Neuinfektionen über Grenzwert Jerichower Land erstes Corona-Risikogebiet in Sachsen-Anhalt

Das Jerichower Land ist das erste Corona-Risikogebiet in Sachsen-Anhalt. Seit Mittwoch ist der Grenzwert an Neuinfektionen überschritten. Auslöser sind private Feiern – für sie gelten nun schärfere Regeln.

Aufdruck 'Risikogebiet' auf Holzstempel
Das Jerichower Land gilt seit Mittwoch als Corona-Risikogebiet. Die Corona-Maßnahmen wurden ausgeweitet. Bildrechte: Colourbox.de

Als erste Region Sachsen-Anhalts hat sich der Landkreis Jerichower Land zum Corona-Risikogebiet erklärt. Wie der Kreis am Mittwoch mitteilte, hat die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen einen Wert von 68,89 erreicht. Ab einem Wert von 50 gilt ein Landkreis bundesweit als Risikogebiet.

Landrat Steffen Burchhardt (SPD) sagte, "die Bevölkerung muss wissen, dass das Risiko sich anzustecken aktuell im Landkreis so hoch ist wie noch nie". Eine weitere Ausbreitung müsse so schnell wie möglich gestoppt werden. Der Anstieg der vergangenen Tage sei unter anderem auf private Feiern zurückzuführen.

Verschärfte Regeln für private Feiern

Die Kreisverwaltung reagiert deshalb mit verschärften Regeln. So sind im Jerichower Land ab sofort private Feiern auf 20 Teilnehmer begrenzt, unabhängig von Ort und Anlass. An fachkundig organisierten Feiern dürfen in geschlossenen Räumen 100 Menschen und draußen 150 teilnehmen. Geschäftliche Veranstaltungen und solche von Vereinen und Organisationen unter freiem Himmel sind auf 200 Personen begrenzt. Sollten die Maßnahmen keinen Erfolg haben, könnten sie weiter verschärft werden, kündigte Burchhardt an.

Landrat des Jerichower Lands Landrat Steffen Burchhardt
Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Unser Ziel muss es sein, gravierende Auswirkungen auf Kinderbetreuung, Sport und Wirtschaft wie zu Beginn der Pandemie zu verhindern … Da kann jeder seinen Beitrag leisten.

Steffen Burchhardt, Landrat Jerichower Land

Das Jerichower Land war bis Anfang voriger Woche recht glimpflich durch die Pandemie gekommen. Seit dem 11. Oktober haben sich die Fallzahlen in dem Landkreis aber mehr als verdoppelt. Da das Jerichower Land mit knapp 90.000 Einwohnern ein eher bevölkerungsschwacher Kreis ist, fallen einzelne Infektionen hier bei der Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz stärker ins Gewicht als etwa in Halle oder Magdeburg, wo je mehr als doppelt so viele Menschen wohnen.

Was ist die 7-Tages-Inzidenz? Der Wert der 7-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele neue Corona-Infizierte je 100.000 Einwohner es in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. So lässt sich nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt hat. Für die 7-Tages-Inzidenz gibt es zwei Schwellenwerte: Der erste liegt bei 35, der zweite bei 50. Was passiert, wenn eine Region die Werte erreicht, entscheiden das Robert Koch-Institut und Politikerinnen und Politiker. Während der Schwellenwert von 35 eher eine Art Warnwert ist, können ab dem Wert von 50 Politikerinnen und Politiker Maßnahmen ergreifen.

Halle und Magdeburg kurz vor Risiko-Status

Dennoch sind auch die beiden größten Städte des Landes derzeit ebenfalls auf dem Weg, Risikogebiet zu werden. Halle erreichte nach eigenen Angaben am Mittwoch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 38,25. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) kündige am Mittwoch deshalb eine Maskenpflicht für die Innenstadt an, die ab Donnerstag gelten sollte. Außerdem verschärft die Saalestadt die Regeln für Feiern und Veranstaltungen.

Magdeburg erreichte den kritischen 50er-Wert am Mittwoch noch nicht, hatte laut Statistik der Landesregierung - in die die Zahlen aus den Kreisen oft erst verspätet eingehen - von Dienstag auf Mittwoch 31 neue positive Testergebnisse. Breitet sich das Virus weiter mit dieser Geschwindigkeit aus, wird auch Magdeburg in wenigen Tagen Risikogebiet sein. Am Donnerstag wollte die Stadt auf einer Pressekonferenz über die Pandemielage informieren.

Auch Burgenlandkreis betroffen

Auch im Burgenlandkreis stehen die Infektionszahlen kurz vor dem kritischen Wert für Risikoregionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Mittwoch auf 47. Um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, gibt es eine neue Allgemeinverfügung. Demnach wird im Landkreis die Personenzahl bei Privatfeiern reduziert. Außerdem muss nun bei Veranstaltungen im Freien, wie bei Volksfesten, Märkten oder Sportveranstaltungen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

So kommt es zu unterschiedlichen Zahlenangaben Der Burgenlandkreis – wie auch einige andere Regionen in Sachsen-Anhalt – veröffentlicht eigenständig die Corona-Fallzahlen des zuständigen Gesundheitsamtes. Andere Regionen in Sachsen-Anhalt wiederum machen das nicht. MDR SACHSEN-ANHALT greift auf Daten zurück, die für alle Regionen einheitlich sind. Das sind nur die Zahlen des Sozialministeriums, die immer vormittags erhoben und mittags veröffentlicht werden. Auf unseren Karten sehen Sie immer einen jeweiligen Zeitstempel. Es ist also folgerichtig, dass die Zahlen der Landkreise von denen des Ministeriums abweichen können. Die Zahlen auf die sich MDR SACHSEN-ANHALT bezieht sind folgerichtig nicht falsch, sondern zu einem anderen Zeitpunkt erhoben.

Quelle: dpa, MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 5 Wochen

Hat er sich wohl etwas unglücklich ausgedrückt. Aber natürlich ist ein Einzelfall unter 10 Leuten immer noch deutlich mehr als einer unter Hundert. Obwohl es jedesmal nur einer einer ist.
Die große Unbekannte ist wohl, wie wahrscheinlich es mit den durchgeführten Tests ist, auch einen Treffer zu landen.
Der meinte sicher den Zufall nun eben Treffer zu landen. Denn die Anzahl der Infektionen weiß gar keiner.
Morgen kann dann wieder Halle Pech haben, wenn unter den Test zufällig mehr Treffer dabei sind.
Doof wird es immer, wenn dann mal im Umfeld einer nachgewiesenen Infektion weitere Tests stattfinden. Im ländlichen Raum hat man möglicherweise eher den Überblick und benennt die alle, während das in Halle die Hälfte nicht weiß. Die werden dann naturgemäß auch gar nicht erst getestet.
Bin ja mal auf die vollkommen verdachtsunabhängigen Test in den Altenheimen gespannt. Da sollte sich die Zahl in kürzester Zeit nochmal verdoppeln lassen.

Sabrina Heller vor 5 Wochen

Das erscheint mir nicht korrekt:
"Da das Jerichower Land mit knapp 90.000 Einwohnern ein eher bevölkerungsschwacher Kreis ist, fallen einzelne Infektionen hier bei der Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenz stärker ins Gewicht als etwa in Halle oder Magdeburg, wo je mehr als doppelt so viele Menschen wohnen.
"
Die Inzidenz ist unabhängig von der Bevölkerungsdichte.

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