Keine Wanderung bei Unwetterwarnung Nationalpark Harz warnt: Sturmjäger riskieren auf dem Brocken ihr Leben

Mit rund 150 Kilometern pro Stunde fegten am Wochenende Sturmtief "Xanthippe" und Sturmtief "Yulia" durch den Harz. Trotz amtlicher Unwetterwarnungen waren Wanderer im Nationalpark unterwegs, auch auf dem Brocken. Eine Frau war beim Spaziergang bei Wernigerode von einem Baum erschlagen worden. Es gab aber auch Menschen, die den Sturm suchten und ihr Leben riskierten: sogenannte Sturmjäger.

Johanna Honsberg
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Johanna Honsberg, MDR SACHSEN-ANHALT

Wanderer bei starkem Wind auf dem Brocken
Der Sturm auf dem Brocken wehte den einen oder den Anderen Wanderer von den Füßen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauss

Menschen, die sich extra auf die Suche nach Stürmen und Unwettern begeben: So werden "Sturmjäger beschrieben. Neben dem Ziel, genaue Informationen zum Sturm zu liefern, geht es ihnen vor allem um den Adrenalinkick, diesem Gefühl, sich in solch gefährlichen Situationen so richtig lebendig zu fühlen.

Auch auf dem Brocken waren sie am vergangenen Wochenende unterwegs. Dabei war das Wandern am Wochenende lebensgefährlich, sagt auch Rüdiger Bößert von der Bergwacht Harz. Dass bei dem Wetter Menschen in Waldgebieten und Gebirgen unterwegs sind, sei aber nicht ungewöhnlich. "Wir haben schon ein paar Mal erlebt, dass da Leute oben durch den Wind umgeweht wurden und gegen die Felsen geweht wurden. Oder dass auch Leute mit Kinderwagen hochgekommen sind." Er schüttelt mit dem Kopf. "Aber die hören ja nicht auf einen."

Hinweisschilder missachtet

Die Nationalparkverwaltung Harz warnt davor, die Gefahren eines Sturmes zu unterschätzen. Pressesprecher Friedhart Knolle sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, alle Beteiligten seien bemüht und auch gesetzlich verpflichtet, niemanden zu gefährden. Die Nationalparkverwaltung habe hunderte Hinweisschilder aufgestellt und warne bei Sturm auf allen erdenklichen Kanälen.

Trotzdem mussten die ehrenamtlich arbeitenden Retter der Bergwacht Harz in diesem Jahr schon 16 Mal ausrücken. Da sind die Rettungsdienste des regulären Dienstes vom Deutschen Roten Kreuz gar nicht erst aufgezählt.

Das Wandergebiet zu sperren, ist schwieriger, als gedacht

So richtig etwas könne man gegen die Sturmjäger aber nicht tun. Da sind sich die Bergwacht, der Nationalpark Harz und die Gastschänke "Brockenwirt" einig. Die Wanderwege zu sperren, wäre nur durch die Polizei möglich. Kristin Schumann vom Brockenwirt stellt sich das aber schwierig vor. "Das sind so viele Wanderwege, die können unmöglich alle kontrolliert werden."

Neben den Sturmjägern waren aber auch Wanderer bei Sturm auf dem Brocken, die das Wetter falsch eingeschätzt hatten. Um das zu vermeiden, wird auf vielen Kanälen amtlich vor kommenden Unwettern gewarnt: durch die Wetterdienste und die Betreiber der Gaststätten auf dem Brocken. Dazu wird der Verkehr der Brockenbahn zum Gipfel eingestellt. "Und dann müssen wir an den gesunden Menschenverstand appellieren", sagt Schumann.

Friedhart Knolle, Presssprecher vom Nationalpark Harz
Bildrechte: Michael Fuchs

Bei den Leuten gibt es aber offenbar die Tendenz, nicht zuzuhören. Wer bei Sturm willentlich in den Wald geht, könnte auch willentlich über eine rote Ampel fahren.

Friedhart Knolle, Pressesprecher Nationalparkverwaltung Harz

Wer nicht weiß, ob es sicher ist, auf den Brocken zu wandern, sollte daher auf den Wetterdienst vertrauen – oder sich an die Nationalparkverwaltung Harz wenden. Und für die Gäste, die eigentlich im Brockenhotel übernachten wollten, gibt es zumindest ein kleines Trostpflaster: sie bekommen den vollen Preis der Buchung zurück erstattet.

Zwei Sturmtiefs innerhalb weniger Stunden

Sturmtief "Xanthippe" und Sturmtief "Yulia" sind am vergangenen Wochenende über Sachsen-Anhalt gefegt. Besonders betroffen war der Harz. In Wernigerode wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Johanna Honsberg
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Johanna Honsberg ist seit Anfang 2020 als Praktikantin bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig – meist im Hörfunk, manchmal aber auch für das Fernsehprogramm. Die gebürtige Göttingerin studiert eigentlich in Leipzig Kommunikations- und Medienwissenschaft. Nebenbei wirkt sie beim studentischen Radio mephisto97.6 mit. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Harz und ganz besonders die kleine Stadt Quedlinburg.

Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Februar 2020 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2020, 14:15 Uhr

2 Kommentare

nasowasaberauch vor 6 Wochen

Bei allen Verständnis für das Naturerlebnis, aber wenn ich diese Sturmtouristen auf dem Brocken als Spielball der Stürme sehe, dann zweifle ich an deren Verstand. Werden Kinder oder eventuell Retter in Gefahr gebracht, dann kommt noch Verantwortungslosigkeit hinzu.

Wolf im Schafspelz vor 6 Wochen

Wer bei diesen Windgeschwindigkeiten auf den Brocken wandert hat den Schuss nicht gehört. Wenn was passiert, den Rettungseinsatz aus der eigenen Tasche bezahlen lassen, zumal es auf den Wanderwegen auch noch Lebensgefahr durch umstürzende Bäume besteht. Das hat man letztes Wochenende gesehen das eine Frau in Wernivon einem Baum erschlagen wurde. Fast jeder hat ein Handy also auch den aktuellen Wetterbericht für den Brocken.
Gruss aus dem Oberharz.

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