Der Klusfelsen bei Halberstadt ist eine Sandsteinformation: 100 Meter lang und 15 Meter hoch.
Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Streit um Klusfelsen "Es ist ein Drama, was hier passiert"

Der Klusfelsen bei Halberstadt ist Naturdenkmal, Baudenkmal und archäologisches Denkmal. Doch die Decke des größten Höhlenraums gibt nach: Es gab schon mehrere Abbrüche. Noch vor Einbruch des Winters könnte die Sicherung des Felsens beginnen - noch wird allerdings darüber diskutiert, wie genau sie aussehen soll.

von Luise Kotulla

Der Klusfelsen bei Halberstadt ist eine Sandsteinformation: 100 Meter lang und 15 Meter hoch.
Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Mindestens ein Mal im Monat macht sich Knut Schneider an den Aufstieg zum Klusfelsen. Der 74-Jährige stammt aus einer alten Halberstädter Familie und liebt seine Stadt. Deshalb investiert er seine komplette Zeit in die Rettung des Felsens, der die Landschaft hier prägt. 100 Meter lang und 15 Meter hoch ist die Sandsteinformation, in der schon vor über 1.000 Jahren Menschen lebten. Doch nun bricht die tonnenschwere Decke des größten Höhlenraums ein. Ein Drittel liegt mittlerweile am Boden.

Ein Mann steht am Klusfelsen und hält Dokumente in den Händen.
Knut Schneider liegt die Sanierung des Klusfelsens am Herzen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Bereits seit 2005 sind die ehemalige Einsiedlerwohnung und die Kapelle wegen Einsturzgefahr gesperrt. Jetzt, mehr als zehn Jahre später, gibt der Fels tatsächlich nach. Vier Abbrüche gab es schon. Knut Schneider dokumentiert sie alle. Heute sieht er den jüngsten Einsturz zum ersten Mal und ist bedrückt. "Wenn man das hier sieht, das stimmt einen traurig. Da findet man keine Worte, weil das einfach nicht nötig war", sagt er. Der Rentner hat weltweit als Ingenieur gearbeitet und warnt schon seit sieben Jahren, dass der Klusfelsen saniert werden muss, wenn er überdauern soll.

Spender sind abgesprungen

Auf Zetteln ist ein Bericht der Bergakademie abgedruckt.
Der Bericht der Bergakademie. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

2007 war die Bergakademie Freiberg auf Einladung der Stadt Halberstadt vor Ort, nahm Gesteinsproben und verfasste Berichte. 47.000 bis 60.000 Euro wären demnach für die komplette Sanierung der Einsiedlerwohnung nötig. Eine Firma, die sonst im Elbsandsteingebirge arbeitet, stünde bereit. Knut Schneider hatte sogar Spender organisiert, die über 100.000 Euro gegeben hätten. Aber als sie den Zustand des Klusfelsens vor Ort sahen, traten sie von der Spende zurück. Weil, so Knut Schneider, der Zustand des Felsens erbärmlich war und die Stadt nichts zur Verbesserung getan hatte. Dabei ist der Fels Eigentum von Halberstadt.

Unterschiedliche Vorschläge zur Sicherung

Seit Jahren liegen die Pläne nun in der Schublade, doch die Stadt kann nicht investieren. "Seit 2004 dürfen wir nur Pflichtaufgaben finanzieren", so der Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke. Außerdem favorisiert die Stadt den Gegenvorschlag des Dombaumeisters zur Sicherung des Klusfelsens – eine sichtbare Stahlkonstruktion, die auch wieder entfernt werden kann. 70.000 Euro würde das kosten. Knut Schneider und die Bergakademie Freiberg schlagen dagegen eine Gitterkonstruktion vor, die Säulen und Wände stützt und mit einer Betonmischung in Sandsteinoptik verfüllt wird. Sie würde sich unauffällig in das Gesamtbild einfügen.

Sanierung auch Thema im Stadtrat

Für ein Drama hält Knut Schneider die ganze Situation. "Was soll man 70.000 Euro für eine Notlösung rausschmeißen, wenn man für 47.000 bis 60.000 die komplette Sanierung dieser Einsiedlerwohnung haben kann", sagt er. Denn die Räume wären mit der von der Stadt favorisierten Variante nicht wieder begehbar. Er selbst hat seit 2009 versucht, Fördermittel für den Felsen zu bekommen. Auch nahm er Kontakt mit Behörden und möglichen Firmen auf.  Jetzt hofft er, dass sich die Stadträte für seine Variante entscheiden. Doch das ist wenig wahrscheinlich. Für die teurere wurde bereits der Bauantrag genehmigt. In der nächsten Stadtratssitzung könnten die Räte zustimmen und das notwendige Geld bewilligen. Dann könnten die Arbeiten noch vor Einbruch des Winters beginnen.

