#miteinanderstark Interkulturelles Frauennetzwerk näht Masken für Geflüchtete der ZASt Halberstadt

Schutzmasken sind im Moment ein wichtiges Gut. Auch für Geflüchtete, die in zentralen Aufnahmeeinrichtungen wie in Halberstadt auf engem Raum zusammenleben. Die Übersetzerin Soniya Frotan und der von ihr gegründete Verein versorgen Geflüchtete daher ehrenamtlich mit selbstgenähten Masken.

Soniya Frotan hat Stoffe für Mundschutze gekauft.
Sprachmittlerin Soniya Frotan und ehrenamtliche Helferinnen nähen aus Baumwollstoffen Mundschutze für Geflüchtete. Bildrechte: MDR/Vesile Özcan

Das Coronavirus hat auch in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) zu Herausforderungen geführt. Die ZASt steht seit dem 27. März unter Quarantäne. Deshalb können die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Besorgungen nicht selbst erledigen. 

Bei ihrem letzten Besuch in der ZASt hat die Sprachmittlerin Soniya Frotan die schwierige Versorgungssituation vor Ort erkannt. Frotan und der Geschäftsführer vom Landesnetzwerk für Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA), Mamad Mohamad, hatten die Idee, beim nächsten Besuch selbstgenähte Masken zu verteilen. Zwar hat die Heimleitung bereits Einwegmasken ausgegeben, aber ein selbstgenähter Mundschutz ist eine bessere Alternative. Denn den können die Geflüchteten waschen und mehrfach nutzen.

Das ist Soniya Frotan

Soniya Frotan ist Sprachmittlerin beim Landesnetzwerk für Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA). Sie spricht neben Deutsch, die Sprachen Paschtu, Dari, Urdu und Englisch. Als Übersetzerin begleitet sie Geflüchtete unter anderem bei Behördengängen, Arztbesuchen und Schulterminen. Zurzeit übersetzt sie in der ZASt Halberstadt, um die Bewohnerinnen und Bewohner über das Coronavirus zu informieren.

Frotan selbst ist 1990 aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Damals lebte sie in Hannover. Zwischenzeitlich war sie fünf Jahre in Amerika. Seit 2012 lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wieder in Deutschland – in Magdeburg. Für ihr ehrenamtliches Engagement hat sie im Rahmen des Integrationspreises 2019 eine Ehrung erhalten.

Fertigung und Finanzierung der Masken

Aus bunten Stoffen sollen Schutzmasken für Geflüchtete genäht werden.
Für die Masken hat Frotan auch bunte Stoffe für die Kinder gekauft. Bildrechte: MDR/Vesile Özcan

Frotan hat die Fertigung der Masken übernommen. Neben ihrer Tätigkeit als Sprachmittlerin ist sie die Leiterin des Interkulturellen Frauennetzwerks Sachsen-Anhalt (IFNIS). Über den Verein bietet sie unter anderem einen Nähkurs an. Die Masken werden das nächste Projekt des Nähkurses. "Ich helfe gerne und möchte auch andere motivieren, sich für Menschen einzusetzen", erzählt die Netzwerkerin.

Über eine Finanzierung des Förderprogramms Resonanzboden hat sie Stoffe für ihr Vorhaben eingekauft. Das ist keine einfache Aufgabe, da die meisten Geschäfte wegen der Corona-Beschränkungen geschlossen haben. Im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt hat sie schließlich einen Discounter für Heimtextilien gefunden, der geöffnet ist. Frotan hat verschiedene Stoffe aus Baumwolle ausgesucht. Manche in schlichten Farben, aber auch welche mit bunten Mustern. "Das gefällt den Kindern bestimmt", sagt sie.

Ehrenamtliche Hilfe vom Verein IFNIS

Soniya Frotan verteilt Stoffe an ehrenamtliche Helferinnen, die daraus Schutzmasken nähen wollen.
Soniya Frotan (l.) verteilt die Stoffe an ehrenamtliche Helferinnen in Magdeburg und Schönebeck. Bildrechte: MDR/Vesile Özcan

Geöffnete Geschäfte zu finden war aber nicht die einzige Hürde. Im Normalfall würden sich die rund 20 Frauen ihres Vereins IFNIS in den Räumlichkeiten des Mehrgenerationenhauses Rückenwind e.V. in Schönebeck treffen und zusammenarbeiten. Das geht in Zeiten von Corona nicht.

Deshalb macht Frotan nach ihrem Einkauf eine Rundfahrt durch Magdeburg und Schönebeck, um die Stoffe an ehrenamtliche Helferinnen aus ihrem Verein zu verteilen. "Fünf Frauen haben sich gemeldet", erzählt Frotan, "sie haben Nähmaschinen zu Hause und können selbst nähen." Wenn die Masken fertig sind, will sie die gleiche Rundfahrt machen und alle für die ZASt-Bewohner einsammeln.

