Jagd Hochsitz
Der tödliche Schuss kam nicht zweifelsfrei aus dem Hochsitz der Jägerin. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Urteil am Amtsgericht Quedlinburg Freispruch für Jägerin nach tödlichem Jagdunfall

Die 22-jährige Jägerin, die 2017 bei einer Jagd einen anderen Jäger erschossen haben soll, wurde vom Gericht in Quedlinburg freigesprochen. Die Begründung: Es sei nicht zweifelsfrei bewiesen, dass der tödliche Schuss von ihr abgegeben wurde.

Jagd Hochsitz
Der tödliche Schuss kam nicht zweifelsfrei aus dem Hochsitz der Jägerin. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Das Amtsgericht Quedlinburg hat am Mittwoch eine 22-jährige Jägerin freigesprochen. Die Frau war angeklagt, im Oktober 2017 bei einer Drückjagd in Ballenstedt einen 81-jährigen Jäger mit einem Schuss tödlich am Kopf getroffen zu haben.

Richter Theo Buß folgte mit dem Freispruch der Argumentation der Verteidigung: Demnach habe sich im Lauf des Prozesses kein eindeutiger Beweis ergeben, dass die Jägerin den tödlichen Schuss abgegeben hatte.

Sachverständiger liefert keinen klaren Beweis

Ein Sachverständiger hatte zuvor zwar ausgesagt, er halte es für möglich, dass der Schuss vom Hochsitz der damals 20-Jährigen abgegeben wurde. Beweisen könne er das aber nicht. Ob der Schuss auch von anderen Waffenträgern, die bei der großen Gesellschaftsjagd unterwegs waren, abgegeben worden sein könnte, habe er nicht untersuchen müssen.

Die Anklage hatte eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Die 22-Jährige sollte nach Antrag der Staatsanwaltschaft eine Verwarnung und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Angeklagte sagte, der Tod des Jägers tue ihr unendlich Leid, sie trage aber keine Schuld daran.

Angeklagte vor Gericht 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mi 04.12.2019 19:00Uhr 01:42 min

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Das Opfer trug keine Signalfarben

Bereits am ersten Tag der Verhandlung Ende Oktober hatte sie jede Schuld von sich gewiesen. Die Jägerin habe auf einen Hirsch gezielt. Sie würde jeden Schuss so wiederholen, da sie sich bei jedem Schuss sicher gewesen sei, sagte sie. Sie habe alle Vorschriften eingehalten. Erst später habe sie davon gehört, dass bei der Drückjagd ein Mensch umgekommen sei.

Zeugen haben ausgesagt, dass der 81-Jährige Niedersachse entgegen der Regularien keine Signalfarbe getragen habe. Darauf habe ihn aber auch niemand hingewiesen.

Auf diese Sicherheitsvorschriften müssen Jäger achten

In der Unfallverhütungsvorschrift Jagd (VSG) ist festgelegt, wie Jäger mit Waffen und Munition umgehen müssen. So steht etwa im Paragraph 3: "Ein Schuss darf erst abgegeben werden, wenn sich der Schütze vergewissert hat, dass niemand gefährdet wird."

Eine Grundregel bei Jagden: Jäger müssen dem Sprecher des Deutschen Jagdverbands zufolge alle Hintergrundgefahren ausschließen. Das heißt: Jäger dürfen nicht auf Siedlungen, Straßen oder Wege schießen. Außerdem müssten sie die Kugeln Richtung Boden lenken, sodass die Erde das Projektil verschlucken könne. Daher säßen Jäger oft auf Hochsitzen. Denn eine ungebremste Kugel könne bis zu drei Kilometer weit fliegen, erklärt der Sprecher.

Laut deutschem Jagdverband sind tödliche Jagdunfälle in Deutschland selten. In den vergangenen zehn Jahren seien durchschnittlich zwei Menschen pro Jahr durch Jagdwaffen gestorben. 2015 hat es in Sachsen-Anhalt zwei Jagdunfälle gegeben, die beide aber nicht tödlich endeten.

Quelle: MDR, dpa/mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Dezember 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 06:58 Uhr

4 Kommentare

Fuerst Myschkin Gestern

Da ich berufluch mit Schusswaffen zu tun hatte;, kamen mir die gleichen Gedanken wie Ihnen, hinsichtlich des betreffenden Geschosses. Es muss ferner auch weitere Anhaltspunkte gegeben haben, welche die Anklage gegen die Frau begründet hatten. Es wird in der Regel gegen niemanden ermittelt, ohne Verdachtsmomente. Ein Staatsanwalt wird in solchen dubiosen Fällen auch nicht anklagen, wenn die Verdachtsmomente nicht konkret wären. Was aber die Rechtsprechung allgemein in diesem Lande betrifft, darüber habe ich, wie so viele andere Bürger auch, längst jeglichen Glauben an Gerechtigkeit verloren. Hiesiges Urteil ist nur ein winziges Mosaiksteinchen, welches ein großes Gesamtbild ergibt.

Eberhard Gestern

Jagdlich verwendete Geschosse

sind eben nicht so einfach zuzuordnen, wie Sie sich das vorstellen. Es werden ausschließlich Deformations- oder Zerlegungsgeschosse verwendet, um das Wild durch Schock- und Wundwirkung möglichst schlagartig zu immobilisieren, es das Bewußtsein verlieren zu lassen und es innerlich verbluten zu lassen, bevor es Schmerzen spüren kann. Dadurch bleibt höchstens ein kleiner, undeformierter Rest des Geschosses erhalten, bei dem Drallspuren gerichtsverwertbar genommen werden könnten. Nach der Deformation eines Jagdgeschosses, das i.d.R. den Wildkörper mit einem Restgewicht von 50 bis 90% durchschlägt, deformiert es weiter im Boden, so dass ballistische Zuordungen, die über Material und Kaliber hinausgehen sehr schwierig sind.

Und diese Zuordnungen treffen eben auf eine Vielzahl von Jagdmunition (Laborierungen) zu, da die Hersteller für alle Kaliber gleiche Materialien verwenden. Und diese werden von vielen Jägern verwendet.

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 2 Tagen

Ein Geschoß kann immer zweifelsfrei zugeordnet werden, wenn man will!! Wer war die Frau, das man das nicht macht?
Die Richter in unseren Staat werden immer glaubwürdiger.

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