Urlaub zu Hause Wie Familie Krause beim Grillen ihren Campingplatz zum "Glampingplatz" machte

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

MDR SACHSEN-ANHALT macht diese Woche "Urlaub zu Hause". Die Reporter Sören Thümler und Fabian Frenzel reisen einmal quer durch das Bundesland und stellen verborgene Ausflugsziele und die Menschen vor, die dahinter stecken. Zum Beispiel Familie Krause. Sie fällen die großen Entscheidungen auf ihrem Campingplatz am Bremer Teich im Harz bei Bratwurst und Lagerfeuer. Die nächste Generation soll bald übernehmen – und drückt schon auf die Modernisierungs-Tube.

Steffen Krause und Melina Mielitz
Zwei Generationen führen den Campingplatz am Bremer Teich: Steffen Krause und Melina Mielitz. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Vater, Mutter, Tochter und Freunde sitzen gemütlich bei einem Grillabend zusammen und plaudern über die Zukunft. Dabei knistert ein Lagerfeuer. In Sichtweite liegt mit dem Bremer Teich auch noch ein kleiner Stausee. Das klingt zwanglos, nach Urlaub, nach Feierabend. Doch bei Familie Krause ist das anders. Die Szene spielt sich nämlich auf dem Campingplatz der Familie ab. Und es ist kein launiger Grillabend – sondern ein Treffen des Familienrats. Im Geschäftsleben würde man wahrscheinlich Konferenz dazu sagen.

Steffen Krause leitet das Harz-Camp Bremer Teich bei Gernrode. Der 53-Jährige bekommt dabei Unterstützung von seiner Familie. Seine Frau ist das "Mädchen für alles", eine Freundin kümmert sich um den Kiosk auf dem Platz und seine Tochter steht schon in den Startlöchern, um den Platz irgendwann zu übernehmen. Und die ganze Familie eint ihr Anspruch: Wir müssen modern sein. Der Platz muss mit der Zeit gehen. Glamping ist das Zauberwort.

Verschmelzung von Komfort und Camping-Idylle

Moderne, runde Holzhütten auf einem Campingplatz.
Komplett aus Holz, mit eigener Dusche und WC: Glamping-Hütten am Bremer Teich. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Glamping bedeutet "glamouröses Camping", wie Krause erklärt. Dabei verschmelzen der Komfort eines Ferienhauses mit dem Gefühl des Campings. In der Praxis sieht das so aus: Auf dem Platz am Bremer Teich gibt es seit diesem Jahr fassförmige Ferienhütten. Komplett aus Holz: Im Inneren ausgestattet mit Fernseher, eigener Dusche und Toilette. Dazu haben die Krauses auch noch mehrere Glamping-Zelte. Die haben Wände, richtige Betten und ebenfalls Duschen und Toiletten. "Es ist im Prinzip ein Ferienhaus. Aber eben auch ein Zelt. Und wenn die Gäste das verlassen, erleben sie alles, was auf einem Campingplatz passiert. Sie haben das komplette Campingerlebnis." Krause kann gut verkaufen. Man nimmt ihm ab, dass Glamping offensichtlich nicht nur ein Ferienhaus auf einem Campingplatz ist.

"Glamping war meine Idee", sagt Melina Mielitz. Sie ist die Tochter von Steffen Krause. Die 27-Jährige muss lachen, als sie darauf beharrt, dass sie es war, die bei einem der Grillabende auf den Trend hingewiesen hatte. Mielitz geht oft auf Messen, guckt, was in der Branche angesagt ist. "Sie ist voll integriert in den Betrieb", sagt Vater Krause. "Und sie wird den Platz mal übernehmen". Der Platz ist Familiensache. 1992 übernimmt ihn Opa Krause, weil der plötzlich arbeitslos ist und dann die Ausschreibung für einen neuen Pächter des Campingplatzes sieht. "Irgendwas musste er ja machen", erzählt Krause. Es war schlicht eine pragmatische Entscheidung, dass der Platz Teil der Familie wurde. 1998 steigt dann Sohn Steffen Krause selbst ein. Und der macht es sich zur Aufgabe, den Ort zu modernisieren.

Plumpsklo bis in die 1990er

"Der Platz wurde in den 1950ern angelegt. Damals fanden hier vor allem Zeltferienlager statt." Über die Jahre entsteht der Campingplatz. Und viel tut sich bis in die 1990er-Jahre dann nicht mehr. "Hier standen eigentlich, bis ich hier angefangen habe, noch Plumpsklos und Waschrinnen rum." Doch Krause dreht sofort jeden Stein um beziehungsweise reißt ihn ab. Ein Klärwerk wird gebaut und neue Wasserleitungen verlegt. Dazu kommen neue moderne Häuser. Es wird klar, woher Tochter Melina Mielitz ihren Drang nach Veränderung hat.

Jetzt also Glamping. Beim Grillabend wurde entschieden. "Protokoll führen wir da nicht. Jeder bringt sich ein. Aber bei meinem Vater liegt dann die Entscheidung", erzählt Mielitz. An jenem Abend hat Steffen Krause also den Daumen gehoben. Der Platz wird weiter modernisiert. Im Winter des vergangenen Jahres wird gebaut. Die Glamping-Hütten und Zelte werden pünktlich zur neuen Saison fertig.

Ein Campingplatz an einem Gewässer.
Wie ein Gemälde fügen sich Wohnwagen, Teich und der Harzer Wald ineinander. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Frische Ideen durch die Jugend

Und dann? Corona! "Wir hatten alles vorbereitet, doch dann kann keiner kommen." Steffen Krause seufzt, als er davon berichtet, wie seine neueste Investition durch das Coronavirus direkt zum Start ausgebremst wurde. "Wir standen da und waren hilflos." Bisher hat er einen fünfstelligen Betrag durch die Corona-Beschränkungen verloren. Aber derzeit geht es aufwärts. "Wir haben teilweise 200 Anfragen pro Tag." Das ist ungewöhnlich für diese Zeit. "Die Menschen wollen raus." Und das geht derzeit eben am einfachsten innerhalb Deutschlands. "Wenn keine zweite Welle kommt, dann wird es ein guter Sommer. Dann kommen wir über den Winter."

Und wenn es doch ein schlechter Winter wird, ist da ja noch Tochter Melina. "Ich habe neue Ideen", sagt sie. Sie ist der frische Wind, der ihr Vater einst war, als die Toiletten hier noch keine Spülung hatten. "Ich will bald Chefin werden", sagt die 27-Jährige und strahlt dabei übers ganze Gesicht.  Über das "bald" wird der Familienrat entscheiden. Bei Bratwurst. Am Lagerfeuer. Mit Blick auf den Bremer Teich.

Hier liegt das Harz-Camp Bremer Teich

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über Fabian Frenzel Fabian Frenzel arbeitet seit November 2014 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Online-Redaktion. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allem im Bereich Social-Media. Er würde gerne mehr Texte über sein Hobby "Männerballett" schreiben, hat aber noch nicht die richtige Rubrik dafür gefunden.

Sein Journalismus-Studium hat der gebürtige Brandenburger in Berlin und Eichstätt/Ingolstadt absolviert. Die ersten journalistischen Schritte machte er bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und RADIO ENERGY Berlin. Sein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist Calbe (Saale), wo ein Teil seiner Verwandtschaft lebt. Hätte er dort nicht für ein paar Monate Unterschlupf gefunden, wäre er heute vermutlich nicht beim MDR. Und: Er ist gern da, wo man auch Lasertag spielen kann.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. Juni 2020 | 08:40 Uhr

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