Der Frauen-Verein IFNIS

IFNIS ist ein interkultureller Frauenverein, der 2018 gegründet wurde. Ziel ist es verschiedene Angebote für Frauen zu bündeln und Mikroprojekte zu realisieren. Der Nähkurs, deren Teilnehmerinnen nun die Mundschutze herstellen, ist ein Teil der Vereinsarbeit. Es gibt aber noch weitere Tätigkeitsfelder. Von Deutschkursen bis hin zur Familienberatung und kulturellen Veranstaltungen deckt der Frauenverein einige Bereiche ab. 

Andere unterstützen geht immer – gerade in Corona-Zeiten

Frotan erzählt, dass sie am liebsten immer ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, sich für andere einzusetzen. Das Coronavirus sei dabei kein Hindernis, ganz im Gegenteil. Fragen wie: "Könnte ich mich beim Übersetzen gefährden und mit dem Virus anstecken", habe sie sich erst einmal nicht gestellt, erzählt sie.

Ich bin in einer guten Situation, deshalb ist es für mich selbstverständlich, andere zu unterstützen.

Sprachmittlerin Soniya Frotan

Außerdem achte LAMSA sehr darauf, dass sich die Mitarbeiter nicht ansteckten. "Beim Übersetzen in der ZASt müssen wir einen Sicherheitsabstand halten. Die wichtigsten Informationen werden zusammengefasst und per Mikrofon durchgesagt", schildert Soniya.

Motiviert für Engagement durch die Familie

Auf die Frage, was ihre Motivation für das ehrenamtliche Engagement ist, antwortet sie: "Das habe ich mir von meinen Eltern abgeschaut. Wir haben in meiner Kindheit eine Zeit lang in Pakistan gelebt. Da gab es viele Flüchtlinge. Die Situation war sehr schlecht. Die Menschen hatten teilweise nichts zu essen. Meine Eltern haben immer Leute eingeladen und für sie gekocht. Also ich kenne es nicht anders und verdanke das meiner Familie."

Sprachmittlerin Soniya Frotan aus Magdeburg
Anderen helfen: Das hat Soniya Frotan von ihren Eltern übernommen. Bildrechte: MDR/Vesile Özcan

Bei der ganzen größtenteils ehrenamtlichen Arbeit sei ihr Ehemann eine große Unterstützung. "Er übernimmt oft die Kinderbetreuung und somit bin ich flexibler", beschreibt sie. Frotan macht es glücklich, wenn sie mit ihren Eltern telefoniert und erzählt, was sie mit ihrem Verein alles geschafft hat. "Wenn sie dann sagen, 'Wir sind stolz auf dich', reicht mir das. Vielleicht ist genau das meine Motivation", sagt sie.

Frotan selbst hat sich auch an die Arbeit gemacht und näht Masken. "Bis jetzt sind es 40 Stück geworden. Aber wir machen weiter. Es sollen noch viel mehr werden", sagt sie. Sie möchte bei ihrem nächsten Besuch in der ZASt so viele Menschen wie möglich damit versorgen.

Quelle: MDR/mh

22 Kommentare

DER Beobachter vor 27 Wochen

Niemand will Ihnen hier Nähnachhilfe geben. Ansonsten: "Wir haben schon genäht..." Also doch Kinder und Kochtopf - und die DDR-Mehrfachbelastung der Frau. Dazu Ihre ganz spezielle eigene Religion als bekennende Atheistin aus Mangel. Und sonst so? Nähen Sie auch gerade Masken - z.B. für dezidiert nicht religiöse deutsche Pfleger?

DER Beobachter vor 27 Wochen

Diese Tatsachen deutscher Engagierter und der Herausforderungen für unsere Behörden interessieren doch die bekannten dumpfen Gewohnheitspöbler a´ka Dimpfelmoser herzlich wenig...

DER Beobachter vor 27 Wochen

Nonsenskommentar, weil: 1. Völlig am Thema vorbei 2. Niemand sich in D verhüllen muss. Ich schätze, die aktiv handelnden Damen dort sind selbstbewusst genug zu entscheiden, ob sie das Kopftuch tragen wollen oder nicht. Abgesehen davon ist im Iran und Afghanistan der Islam seit Jahrhunderten gewissermaßen Staatsreligion, ob nun mit oder ohne Kopftuch. Sie meinen offenbar die islamistische Herrschaft seit den 70ern. Ja, die propagiert auch mit den Kleidungsgeboten (Tschador, Nikab, Burka, schwarze Einheitskleidung) ein frauenfeindliches und antiemanzipatorisches Weltbild, aber genau das hat mit den Frauen auf den Bildern offenbar wenig zu tun! Ja, denken tut überhaupt nicht weh. Drum sollten Sie endlich mal anfangen, das zu tun!

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