Die Schatzkammer im Halberstädter Dom
Im Dom werden weltweit einzigartige Kostbarkeiten ausgestellt. Bildrechte: Elmar Egner

Zehn Jahre Wiedereröffnung Halberstädter Domschatz: "Hier spürt man einfach die Ewigkeit"

Der Finger des Heiligen Nikolaus, Gold, Juwelen und der älteste Bildteppich der Welt: Vor zehn Jahren wurde die Schatzkammer des Halberstädter Doms nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet. 460.000 Besucher wollten seitdem die einzigartigen Kunstschätze sehen. Das Jubiläum wurde mit einem Festgottesdienst und Konzerten gefeiert.

Die Schatzkammer im Halberstädter Dom
Im Dom werden weltweit einzigartige Kostbarkeiten ausgestellt. Bildrechte: Elmar Egner

"Das war so ein Glücksmoment. Die Leute standen in Schlangen davor, der 13. April 2008 war ein Sonntag. Eigentlich haben wir montags Schließtag, aber der 14. April 2008 war auch geöffnet und – das vergesse ich nie – an dem Montag standen schon wieder Menschenschlangen vor der Tür." Claudia Wyludda von der Domschatzverwaltung erinnert sich an die Wiedereröffnung des Halberstädter Domschatzes nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten und mit einem neuen Ausstellungskonzept.

Menschen stehen vor dem Eingang des Halberstädter Doms an
Damals wie heute: Viele Menschen wollen den Halberstädter Domschatz sehen. Bildrechte: Elmar Egner

Notwendig geworden waren die Arbeiten, weil Mitte der 1990er Jahre Fachleute beunruhigende Beobachtungen an den wertvollen Textilien machten. Katrin Tille, Referatsleiterin der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, erzählt, dass es durch unglückliche Witterung und schlechter Lagerung zu einem Schimmelbefall gekommen war. "Und da galt es dann ganz dringend zu handeln."

Es wurde mit Notmaßnahmen versucht, die Gewänder zu retten. Eine Studie empfahl größere und klimatisierte Räume und ein neues Ausstellungskonzept. "Vorher hatte man den Gedanken eines Schau-Depots", so Tille. Ein Großteil aller Objekte war in der Ausstellung zu sehen und bei Bedarf konnte man die Schränke öffnen und die Ausstellungsstücke den Besuchern zeigen.

Neues Ausstellungskonzept

Nun wurde ein Anbau errichtet, der Verwaltung, Kassenbereich und Toiletten aufnahm. Sämtliche historische Räume konnten dadurch für den Schatz in Anspruch genommen werden.

Claudia Wyludda erklärt den Gedanken hinter dem neuen Konzept. "Im Eingangsbereich schaut man in eine kleine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert. Man blickt auf einen Altar mit einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert. Und in der Vitrine direkt daneben hat man die Utensilien ausgestellt, die auf einen Altar des Mittelalters gehörten." Dadurch brauche man gar keine Erklärungen mehr. Allein durch die Anordnung verstehe man, wie der Dom im Mittelalter im Gottesdienst ausgesehen hat.

Dieses Konzept scheint die Besucher zu überzeugen. Rund 460.000 Besucher wollten seit der Wiedereröffnung des Domschatzes die weltweit einzigartige Sammlung sehen. Und auch Wyludda gerät ins Schwärmen, wenn sie die Stücke erklärt: "Wir sind umgeben von den romanischen Bildteppichen aus dem 12. Jahrhundert. Hier spürt man einfach ein bisschen die Ewigkeit. Man blickt auf die monumentalen Darstellungen, die Blicke des Christus und der Apostel, die einen anschauen – die ältesten gewirkten Bildteppiche in dieser Größenordnung auf der Welt."

Mehr als 1.500 Besucher

Ministerpräsident Reiner Haseloff im Halberstädter Dom
Haseloff würdigt die besondere Bedeutung des Domschatzes. Bildrechte: Elmar Egner

Am Freitag nun wurde das zehnjährige Jubiläum der Wiedereröffnug mit einem Festgottesdienst gefeiert. Mehr als 1.500 Besucher kamen zu der Feier. Ministerpräsident Reiner Haseloff bezeichnete den Domschatz in einem Grußwort als Glücksfall für ganz Sachsen-Anhalt. Die moderne Domschatzpräsentation sei ein besonderer Höhepunkt an der Tourismusroute Straße der Romanik.

Der Halberstädter Domschatz zeigt die komplette Ausstattung einer mittelalterlichen Bischofskirche, zusammengetragen seit dem 9. Jahrhundert und blieb vollständig an seinem Ursprungsort erhalten. Die Sammlung umfasst die Schatzkammer mit kostbaren Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten wie den Armreliquiar des Heiligen Nikolaus, aufwändige Intarsien- und Bergkristallschnittkunst, prächtige liturgische Gewänder, Bronzearbeiten und Goldschmiedewerke, Skulpturen und Altarbilder, arabische Bergkristallgefäße und Kostbarkeiten aus dem Mittelmeerraum und Byzanz – außerdem den Abraham-Engel-Teppich aus der Zeit um 1150, der nach Angaben der Domverwaltung der älteste gewirkte Bildteppich der Welt ist.

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Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. April 2018 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2018, 16:27 Uhr

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1 Kommentar

17.04.2018 13:17 Bernd L. 1

Eine wunderbare Sache - meine Frau und ich haben uns die Ausstellung angesehen und waren begeistert!