Coronavirus in Sachsen-Anhalt Zwei Landkreise überschreiten kritischen Inzidenzwert

In Sachsen-Anhalt ist zum ersten Mal der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen überschritten worden. Betroffen sind der Burgenlandkreis und das Jerichower Land. Auch in anderen Teilen des Landes steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus an.

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau.
Die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Infektionen steigt weiter an. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt steigt die Zahl der Corona-Infektionen weiter an. In zwei Landkreisen ist zum ersten Mal der kritische Inzidenzwert überschritten worden. Nach Angaben des Burgenlandkreises lag die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bei 39,17 pro 100.000 Einwohnern. Im Jerichower Land beträgt die 7-Tages-Inzidenz nach Angaben des Sozialministeriums 35,6. Landesweit lag die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner bei 16,06.

Bund und Länder hatten in der vergangenen Woche beschlossen, dass Städte und Kreise ab einem Inzidenzwert von 35 zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen sollen – angepasst an das jeweilige regionale Infektionsgeschehen.

Burgenlandkreis hatte bereits Einschränkungen getroffen

Der Burgenlandkreis hatte bereits am vergangenen Freitag Veranstaltungen und Feiern deutlich eingeschränkt. So dürfen an privaten Feiern nicht mehr als 25 Personen teilnehmen. Bei fachkundig organisierten Feiern in geschlossenen Räumen dürfen bis zu 100 Menschen dabei sein.

Jerichower Land: zwei Infektionsherde isoliert, (noch) keine weiteren Einschränkungen

Auch der Landkreis Jerichower Land bereitet sich auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen vor. Landrat Stefan Burchardt (SPD) sieht jedoch keinen Grund zur Panik. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, "wir haben die Infektionsherde isoliert und herausgefunden wo alles seinen Ursprung hat. Es sind zwei Ausbruchsherde - ein Klassentreffen und eine Studienreise - bei denen mehrere Menschen lange auf einem Raum zusammen waren." Beide Fälle könnten nun gut eingedämmt werden. Durch diese zwei Vorfälle schnelle die Infektionszahl nun nach oben. Es handle sich aber nicht um eine flächendeckende Infektionsgefahr.

Landrat des Jerichower Lands Landrat Steffen Burchhardt
Landrat Steffen Burchhardt: keine flächendeckende Infektionsgefahr Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Es werde nun mehr Tests geben. Zudem werde die Bevölkerung erneut für ihr Verhalten im Alltag sensibilisiert. Noch gebe es keine zusätzlichen Einschränkungen für die Menschen im Landkreis, so Burchardt. "Aber wir machen uns intensive Gedanken über Veranstaltungen größeren Formates. Ob die in geschlossenen Räumen in der jetzigen Form stattfinden können." Dazu werde der Landkreis die entsprechenden Hygienekonzepte noch einmal prüfen und abwägen, ob diese Veranstaltungen noch stattfinden könnten. Dazu werde man aber berücksichtigen, ob die Fallzahlen nach den jetzigen Eindämmungsmaßnahmen wirklich weiter ansteigen.

 

Überblick zu den aktuellen Zahlen

Über das Wochenende sind in Sachsen-Anhalt laut Ministerium 200 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet worden. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten wurden zwischen Freitag- und Montagvormittag Neuinfektionen registriert.

Landesweit liegt die Fallzahl laut Sozialministerium bislang bei 3.337. Aktuell gelten 579 Menschen als infiziert, vor einer Woche lag ihre Zahl noch bei 377. Derzeit sind laut dem Ministerium 17 Intensiv- und Beatmungsbetten mit an Covid-19 erkrankten Menschen belegt. Fünf Patienten würden beatmet.

Die Zahl der gestorbenen Infizierten lag weiter bei 71. Schätzungen zufolge sind 2.687 Menschen wieder genesen. 435 wurden bislang in Krankenhäusern behandelt.

Was ist die 7-Tages-Inzidenz? Der Wert der 7-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele neue Corona-Infizierte je 100.000 Einwohner es in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. So lässt sich nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt hat. Für die 7-Tages-Inzidenz gibt es zwei Schwellenwerte: Der erste liegt bei 35, der zweite bei 50. Was passiert, wenn eine Region die Werte erreicht, entscheiden das Robert Koch-Institut und Politikerinnen und Politiker. Während der Schwellenwert von 35 eher eine Art Warnwert ist, können ab dem Wert von 50 Politikerinnen und Politiker Maßnahmen ergreifen.

Quelle: MDR/sp,agz;dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

1 Kommentar

kritischer Realist vor 5 Wochen

-Es war ein Klassentreffen und eine Studienreise und die Bevölkerung wird erneut für ihr Verhalten im Alltag sensibilisiert- Also, treffender kann man Sippenhaftung nicht mehr beschreiben. Wie wäre es jetzt mit einem Hygienekonzept für die Atmung im Freien. Es ist grotesk, mit welchen Aktionen in Deutschland der Pandemie entgegen gewirkt wird. Gegenfrage - wie sieht das Hygienekonzept für die Grippewelle aus.

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