Von Kaserne zu Unterkunft Die ZASt Halberstadt im Rückblick

Die Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt gibt es seit 1990. Die frühere Kaserne wurde mehrfach erweitert. Immer wieder gab es auch Negativ-Schlagzeilen, zuletzt mit einem Gewaltvideo. Ein Rückblick.

Wohncontainer auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
In der ZASt in Halberstadt musste angebaut werden: Geflüchete wurden in Containern, kurzfristig sogar in Zelten, untergebracht. (Archivbild) Bildrechte: dpa

"Sachsen-Anhalt hat im vergangenen Jahr so viele Asylbewerber aufgenommen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 60 Prozent auf rund 4.300." Das berichtete MDR SACHSEN-ANHALT im Januar 2014. Die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt erreichte ihre Kapazitätsgrenze. Alle Betten waren belegt und die Situation sollte sich in den folgenden Jahren noch verschlimmern. Vor allem aus Syrien kamen zu dieser Zeit viele Menschen. Seit den Neunzigern waren zuvor vor allem Asylbewerber aus Vietnam in Halberstadt untergebracht.

ZASt wird mehrmals erweitert

Auf dem Gelände und in Gebäuden der heutigen Erstaufnahme-Einrichtung waren bis 1989 Grenztruppen der NVA untergebracht. Schon seit 1990 dienen die Plattenbauten als Flüchtlingsunterkunft. Nach 1992 beantragten allerdings immer weniger Menschen um Asyl. Erst ab 2007 stieg die Zahl der Asylanträge bis 2016 immer weiter an. Deshalb wurde in Halberstadt saniert und angebaut und es wurden Wohncontainer aufgestellt. Im Jahr 2016 erreichte die Zahl der Asylbewerber einen Höhepunkt. Sogar in Zelten hatten Menschen in der Zentralen Anlaufstelle gewohnt.

Im Juni 2016 konnte die ZASt ihre Aufgabe kaum noch erfüllen: Normalerweise verbringen Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung mindestens genug Zeit um den offiziellen Antrag auf Asyl zu stellen. Als im Frühsommer des Jahres in einem Monat mehr Asylbewerber ankamen als es Schlafplätze gab, mussten viele schon nach kürzester Zeit in andere Landkreise umziehen – ohne Antrag. Auf einen Termin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mussten die Menschen fünf bis sechs Wochen warten.

ZASt Halberstadt durch weitere Standorte entlastet

Seit 2015 wurde die ZASt in Halberstadt deshalb immer stärker entlastet: Personal wurde aufgestockt. Im Dezember 2015 wurde eine Außenstelle in Quedlinburg eingerichtet. Sogenannte Landesaufnahmeeinrichtungen entstanden in Klietz bei Stendal, in Halle und in Magdeburg-Herrenkrug, die Halberstadt entlasten sollten. Im März 2016 bekam Halberstadt außerdem ein "Ankunftszentrum" zur Beschleunigung der Asylverfahren. Hunderte Anträge sollten dort pro Tag bearbeitet werden. Heute leben weniger als 1.000 Asylsuchende auf dem Gelände in Halberstadt.

Einrichtung angegriffen und bedroht                       

Im Juli 2015 bewarfen Jugendliche Versorgungszelte in der ZASt mit Steinen und riefen "Ausländer raus". Ein weiterer Angriff mit Steinen wurde verhindert, nachdem eine Anwohnerin beobachtete, wie die Täter sich bewaffneten, und die Polizei rief. Nur kurze Zeit später planten zwei Brüder einen Anschlag auf die ZASt. Nachdem sie auf Facebook einen Aufruf starteten, wurden die zwei von der Polizei festgenommen.

Die ZASt sorgt häufiger für Schlagzeilen

Tätlicher Angriff vom Sicherheitspersonal auf Asylbewerber in der ZASt in Halberstadt
Jemand hatte ein Video ins Internet gestellt auf dem zu sehen ist, wie das Wachpersonal der ZASt offenbar Geflüchtete gewalttätig angreift. (Screenshot) Bildrechte: youtube/halberstadt camp

Im Oktober 2017 war in der ZASt ein Streit zwischen zwei Bewohnern eskaliert. Ein Serbe hatte einem jungen Albaner mit einem Tischbein aus Metall schwer am Kopf verletzt. Über Fehlalarme, die ständig in der Einrichtung ausgelöst wurden und die Feuerwehr maßgeblich belasteten, berichtete mehrfach die Halberstädter Volksstimme. Vergangene Woche wurde überregional über den offenbaren Angriff des Wachpersonals in der ZASt Halberstadt berichtet. Im Internet war ein Video aufgetaucht, auf dem zu sehen ist, wie Mitarbeiter Flüchtlinge angreifen.

Aber auch Falschmeldungen aus der Einrichtung auf Social Media bekamen viel Aufmerksamkeit: So sollte im Oktober 2017 Cholera in der Erstaufnahmestelle grassieren. Bei Langenstein im Harz sollen Asylbewerber 150 Schafe geschlachtet haben – alles falsch.

Quelle: MDR/jh

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2019, 15:07 Uhr

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6 Kommentare

19.08.2019 12:49 albi 6

Kommentar 3 meinte sicherlich nicht Gras fressen , sondern Gras rauchen. Und auch nicht ausgehungert, sondern toll verpflegt.
Frage an Kommentar 1
Mussten sie die Unterbringung bezahlen? Wurde bei Ihnen auch vieles zerstört und hatte die Polizei regelmäßig Einsätze. Haben sie sich auch mit anderen Messerkämpfe geliefert. Wurden sie vom Security bewacht, weil Rechte immer die Unterbringung stürmen wollten?Fragen über Fragen. Wenn nichts zutrifft, dann hatten sie Glück und Neid wäre doch sehr unangebracht. Und ein Vergleich, sehr unlogisch. Recht haben sie vom MDR

19.08.2019 10:40 Typisch Mediator 5

Mediator, sie haben auch einen Beißreflex, wenn es in eine Richtung geht, die Ihnen nicht passt. Mal davon abgesehen, dass Sie selbst nicht wissen, ob die Flüchtlinge alle "Gras fressen" (viele wirken nicht so): Sie kennen #1 gar nicht und offenbar auch nicht die Wohnverhältnisse in der DDR. Wir selbst hatten bis in die 80er keine Innentoilette und meine Oma kein fließend Wasser. Undichte Dächer, zugige Fenster. Und eng war es auch, da es Wohnungen erst nach Jahren gab. Das ist kein Neid schüren, sondern nur ein Hinweis, dass der jetzige Standard durchaus hoch ist, die Anspruchshaltung seitens der Seenotrettugsflüchtlingsfreunde sind dann nicht nachvollziehbar. In den Unterkünften kann man die Türen verschließen. Wenn das nicht geht, wurden sie nicht pfleglich behandelt.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir leben im Jahr 2019. Einen Vergleich zu den 80er-Jahren der DDR-Zeit hier heranzuziehen erscheint nicht gerade logisch.

18.08.2019 10:00 Christian-Rüdiger Nabein 4

@1: Wo und wann war die Unterkunft Ihrer Eltern?
Die Formulierung "wir _waren_ auch Menschen" wirft die Frage auf, was Sie jetzt sind.

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