Urlaub zu Hause Wie Björn Thomas mit seinem Hund eine kleine Oase in Parey entdeckte

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

MDR SACHSEN-ANHALT macht diese Woche "Urlaub zu Hause". Die Reporter Sören Thümler und Fabian Frenzel reisen einmal quer durch das Bundesland und stellen verborgene Ausflugsziele und die Menschen dahinter vor. Zum Beispiel Björn Thomas. In Parey im Jerichower Land hat er mitten zwischen Elbe und grünen Wiesen eine mediterrane Oase geschaffen. Nur durch Zufall hat er diesen Ort entdeckt.

Björn Thomas vom Erlebnisdorf Parey an der Elbe im Jerichower Land
Björn Thomas hat aus einem zugewucherten See im Jerichower Land ein mediteranes Urlaubsresort gemacht. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel | Grafik: MDR Annalise Batista/Pixabay

Wie ein Feldherr schaut Björn Thomas über "seine Bucht". Ein Fuß auf einem Stuhl, die Hände in der Hüfte gebeugt. Zufrieden blickt er von hier oben, etwa zehn Meter oberhalb der Wasseroberfläche, in die Weite. Vor ihm liegen zwei große Holzflöße. In der Ferne macht die Bucht einen Knick nach links und verschwindet in einem grünen Dickicht aus Bäumen, Sträuchern und Wiesen.

Björn Thomas ist der Betreiber des Erlebnishofs Elbe-Parey im Jerichower Land. Zwischen Elbe und Elbe-Havel-Kanal hat er ein kleines Urlaubsparadies geschaffen. Man erwartet das so nicht unbedingt, wenn man es über Plattenwege und vorbei an einigen leer stehenden Gebäuden bis nach Parey geschafft hat. Der 46-Jährige selbst hätte diesen kleinen Ort vermutlich nicht entdeckt, wäre da nicht Giorgio gewesen.

Mittagspause mit Giorgio

Giorgio war der Berner Sennenhund von Björn Thomas. Und der wollte Gassi gehen. Und Thomas musste Gassi gehen. Denn er hatte Stress. 2007 betreibt er ein Restaurant in Parey. Die "Alte Gemeinde". In dem Lokal ist er "all in one", wie er sagt. "Ich hatte nur drei Mitarbeiter und habe von Frühstück bis zum Abendgeschäft alles gemacht. Und zwischendurch dann noch die Buchhaltung." Er muss deswegen immer mal wieder raus. Und da Giorgio das auch will, drehen die Beiden immer eine Runde um den See "Kühns Loch" kurz hinter dem Ortsausgang. An einer Stelle bleiben die Beiden immer stehen und machen eine Pause. Gemeinsam schauen sie aufs Wasser und die alte Mühle. "Vom Wasser war eigentlich nicht viel zu sehen, weil alles zugewuchert war." Er muss lachen, als er erzählt, dass man damals die Schönheit des Ortes nicht erkennen konnte. Er hat sie erkannt. Genau an dieser Stelle wird er später den Erlebnishof schaffen.

Blick auf eine Landschaft mit See und Flößen
Der Ort, an dem Björn Thomas mit seinem Hund immer Pause gemacht hat. Heute steht hier das Erlebnisdorf. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Aber vorher vergeht noch ein bisschen Zeit. 2007 ist Björn Thomas Trauzeuge für einen Freund. Für die Feierlichkeiten kauft er auf Ebay ein Floß. Das Floß liegt in der Peene in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht gerade um die Ecke. Über Polen schafft er das Schiff nach Parey. Vor Ort stellt er fest, dass er mehr aus der Hochzeitsidee machen möchte. Er erinnert sich an die Gassi-Runden mit Giorgio.

Nur Jack Sparrow fehlt

Anfangs macht er nur einzelne Events mit dem Floß auf dem See, der über Kanäle Zugang zur Elbe hat. "Nachteil war, dass wir immer pendeln mussten." Er hatte keine Gastronomie am See. "Jedes Glas musste ich herfahren", sagt der 46-Jährige und muss dabei schmunzeln. Von da an wird alles von Jahr zu Jahr größer. Das Restaurant in Parey ist längst Geschichte. Heute ist da, wo einst Sträucher den See versteckten, ein kleines Dorf mit 51 Mitarbeitern und 120 Zimmern entstanden. Und die Zimmer sind nicht einfach Zimmer. Nein, der Besucher kann hier in Iglus direkt auf dem Wasser wohnen. Und wer doch im Haupthaus unterkommt, kann vom Balkon aus in einem Hängematten-Sessel über den See schauen. Alles wirkt mediterran. Die Holzfloß-Optik zieht sich durch das ganze Gelände. Abends, wenn es dunkel ist, kommt fast karibische Stimmung auf. Eigentlich könnte man meinen, jeden Moment muss Pirat Jack Sparrow mit seinem Schiff hier anlegen.

