Wintersportler auf der einer Loipe.
Offenbar fehlte an dem Weg der ausdrückliche Hinweis, dass er nicht für Wanderer freigegeben ist. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Grundurteil am Landgericht Magdeburg Schmerzensgeld für gestürzten Wanderer im Harz

Ein 79-jähriger Wanderer rutscht vor knapp zwei Jahren auf einem schneebedeckten Weg im Harz aus und verletzt sich. Ursache sollen zwei Gummimatten gewesen sein. Der Wanderer macht das Land Sachsen-Anhalt wegen mangelnder Beschilderung haftbar – das Gericht auch.

Wintersportler auf der einer Loipe.
Offenbar fehlte an dem Weg der ausdrückliche Hinweis, dass er nicht für Wanderer freigegeben ist. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nach dem Sturz eines Wanderers im Harz muss das Land Sachsen-Anhalt Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Landgericht in Magdeburg am Donnerstag entschieden. Demnach steht dem 79-Jährigen dem Grunde nach ein Anspruch zu. Wie viel Schmerzensgeld gezahlt werden muss, ist noch offen. Der Wanderer aus Braunschweig hatte mindestens 7.000 Euro gefordert.

Oberlandesgericht prüft Urteil

Nun prüfe das Oberlandesgericht (OLG) in Naumburg das Urteil, so Richter Christian Löffler. Sollten sich beide Seiten nicht zwischenzeitlich außergerichtlich einigen, werde er im Fall einer Bestätigung durch das OLG die genaue Schmerzensgeldhöhe festlegen. Grundsätzlich ist das Grundurteil per Berufung oder Revision anfechtbar.

Wanderer rutscht aus, stürzt und verletzt sich

Der Wanderer war im März 2017 als Teil einer kleinen Gruppe auf einem abschüssigen und mit Schnee bedecktem Weg bei Schierke auf zwei Gummimatten ausgerutscht und hatte sich den Arm gebrochen. Bei den Matten handelte es sich um zwei etwa zehn Meter lange, ausrangierte Förderbänder aus dem Braunkohletagebau. Diese sollten nach Auskunft der Nationalparkverwaltung Harz, die das beklagte Land vertritt, aufsteigendes Wasser vom Schnee fernhalten.

Gerichtssprecher Christian Löffler vom Landgericht Madeburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es wurde eine besondere Gefahr eröffnet, mit der man nicht rechnet. Diese Bänder sind nicht dafür gedacht, dass man da drüber läuft.

Christian Löffler, Richter am Landgericht Magdeburg

Im Fokus des etwa halbstündigen Zivilverfahrens stand die Frage, inwieweit die Beschilderung in diesem Gebiet ausreichend und richtig war und ob der betreffende Wegabschnitt überhaupt für Fußgänger freigegeben war.

Gericht: Hinweisschilder im Gelände haben gefehlt

Laut Nationalpark ist der Weg im Winter als Loipe gekennzeichnet und für Wanderer gesperrt. Nach Auffassung des Gerichts war die Loipe zwar als solche gekennzeichnet, Wanderer hätten jedoch nicht wissen können, dass der Weg für sie gesperrt sei. Im Internet und auf Karten sei das zwar vermerkt, entlang der Loipe hätten aber Hinweisschilder gefehlt. Deshalb gestand es dem Kläger ein Schmerzensgeld zu.

Aktuelle Schneehöhen im Harz Während auf dem Brocken derzeit rund 165 Zentimeter Schnee liegen, sind es am Wurmberg bei Braunlage rund 35 Zentimeter. In Schierke liegen 19 Zentimeter Schnee, in Benneckenstein 8 Zentimeter.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. Februar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 17:32 Uhr

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13 Kommentare

08.02.2019 15:23 andreas 13

Ohweh,
die Konsequenz wird sein:
jede Gemeinde beschriftet jetzt alle Besonderheiten auf allen Wegen in ihrem Revier.
Da wo die Schilder noch fehlen werden die Waldwege weiträumig abgesperrt!
Hat schon jemand an "Vorsicht Wölfe" gedacht ?

08.02.2019 10:58 Mali 12

Mit dem Schild ,Loipe ' ist alles rechtens!!Wenn der Braunschweiger so unwissend ist,muss er auch die Folgen tragen!! Das Klagen ist nicht in Ordnung und auch das Schmerzensgeld sollte nicht gezahlt werden!!!!!

08.02.2019 10:13 Sr.Raul 11

Ich habe noch Hoffnung, dass dieses Urteil in höherer Instanz kassiert wird. Schwerpunkt sind ja wohl nicht die "Gummimatten" sondern der verschneite Weg. Somit ist der Geschädigte wohl eher auf dem Schnee als auf Gummi ausgerutscht. Letzteres erschließt sich mir eh nicht. Gummi und rutschen, eine für mich völlig neue Paarung. Ich denke hier greift eher das BGH- Grundsatzurteil vom 21.1.1965. Hier wird festgestellt: "Allerdings kann nicht verlangt werden, dass eine Straße völlig frei von Mängeln und Gefahren ist. Ein solcher Zustand lässt sich einfach nicht erreichen." Und hier geht es um einen Waldweg, also eine völlig untergeordnete Verkehrsbedeutung. Dazu kommt, dass ein Betreten von Wald wohl generell als eigenes Risiko eingeordnet ist.