunnen
Aus dem Brunnen an der Schierker Apotheke sprudelte einst Schnaps. Anlass war die Hochzeit von Willy Drubes Tochter. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
SW-Aufnahme eines älteren Pfeife rauchenden Mannes an einem Schreibtisch
Der Apotheker hat den Kräuterschnaps vor 111 Jahren entwickelt. Bildrechte: Schierker Feuerstein
Die Alte Apotheke in Schierke - Heimat des Feuersteins
Weil Drube ein umtriebiger Geschäftsmann war, verbreitete sich das Getränk schnell über die Grenzen des Harzes hinaus. Bildrechte: Schierker Feuerstein
Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Busses mit Aufschrift 'Schierker Feuerstein'
Zum Erfolg trugen auch großflächige Werbeaktivitäten bei. Bildrechte: Schierker Feuerstein
Grabstein
Um einer Enteignung zu entgehen, ließ Drube seine Tochter in Bad Lauterberg im Westharz ein zweites Unternehmen gründen. Getrennt von Teilen seiner Familie hat sich Willy Drube seinen Humor dennoch bis zum Schluss bewahrt, wie sein Grabstein beweist. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Die Alte Apotheke in Schierke - Heimat des Feuersteins
Heute befindet sich der Shop von "Schierker Feuerstein" in der Alten Apotheke in Schierke – dort wo alles begann.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.08.2019 19:00 Uhr

Quelle: MDR/olei
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Lustig bis zum Schluss

Nach dem 2. Weltkrieg war es mit dem Spaß zunächst vorbei. Schierke lag jetzt in der DDR. Willy Drube hatte Angst vor einer Enteignung. 1951 schickte er deshalb seine älteste Tochter mit dem Geheimrezept ausgestattet ins Westharzer Bad Lauterberg. Sie baute dort gemeinsam mit ihrem Mann ein zweites Unternehmen auf.

Als Drube starb, durfte seine Familie nicht in die DDR einreisen. Stattdessen verfolgte sie die Beerdigung vom nahen Wurmberg aus mit einem Fernglas. Willy Drube hatte seinen Humor aber bis zum Schluss nicht verloren. Der Apotheker war auch ein großer Freund von Reimsprüchen. Ein solcher steht nun auf seinem Grabstein: "In dieser Erdengrube ruht Apotheker Drube. Oh Wanderer eile fort von hier, sonst kommt er raus und trinkt mit dir."

Altes Patent weiter gültig

Heute ist die alte Apotheke in Schierke renoviert. Sie beherbergt den Firmenshop. In Schierke werden die Kräuter gemischt. In Bad Lauterberg wird abgefüllt. Das Rezept ist immer noch das des Firmengründers und streng geheim, und das Patent hat immer noch seine Gültigkeit.

Die Alte Apotheke in Schierke - Heimat des Feuersteins 4 min
Bildrechte: Schierker Feuerstein

Vor 111 Jahren erfand Apotheker Willy Drube in Schierke den Kräuterschnaps Schierker Feuerstein. Anlass war die Hochzeit der ältesten Tochter. Carsten Reuß kennt die ganze Geschichte.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 11.08.2019 11:40Uhr 04:07 min

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. August 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2019, 12:55 Uhr

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4 Kommentare

12.08.2019 07:37 Basil Disco 4

Vor kurzem war ich in Osterholz-Scharmbek in einem Rewe-Markt, da stand der Schierker Feuerstein direkt neben seinem regionalen Pendant Jan Torf. Das ist doch schon ziemlich weit im Westen.

11.08.2019 20:57 Helmut 3

Jägermeister, viel gepriesen in der Werbung aber Versager im Genuß, denn der ist viel zu süß. Schierker Feuerstein trifft den Kräuterschnapsgenießer sehr wohl aber wird zu wenig angeboten. Schade! Müßte mehr in Supermärkten etc. zum Verkauf kommen. Umsatz würde steigen. Nicht alles was von Westfirmen kommt ist gut. Ein Kräuterschnaps muß kräutigwürzig schmecken und nicht so viel Zucker haben. Kleine Firmen tun es meist richtig.

11.08.2019 17:56 Siegfried 2

stimmt war ein klasse Schnaps wunderbar , wenn wir in Schierke / Elend/ Masserberg waren im Urlaub zu DDR - Zeiten eine sehr schöne Zeit war das , im gegensatz zu heute , die man vergessen kann mit all der großen scheiße !

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