Ein ältere Frau und ein älterer Herr stehen vor einem Holzhaus
Christa und Frank Tschöp können endlich eine Floßfahrt in Parey machen. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Die Tschöps dagegen wollen nicht anlegen, sondern ablegen. Christa und Frank Tschöp wollen eine Floßfahrt machen. "Das ist normalerweise immer voll hier", erzählen die beiden Rentner. Und eine Floßfahrt wollten sie schon vor zwei Jahren machen. Aber einfach so geht das nicht. "Die sind immer ausgebucht", sagt Christa Tschöp. Sie und ihr Mann kommen aus Tangermünde und waren schon ein, zweimal im Erlebnisdorf. "Das ist eine Attraktion in der Gegend", erklärt Frank Tschöp. Das habe sich rumgesprochen. Heute klappt es endlich mit der Schifffahrt. Kurzfristig haben sie den Platz von Freunden bekommen, die keine Zeit hatten und die Reservierung nicht verfallen lassen wollten. Die Beiden genießen, dass es an diesem Dienstagmorgen nicht so voll ist. Es sei unter der Woche bestimmt immer leerer, vermuten sie. Und Corona spiele sicher auch eine Rolle.

Am 17. März sind alle Standbeine gleichzeitig weggeschnitten worden.

Björn Thomas über die Corona-Maßnahmen

Beim Wort "Corona" wird der Blick von Björn Thomas ernst. Die Lachfalten um seine Augen verschwinden fast. "Meine Frau und ich dachten immer, wir können ruhig schlafen." Die Beiden haben zwar mehrere Standbeine: Auf dem Erlebnishof gibt es Gastronomie, Hotellerie, Hochzeiten, den Biergarten und sie bieten auch Catering an. Wenn es an einer Stelle schlecht läuft, könnten Björn Thomas und seine Frau das vielleicht noch auffangen. "Doch am 17. März sind alle Standbeine gleichzeitig weggeschnitten worden." Die Corona-Maßnahmen brachten das Geschäft komplett zum Stillstand. Der 46-Jährige hat sich Zuschüsse besorgt und musste ein Darlehen aufnehmen, um die Verluste aufzufangen. "Da werden wir Jahrzehnte dran zu knabbern haben."

Der Schlüssel für die Zukunft sind die Veranstaltungen, sagt Thomas. Laufen die wieder normal, kann es wirklich wieder vorwärts gehen. An die Auflagen hält er sich natürlich. Abstandsbänder auf dem Boden, Hinweisschilder fast alle drei Meter und Desinfektionsflaschen an vielen Stellen zeugen davon. "Kuchen und Eis sind schön. Aber das wird nie dieses Areal am Leben erhalten", sorgt sich Björn Thomas. Er kann damit leben, dass nicht sofort alles wieder von "null auf hundert" losgehen kann. Er hofft auf weitere Lockerungsmaßnahmen und wünscht sich, dass keine zweite Welle von Infektionen kommt.

Und dann blickt er wieder in die Ferne. Von seinem Lieblingsplatz aus. Über "seine Bucht". Den Blick optimistisch nach vorne gerichtet – trotz allem.

Blick auf eine Landschaft mit See und Flößen
Wenn es schummrig wird in Parey, wirkt es, als ob jeden Moment Kapitän Jack Sparrow vorbeikommen könnte. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Hier liegt das Erlebnisdorf Elbe-Parey

Das war der zweite Teil unserer Wochenserie "Urlaub zu Hause". Am Mittwoch besuchen wir das Bergwitzsee Resort südlich der Lutherstadt Wittenberg. Ebenfalls ein Ort, der zum Reisen in die Region einlädt.

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über Fabian Frenzel Fabian Frenzel arbeitet seit November 2014 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Online-Redaktion. Dabei liegt sein Schwerpunkt vor allem im Bereich Social-Media. Er würde gerne mehr Texte über sein Hobby "Männerballett" schreiben, hat aber noch nicht die richtige Rubrik dafür gefunden.

Sein Journalismus-Studium hat der gebürtige Brandenburger in Berlin und Eichstätt/Ingolstadt absolviert. Die ersten journalistischen Schritte machte er bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und RADIO ENERGY Berlin. Sein Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist Calbe (Saale), wo ein Teil seiner Verwandtschaft lebt. Hätte er dort nicht für ein paar Monate Unterschlupf gefunden, wäre er heute vermutlich nicht beim MDR. Und: Er ist gern da, wo man auch Lasertag spielen kann.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. Juni 2020 | 08:40 Uhr

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