Nationalpark Warum Kameras im Harz Wildtiere fotografieren

Jedes Jahr aufs Neue sorgen Tierfotos aus dem Nationalpark Harz für großes Interesse bei den Nutzern von MDR SACHSEN-ANHALT. Doch Fotos dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern auch dem Schutz des Waldes, erklärt Friedhart Knolle vom Nationalpark im Interview.

Ein Rothirsch an einer Fotofalle.
Der Rothirsch posiert gerne vor einer der Kameras im Harz. Bildrechte: Nationalpark Harz

Friedhart Knolle ist Pressesprecher des Nationalparks Harz und Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz. Der aus Goslar stammende Knolle ist Doktor der Geologie und Umweltschützer.

MDR SACHSEN-ANHALT: Die Bilder von den Tieren im Wald sorgen immer wieder für viel Aufsehen. Wie viele Fotos werden pro Tag geschossen?

Friedhart Knolle: Es kommt natürlich darauf an, wie die Tiere diese Automatismen auslösen. Manchmal ist da auch nichts los. Aber in der Regel entstehen schon jeden Abend Fotos. Die Tiere sind ja vor allem abend- und nachtaktiv. Sie kommen raus, wenn der Mensch den Wald verlassen hat. Und da kommt schon jeden Abend eine Handvoll Fotos zusammen.

Welche Tiere kommen Ihnen dabei vor die Linse – nur die üblichen, oder auch Überraschungen?

Im Thüringer Teil des Südharzes sind junge Luchse von einer Wildtierkamera aufgenommen worden.
Im Thüringer Teil des Südharzes sind junge Luchse von einer Wildtierkamera aufgenommen worden. Bildrechte: BUND/Universität Göttingen

Es sind Klassiker wie der Rothirsch oder Rehe. Manchmal flattert auch ein Vogel durchs Bild oder der Fuchs kommt vorbei. Die Tiere sind im Verhalten witziger Weise so ähnlich wie die Menschen. Ein Rothirschjunges schaut etwa ganz neugierig in die Kamera. Durch Blinken oder ein rotes Lämpchen wird die Neugier geweckt.

Wir haben auch Wildkatzen, allerdings nur eine sehr kleine Population. Aber die Wildkatze war – im Gegensatz zum Luchs – im Harz nie ausgestorben. Da gelang Ende letzten Jahres ein richtig schönes Foto, als eine Wildkatzenmutter mit ihren Kindern im Bild war. Auch Luchse sehen wir öfter. Aber all diese Tiere sind gar nicht in so großer Dichte im Wald vorhanden. Das ist aber letztendlich genau das, was wir mit dieser Untersuchung zeigen wollen.

Gab es bisher schon Erkenntnisse der bisherigen Erfassung?

Dazu kann man noch nicht viel sagen, weil das Projekt erst begonnen hat. Wir haben 60 Foto-Fallen draußen. Neben uns beteiligt sich eine Handvoll Nationalparks in Deutschland. Koordiniert wird das Ganze vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Aber es wäre unseriös, wenn man aus ersten Ergebnissen schon Schlüsse ziehen würde.

Achtung, Fotofalle: Die schönsten Schnappschüsse aus dem Nationalpark Harz

Rotwild blickt in eine Fotofalle.
Hallo, gibt es hier etwas zu sehen? Aber ja! Es sind Fotos von Waldbewohnern, die sich ab und an auch mal ganz gern vor einer Kamera präsentieren möchten – ungestört, versteht sich. Denn: Diese schönen Aufnahmen stammen aus Fotofallen im Nationalpark Harz. Hier guckt ein Rotwild-Kalb, was da im Grünen versteckt ist. Bildrechte: Nationalpark Harz
Rotwild blickt in eine Fotofalle.
Hallo, gibt es hier etwas zu sehen? Aber ja! Es sind Fotos von Waldbewohnern, die sich ab und an auch mal ganz gern vor einer Kamera präsentieren möchten – ungestört, versteht sich. Denn: Diese schönen Aufnahmen stammen aus Fotofallen im Nationalpark Harz. Hier guckt ein Rotwild-Kalb, was da im Grünen versteckt ist. Bildrechte: Nationalpark Harz
Ein Vogel blickt in eine Fotofalle.
Und es gibt ja auch so viel zu bestaunen an diesen komischen Dingen im Gebüsch. Aber Vorsicht, Kohlmeise: Nicht dagegen flattern! Bildrechte: Nationalpark Harz
Rotwild blickt in eine Fotofalle.
Während manch einer vor der Kamera sein allerschönstes Lächeln aufsetzt (ist doch egal, dass es dunkel ist!) ... Bildrechte: Nationalpark Harz
Ein Rothirsch an einer Fotofalle.
...zeigt manch anderer, was für eine prächtige Gestalt er doch ist. Da staunen Sie, was? Bildrechte: Nationalpark Harz
Ein Wildschwein läuft bei Dunkelheit an einer Fotofalle vorbei.
Dieses Wildschwein hier scheint dagegen nicht allzu viel von dieser modernen Technik zu halten. Da lautet die Devise eher: Schnell weg! Bildrechte: Nationalpark Harz
Ein Rotfuchs an einer Fotofalle.
Kollege Fuchs macht das ganz anders. Man muss doch zeigen, wie schön man ist. Finden wir in der Redaktion übrigens auch. Danke für die tollen Einblicke!

