UNESCO-Kulturerbe Abgebranntes Schachmuseum: So geht es in Ströbeck weiter

Zwei Monate ist der Brand im Schachdorf Ströbeck her. Mehrere tausend Euro an Spenden sind bisher zusammengekommen – doch bei weitem noch nicht genug. Um die geretteten Exponate restaurieren zu können, braucht es noch viel Zeit und Geld.

Ein abgebrannter Dachstuhl.
Der Brand hat den gesamten Dachstuhl des Museums zerstört. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

300 Euro vom örtlichen Volleyball-Verein SV 2010 Weiß-Rot Ströbeck. Der Oberbürgermeister legt noch 200 Euro drauf. Nach und nach laufen die Spenden für das abgebrannte Schachmuseum Ströbeck ein. Insgesamt haben Anwohner und Freunde des Schachmuseums bisher über 5.500  Euro gespendet.

Das Schachdorf Ströbeck

Den Titel "Schachdorf" trägt Ströbeck seit 1991. Schach steht im Namen des Ortsteils von Halberstadt im Landkreis Harz, weil das Dorf seit Jahrhunderten mit dem Schachspiel verbunden ist – der Legende nach sogar seit fast einem Jahrtausend, urkundlich belegt seit 1515. Die Grundschule in Ströbeck heißt Lasker-Schule, Schach ist Pflichtfach. Seit 2016 ist das Schachdorf Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes.

Und doch ist das nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Denn es wird hunderttausende Euro kosten, das Museum und vor allem seine Exponate wieder herzurichten. 6.000 Exponate gehören zu dem einzigartigen Museum im Schachdorf Ströbeck, darunter über 400 Schachspiele.

Brand zerstörte das Schachmuseum

Ältestes Schachbrett: Ein mit Ruß belegtes Schachbrett aus dem Jahr 1817.
Das Schachbrett aus dem Jahr 1817 ist durch den Brand von Ruß bedeckt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Am 14. November des vergangenen Jahres war ein Feuer in dem Museum ausgebrochen. Zwar konnte die Feuerwehr fast alle Exponate retten, doch viele sind beschädigt. Hitze und Ruß haben den Ausstellungsstücken stark zugesetzt. Zwei Monate sind seitdem vergangen. Und während im Museumsgebäude bereits erste Sanierungsarbeiten stattfinden, warten die beschädigten Exponate auf ihre Rettung.

Im Saal des Bürgerhauses wurden die Stücke regelrecht aufgebahrt, darunter auch der ganze Stolz des Ortes: das älteste erhaltene Ströbecker Schachbrett aus dem Jahr 1817. Manchen Stücken hat das Feuer jedoch auch sehr stark zugesetzt, so dass sie kaum noch als Schachbretter zu erkennen sind.

Fachleute untersuchen die Schäden

Geschmolzenes 3D-Schachspiel: Jens Müller hält ein geschmolzenes 3D-Schachspiel in der Hand.
Jens Müller mit einem geschmolzenen 3D-Schachspiel. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Jedes der beschädigten Stücke muss von Fachleuten begutachtet werden. Und genau hierfür sind die Spenden für das Schachdorf relevant. Denn diese Kosten werden nicht von der Versicherung bezahlt. Die Schadensfeststellung sei nicht versichert, so Halberstadts Museumschefin Antje Gornig. 15 Exponate wurden bereits begutachtet, mehrere Hundert fehlen noch.

Indes soll das Schachmuseum nicht wieder in das alte Gebäude zurückkehren. Viel zu eng und zu verwinkelt ist es. Deshalb soll das Museum im Bürgerhaus gegenüber neu entstehen – dort, wo die beschädigten Exponate und sichergestellten Akten derzeit lagern.

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Quelle: MDR/fl

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2020, 12:15 Uhr

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