Heimatmuseum Abbenrode
Statt nur die Vergangenheit abzubilden sollten Heimatmuseen versuchen, Begegnungsorte zu versuchen, glaubt der Landesheimatbund. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Abbenrode im Harz Wie Heimatmuseen zu Begegnungsorten werden können

Zu wenig Helfer, zu wenig Geld, angestaubtes Image – die Heimatmuseen im Land kämpfen mit vielen Problemen. Der Landesheimatbund versucht zu helfen, um den Museen einen Weg in die Zukunft zu weisen.

Heimatmuseum Abbenrode
Statt nur die Vergangenheit abzubilden sollten Heimatmuseen versuchen, Begegnungsorte zu versuchen, glaubt der Landesheimatbund. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt kümmert sich verstärkt um Heimatmuseen und Heimatstuben. Etwa 150 davon soll es in Sachsen-Anhalt geben, heißt es beim Landesheimatbund. Der sieht die Museen als Bewahrer des kulturellen Erbes. Seit Mai lädt er zu regionalen Konferenzen mit Heimatvereinen und Engagierten, die Heimatmuseen oder Heimatstuben betreiben oder dies vorhaben. Auch in Abbenrode im Landkreis Harz fand in dieser Woche eine solche Konferenz statt.

Orte der Begegnung

Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto: Sind Heimatmuseen noch zeitgemäß? Dabei geht es darum, was man tun kann, damit sie zeitgemäß werden. Wie baut man ein Heimatmuseum auf, das auch viel und möglichst immer wieder besucht wird?

Beim Landesheimatbund heißt "zeitgemäß", dass ein Heimatmuseum mehr als nur ein Museum sein sollte. "Heimatmuseen und Heimatstuben sollten Orte der Begegnung sein, wo man sich trifft und auch austauscht", sagt Ulrike Dietrich vom Landesheimatbund. Sie führt durch die Veranstaltung in Abbenrode.

Keine Helfer, keine Räume

Vertreter von acht Betreibern von Heimatmuseen und Heimatstuben der Umgegend sind im Domizil des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins Abbenrode zusammengekommen. Unter ihnen ist Edith Jürgens aus Friedrichsbrunn im Unterharz. Sie kümmert sich dort um das Ski- und Heimatmuseum. Dabei ist sie jedoch fast allein, denn sie hat nur eine Mitstreiterin. Es finden sich im Ort einfach nicht genug Helfer. Wie sie das ändern kann, erhofft sie in der Runde zu erfahren. 

Die Anwesenden sind alle hoch engagiert, doch viele haben Probleme. Manche finden wie Edith Jürgens keine oder zu wenige Mitstreiter, andere wie etwa Ingrid Köhler aus dem Ort Wasserleben haben keine geeigneten Räume. "Wir machen jedes Jahr eine wechselnde Ausstellung und dann müssen wir alles wieder wegräumen. Wohin dann damit? Das  ist wirklich ein Problem", sagt sie.

Menschen wie Edith Jürgens oder Ingrid Köhler will der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt mit Veranstaltungen wie der in Abbenrode helfen. Ein Kulturerbe-Netz für Sachsen-Anhalt aufbauen, nennt das Ulrike Dietrich. Weiterbildung für die Betreiber von Heimatmuseen.

Heimatmuseum Abbenrode
Im ganzen Land gibt es Konferenzen, um den Betreibern von Heimatmuseen bei ihren Schwierigkeiten zu helfen. Bildrechte: MDR/ Carsten Reuß

Museum Abbenrode als Vorbild

Als Vorbild dienen kann der Gastgeber. Das Heimatmuseum in Abbenrode ist riesig. Es umfasst viele Räume in drei Gebäuden. Eine komplette Mühle gehört dazu. Detailliert wird hier Orts- und Regionalgeschichte präsentiert. Da der Ort einst an der innerdeutschen Grenze lag, nimmt dieser Teil der Geschichte besonders viel Raum ein.

Trotzdem ist ihr Museum viel mehr als nur eine Aufbewahrungsstätte für die Ortsgeschichte, sagt Vereinsvorsitzender Andreas Weihe. "Unser Museum ist zentraler Mittelpunkt im Ort und in der Gemeinde", sagt Weihe und berichtet von zahlreichen Treffen und Veranstaltungen, auch mit Jugendlichen. Weihe: "Hier ist nichts verstaubt. Unser Museum funktioniert wirklich."

Ein Viertel der Bewohner im Heimatverein

Rund 400.000 Euro hätten sie in Museum und Mühle investiert. 75 Prozent waren Fördermittel, der Rest Spenden und Beiträge. 215 Mitglieder hat der Abbenröder Heimatverein, obwohl der Ort selbst nur 900 Einwohner hat. Das zeige, wie sehr der Verein mit seinem Museum in der Region verwurzelt ist, dass die Arbeit des Vereins gut ankommt, freut sich Andreas Weihe. Bei Veranstaltungen helfen viele mit. Für den letzten Mühlentag wurden zum Beispiel 60 Torten gebacken.

Um alle bei der Stange zu halten, sei auch viel Öffentlichkeitsarbeit wichtig, sagt der Vereinsvorsitzende. Seit 27 Jahren wird zum Beispiel eine Heimatzeitschrift herausgegeben, das Abbenröder Heimatblatt. "Darin legen wir Rechenschaft ab über unsere Arbeit", so Weihe. Auch Sponsoren werden dort gewürdigt.

Edith Jürgens hört es mit Staunen und nimmt viele Anregungen mit. "Mal sehen wie es weitergeht", sagt sie. Vielleicht schafft sie es irgendwann, genügend Mitstreiter für die Gründung eines Vereins zu finden, über den dann die Museumsarbeit in Friedrichsbrunn erfolgen kann.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Oktober 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 20:22 Uhr

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