Der Wald im Nationalpark Harz ist durch den Borkenkäfer abgestorben.
Graue Stämme, wo grüne Fichten standen: Der Wald im Nationalpark Harz verändert sich gerade grundlegend. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

#MDRklärt Warum der Wald im Nationalpark Harz sterben soll, um zu leben

Graue Holzgerippe statt grüner Nadelwald: Touristen und Anwohnern im Harz bietet sich derzeit ein besorgniserregender Anblick. Warum so viele Bäume im Harz abgestorben sind – und was gerade mit dem Wald im Nationalpark passiert. Teil 3 unserer Serie über Waldschäden in Sachsen-Anhalt.

Der Wald im Nationalpark Harz ist durch den Borkenkäfer abgestorben.
Graue Stämme, wo grüne Fichten standen: Der Wald im Nationalpark Harz verändert sich gerade grundlegend. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Welche Bäume wachsen im Nationalpark Harz?

Der Nationalpark Harz erstreckt sich über zwei Bundesländer: Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Insgesamt ist der Park etwa 25.000 Hektar groß; knapp 9.000 Hektar liegen in Sachsen-Anhalt. 98 Prozent der Gesamtfläche ist laut Nationalpark-Verwaltung von Wald bedeckt. Der überwiegende Anteil der Bäume – 80 Prozent – sind Fichten. Die übrigen 20 Prozent sind Laubbäume.

Die Fichten sind vor allem von Menschen angepflanzt worden. Der ursprüngliche Wald im Harz ist gerodet worden, weil Holz für den Bergbau benötigt wurde. Danach ist die Region mit schnell wachsenden Fichten wieder aufgeforstet worden. Erst ab 700 Höhenmetern wären Fichten von Natur aus im Harz heimisch. In den tieferen Lagen, die etwa 60 Prozent der Nationalpark-Fläche ausmachen, würden eigentlich vor allem Buchen wachsen.

Warum sind so viele Bäume im Harz tot?

Im Winter 2017/18 zogen mehrere Stürme über Sachsen-Anhalt, unter anderem Orkan Friederike. Besonders im Harz sorgte der Sturm für Schäden. Der Wald im Nationalpark Harz ist überwiegend von Fichten geprägt; viele von ihnen sind umgestürzt. Ideale Bedingungen für die Vermehrung von Borkenkäfern der Art Buchdrucker: Die Buchdrucker befallen ausschließlich Fichten. In den umgekippten Bäumen haben sie viel Raum zum Brüten.

Ab April war es zudem warm und trocken. Das war gut für Borkenkäfer, aber schlecht für die Fichten: Aufgrund des Wassermangels konnten die noch gesunden Bäume nicht genug Harz bilden. Das wäre aber nötig, um die Einnistung der Borkenkäfer ins Holz zu verhindern. Zudem sind die Fichten im Harz vorrangig von Menschen angepflanzt worden. Dadurch stehen viele gleich alte – und eher ältere und somit schwächere – Fichten dicht zusammen. Solche reinen Fichtenwälder können von Borkenkäfern großflächig zerstört werden. Wären die Wälder im Harz Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten sowie jüngeren und älteren Bäumen, würden die Schäden nicht so flächendeckend ausfallen, sagt Nationalpark-Ranger Herbert Papies.

Abgestorbene Bäume 1 min
Bildrechte: IMAGO

Do 18.07.2019 15:34Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/video-320446.html

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Was tut der Nationalpark Harz gegen den Borkenkäfer?

Kurz gesagt: Nichts. Die Langfassung: An Straßen werden betroffene Fichten aus Sicherheitsgründen gefällt oder gekürzt. Auch am Rand des Nationalparks gibt es eine etwa 500 Meter breite Schneise, wo die beschädigten Bäume entfernt werden. So soll verhindert werden, dass der Borkenkäfer auf wirtschaftlich genutzte Wälder übergreift. Denn für Waldbesitzer kann der Borkenkäfer existenzbedrohend sein. Dass die Schneise an der Nationalpark-Grenze reicht, glauben Waldbesitzer nicht. Das Risiko für einen Borkenkäferbefall steige durch die Nähe zum Nationalpark, sagt der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm.

Im Kern des Nationalparks wird der Natur freie Hand gelassen. Das gilt für 60 Prozent der Parkfläche – 2022 sollen es sogar 75 Prozent sein. Natur bedeute eben auch, dass der Borkenkäfer schwache Bäume absterben lasse, ist der Ansatz des Nationalparks.

Stirbt der Wald im Harz?

Nationalpark-Sprecher Friedhart Knolle sagt, es würden lediglich die alten Bäume sterben – und nicht der Wald. Die Krise wäre erst da, wenn die Naturverjüngung, das Nachwachsen junger Bäume, nicht mehr funktionieren würde. Aber das tue sie.