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: Nationalpark Harz
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Was ist das Ziel der Untersuchung?

Bei den Luchsen etwa haben wir in einem anderen Projekt die Möglichkeit, an den Fellzeichnungen der Tiere Individuen wiederzuerkennen. Das muss der Computer dann abgleichen und so die Dichte der Tiere im Wald berechnen.

Hintergrund ist das Wald-Wild-Gleichgewicht. Man will den Wald ja mit den Tieren im Wald schützen. Aber die Tiere können auch Schaden anrichten. Und wir wollen dann wissen, ob die Dichte bei bestimmten Tierarten – etwa dem Rothirsch – zu hoch ist. Denn dadurch können ja auch Probleme entstehen. Insofern sind auch ökonomische Schlüsse, die man am Ende daraus zieht.  

Einige Tiere sind bestimmt immer wieder auf Fotos zu sehen. Haben sie diesen schon  Namen gegeben?

Im Nationalpark halten wir uns da etwas zurück. Wir wollen die Tiere nicht vermenschlichen. Das ist ja hier kein Zoo, sondern Wildnis. Aber klar sagt man manchmal, das ist doch der alte Bekannte von gestern...

...Harry der Hirsch.

Genau, so etwas hört man dann. (lacht) Denn hier arbeiten ja Menschen und nicht Computer.

Was passiert, wenn Menschen von der Wildkamera fotografiert werden?

Hin und wieder wird auch mal ein Mensch fotografiert. Aus Datenschutzgründen werden diese Bilder aber umgehend gelöscht. Da gucken wir auch gar nicht genauer hin. Es ist ja völlig normal, dass unsere Mitarbeiter bei Fledermauskontrollen oder ähnlichem im Wald unterwegs sind. Da denkt man manchmal auch gar nicht daran, dass dort eine Kamera hängt. Dann rauscht man da rein.

Aus dem Archiv Diese Tiere sind in die Fotofalle getappt

Eigentlich sollten nur die Luchse im Nationalpark Harz gezählt werden – mit Fotofallen. Dabei laufen auch andere Waldbewohner vor die Kameralinse … und sind dabei mal mehr, mal weniger fotogen. Bilder aus dem Jahr 2017.

Tier-Blitzer
Das Objekt der Begierde: Ein Luchs auf der Durchreise. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Das Objekt der Begierde: Ein Luchs auf der Durchreise. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Wenn der Fuchs gewusst hätte, dass er in so einer intimen Situation fotografiert wird... Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
So sieht es aus, wenn sich ein Fuchs erschreckt! Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
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Guck-guck! Ein Harzer Wildschwein mit einem 1A Photobomb. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Selten bekommt man die scheuen Wildtiere so nah zu sehen. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Bei manchen Tieren weiß man nicht, ob Hase oder Wildschwein... Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Die Luchse im Harz haben scheinbar Scheinwerfer-Augen … Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
… dabei sind sie nicht die einzigen. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Wer wird denn gleich vor Wut schäumen? Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Fliegen oder Springen? Auf jeden Fall ein toller Schnappschuss! Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Heute mal vegetarisch … Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
… oder doch lieber Fleisch? Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Es gibt aber auch andere Raubtiere. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Vor allem wird klar: Luchse sind unglaublich schöne Tiere. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
Tier-Blitzer
Bildrechte: Nationalparkverwaltung Harz
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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Januar 2020 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2020, 19:15 Uhr

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