Gnadenhof in Sargstedt Ein großes Herz für alte Tiere

Für alte und kranke Menschen gibt es Seniorenheime und Pflegedienste. Und für Tiere? In Sargstedt bei Halberstadt betreibt ein Ehepaar ehrenamtlich ein Seniorenheim für Vierbeiner. Doch die Betreiber sind jetzt Rentner, und die Zukunft ist ungewiss.

von Carsten Reuß, MDR SACHSEN-ANHALT

Mann sitzt auf Treppe und Füttert Hunde
Harald Lyhs und seine Schützlinge Bildrechte: Carsten Reuß

Wenn Harald Lyhs sein Haus verlässt, wird er sofort von einem großen Rudel Hunde umringt. Zwei Dinge fallen auf: Die Tiere wirken außerordentlich ruhig und friedlich, gehen vollkommen ohne Aggressionen miteinander um. Und: Die Hunde sind alt oder krank oder beides. Ein Tier hinkt, ein anderes hat trübe Augen, ein Hund zieht seine Hinterläufe auf einem Wägelchen hinter sich her.

Harald Lyhs betreibt mit seiner Frau Anita in Sargstedt bei Halberstadt einen Gnadenhof für Tiere, seit 2005 auf Vereinsbasis. Sie hätten früher schon gern Hunde gehabt und sich um hilfsbedürftige Tiere gekümmert, sagt der 65-Jährige. Oft hätten sie sich die MDR-Sendung "Tierisch tierisch" angeschaut, und wenn am Mittwoch ein Tier noch nicht vermittelt gewesen sei, hätten sie es manchmal zu sich genommen. Der erste schwer zu pflegende Hund war dann ein Riesenschnauzer aus dem Tierheim Gotha. Der sei blind und taub gewesen. Die Betreuerin sei mit einer Quietsche-Ente vor ihm hergegangen. "Das hatte uns fasziniert, und wir haben dann den Hund zu uns genommen. So hat sich das dann entwickelt", erinnert sich Lyhs.

Würdevolles Lebensende

Hunde auf einem grünen Hof
Neben Flocki wohnen noch 25 weitere alte Hunde auf dem Gnadenhof. Bildrechte: Carsten Reuß

Daraus ist dann eine Berufung geworden. Derzeit leben auf dem Grundstück der Lyhs' 20 Katzen, etliche Waschbären und 26 Hunde mit körperlichen Gebrechen, Sehschwächen, an Inkontinenz oder Demenz leidend.

Einer der ältesten Bewohner ist Flocki, 19 Jahre alt. Flocki war gemeinsam mit seinem Herrchen im Seniorenheim, bis Herrchen gestorben ist. Das war Mitte 2015. Seitdem lebt Flocki bei Familie Lyhs. Das Ehepaar ermöglicht den Vierbeinern ein würdevolles Lebensende.

Irgendwo müssen sie ja hin, wenn sie keiner mehr haben will.

Harald Lyhs

Häufig landen Tiere bei ihnen, weil die Besitzer verstarben und sich die Nachkommen nicht kümmern können oder wollen, oder weil Tiere ausgesetzt oder verletzt wurden. "Dann ist bei uns die letzte Station", so Harald Lyhs.

Hilfe benötigt – Nachfolger gesucht

Schild "Gnadenhof Sargstädt"
Zukunft ungewiss: Der "Gnadenhof Sargstedt" benötigt Spenden und einen Nachfolger. Bildrechte: Carsten Reuß

Die Kosten – neben Futter vor allem Tierarztrechnungen und Medikamente – finanziert das Paar über Spenden, Mitgliedsbeiträge, Patenschaften und mit eigenem Geld. Doch seit Anfang September ist Harald Lyhs Rentner. Nun wird es schwer. Hilfe in Form von Geld- oder Sachspenden, wie Futter, Decken oder Handtücher wird jetzt noch mehr benötigt als bisher. "Am liebsten hätten wir ja jemanden, der das mal übernimmt", sagt Harald Lyhs. Doch so jemand ist derzeit nicht in Sicht.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. September 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2018, 20:08 Uhr

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7 Kommentare

09.09.2018 14:06 Hodi 7

Menschen mit Herz und die Tiere spüren das...
Finde ich toll, welch große Opferbereitschaft und mit welcher intensiven Fürsorge sie liebevoll diese armen Vierbeiner umsorgen. Mein Gefühl der Hochachtung und des Dankes an das Ehepaar...
Beste Grüße

09.09.2018 09:07 Jan 6

Ich spende auch einem Gnadenhof. Es muss nicht ein Vermögen sein. Kleinvieh macht auch hier Mist :-) Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tiere, nur weil sie uns Menschen nicht mehr passen, getötet werden.
Ich wünsche dem Ehepaar von Herzen viel Erfolg!

08.09.2018 19:41 Klaas aus Holland 5

MDR, danke für diesen Artikel und Respekt für dieses Ehepaar.