Die toten, grauen Fichten sehen besorgniserregend aus. Laut Nationalpark sind die kahlen Stämme aber Nahrungsquelle für viele Lebewesen wie Pilze oder Insekten. Außerdem nutzen Vögel wie der Specht die toten Baumstämme für Höhlen, Luchse und Wildkatzen können im Totholz ihre Jungen verstecken und aufziehen. Außerdem wachsen junge Fichten oft direkt auf den umgefallenen Stämmen.

Was soll mit dem Wald im Nationalpark Harz jetzt passieren?

Die von Menschen künstlich angepflanzten Fichtenbestände haben mit dem natürlicherweise im Harz vorkommenden Wald wenig zu tun. Ziel des Nationalparks ist es, dass statt Fichten Laubbäume, vor allem Buchen, den Wald dominieren. Laubbäume sollen irgendwann zwei Drittel des Waldes ausmachen. Bisher besteht er zu 80 Prozent aus Nadelbäumen.

Der Borkenkäfer greift nun in den Fichtenbestand ein. Dadurch macht er Fläche für einen Mischwald frei. Um diesen aufzubauen, helfen Nationalpark-Mitarbeiter vereinzelt nach: Sie pflanzen zum Beispiel Buchen an. Der Wald im Harz soll sich von der sogenannten Monokultur – dem reinen Fichtenbestand – wegentwickeln, hin zu einem naturbelassenen, wilden Wald mit unterschiedlichen Baumarten.

Wie lange dauert es, bis der Wald im Harz wieder überall schön grün ist?

Das lässt sich nicht vorhersagen. Der Borkenkäfer erledigt die Zerstörung der Fichtenwälder derzeit sehr schnell. Aber die Laubbäume, die danach dort stehen sollen, benötigen Jahrzehnte zum Wachsen. Und momentan sind die Wetterbedingungen für Bäume nicht ideal: Es ist viel zu trocken. Dadurch könnten junge Bäume eingehen.

Allerdings sind teils auch relativ schnell Veränderungen im Wald zu sehen, so wie zum Beispiel auf dem Meineberg bei Ilsenburg.

Waldentwicklung im Harz

Der Wald auf dem Meineberg bei Ilsenburg 2008
Bildrechte: Marzel Drube
Der Wald auf dem Meineberg bei Ilsenburg 2008
Bildrechte: Marzel Drube
Der Wald auf dem Meineberg bei Ilsenburg 2018
Bildrechte: Mandy Gebara
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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Juli 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2019, 08:17 Uhr

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5 Kommentare

27.07.2019 19:16 Karl Dumpfmeier 5

@Dr. Friedhart Knolle:

Also widersprechen Sie dem o. a. Bericht, indem es heißt, dass der Wald sich generiert, solange junge Bäume Problemlos nachwachsen?--> Siehe hierzu meinen ersten Kommentar bez. dem Kupferstecher (Augen auf im Wald und weg vom Schreibtisch).

Ebenso stellen Sie also die Behauptung auf, dass es im sich bei dem natürlich gewachsenem Fichtenwald in Lagen über 700 HM um, von Menschen angepflanzten, Nutzwald handelt?

Ihrem Nationalpark-Propagandavideo in allen Ehren...

Aber wie sagt man so schön: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!"

Es ist schon mehr als bedenklich dass es Hardliner gibt, die sich heutzutage eine Natur wie vor 6000!! Jahren herbeiwünschen. Seit dem ist dann wohl doch schon ein bisschen Wasser die Bode hinab geflossen.

Das kann man beim besten Willen nicht ernst nehmen (ich schlage in diesem Zusammenhang vor, das Klima gleich mit um zu gestalten).

27.07.2019 15:49 WT auf E100 4

Jeder der sich einmal mit offenen Augen durch Norwegen oder Schweden bewegt hat, weiß das nur der Wald sich selber heilen kann. Dort würde nie jemand auf den Gedanken kommen,der Natur ins Handwerk zu pfuschen. Ich halte auch nichts von Frau Dalbert und doch ... lasst der Natur ihren Lauf und wir bekommen einen von Natur geformten Wald. Das die auf Kommerz hoffenen Waldbesitzer nicht solange warten können ist auch klar. Und denen sollte man seitens des Umweltministeriums eben teilweise Hilfe zukommen lassen.

27.07.2019 13:07 Bernd Gerloff 3

Es ist doch ein Widerspruch an sich. Die Regierung will Otto Normalbürger mit CO 2 Steuer belegen und im Harz lässt man die Bäume, die CO 2 speichern absichtlich sterben. Der Harz verliert, weil man ihn aus ideologischen Gründen sterben lässt.

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