Die Probleme des Klusfelsens

Der Klusfelsen ist umgeben von Sträuchern.
Ein Stück Sächsische Schweiz in Sachsen-Anhalt: der Klusfelsen – die bedeutendste Höhlenwohnanlage nördlich der Alpen Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Der Klusfelsen ist umgeben von Sträuchern.
Ein Stück Sächsische Schweiz in Sachsen-Anhalt: der Klusfelsen – die bedeutendste Höhlenwohnanlage nördlich der Alpen Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann steht vor einem verschlossenen Eingang.
Die Einsiedlerklause, kurz Klus, gab der Felsformation ihren Namen. Beide Räume dürfen seit 2005 wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Grottenartiges Loch im Felsen.
Am weichen Fels nagt der Zahn der Zeit. Doch auch die nun abgeholzten Bäume, die Menschen und eventuell der Saure Regen in den 1980er-Jahren hinterließen ihre Spuren. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Gitter am Klusfelsen.
Blick in die Klause: Die angebrachten Gitter könnten die Tragfähigkeit der Wände zusätzlich beeinträchtigt haben. Im größten Raum sind bereits zum vierten Mal Teile der Decke abgebrochen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
In einer Wand ist ein Loch, nachdem ein Gitter herausgerissen wurde.
Jugendliche haben die Gitter mehrfach herausgerissen. Deshalb wurden neue Bolzen in die teils dünnen Sandsteinwände geschlagen. Die Folgen – Löcher und Risse – sind deutlich zu erkennen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Verbogene Gitter am Klusfelsen.
Vor Jahren wurde bereits ein Sicherungsversuch unternommen. Trotz der Säule stürzt die Decke ein. Die Gitter sind verbogen - illegale Besucher nutzen sie als Leiter. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Foto, das einen Blick ins Innere des Klusfelsens zeigt.
Diesen Blick hatte man, als die Räume noch betreten werden durften. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann hat Postkarten, Fotos und Artikel über den Klusfelsen gesammelt.
Knut Schneider fotografiert selbst und hat alles über den Klusfelsen zusammengetragen: Postkarten, alte Fotos, … Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Bücher über den Klusfelsen.
alte Bücher, … Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Gemälde zeigen den Klusfelsen.
... und Gemälde. Er hat auch eine eigene Dokumentation zum Thema verfasst. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Bild mit Bauzeichnungen in den Händen eines Mannes.
Knut Schneider hat auch Bauzeichnungen angefertigt. Er will, dass der Zustand von vor 500 Jahren wiederhergestellt wird. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein aus dem Stein gehauener Torbogen  im Fels.
Blick durch ein Fenster zur Decke der Einsiedlerklause: Wo der Sandstein hell aussieht, ist ein Stück herausgebrochen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Der Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke, sitzt an einem Schreibtisch.
Der Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke, möchte den Klusfelsen sichern lassen. Doch das Geld ist knapp und er sagt: "Wir haben in der Stadt natürlich noch viele andere Baudenkmale, die auch noch unbehandelt sind." Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
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Zuletzt aktualisiert: 26. September 2016, 19:53 Uhr

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2 Kommentare

27.09.2016 11:37 Nutzer 2

Mein Gott, es ist Sandstein... Das dieser nicht so "felsenfest" wie andere Gesteinsarten ist, muss man einfach hinnehmen und nicht "stahlbetonieren", damit der Schein gewahrt bleibt...

26.09.2016 18:45 Nein, das ist einfach Sachsen-Anhalt 1

(Streit um Klusfelsen "Es ist ein Drama, was hier passiert") - Nein, das ist einfach Sachsen-Anhalt...

Die Probleme des Klusfelsens

Der Klusfelsen ist umgeben von Sträuchern.
Ein Stück Sächsische Schweiz in Sachsen-Anhalt: der Klusfelsen – die bedeutendste Höhlenwohnanlage nördlich der Alpen Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Der Klusfelsen ist umgeben von Sträuchern.
Ein Stück Sächsische Schweiz in Sachsen-Anhalt: der Klusfelsen – die bedeutendste Höhlenwohnanlage nördlich der Alpen Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann steht vor einem verschlossenen Eingang.
Die Einsiedlerklause, kurz Klus, gab der Felsformation ihren Namen. Beide Räume dürfen seit 2005 wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Grottenartiges Loch im Felsen.
Am weichen Fels nagt der Zahn der Zeit. Doch auch die nun abgeholzten Bäume, die Menschen und eventuell der Saure Regen in den 1980er-Jahren hinterließen ihre Spuren. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Gitter am Klusfelsen.
Blick in die Klause: Die angebrachten Gitter könnten die Tragfähigkeit der Wände zusätzlich beeinträchtigt haben. Im größten Raum sind bereits zum vierten Mal Teile der Decke abgebrochen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
In einer Wand ist ein Loch, nachdem ein Gitter herausgerissen wurde.
Jugendliche haben die Gitter mehrfach herausgerissen. Deshalb wurden neue Bolzen in die teils dünnen Sandsteinwände geschlagen. Die Folgen – Löcher und Risse – sind deutlich zu erkennen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Verbogene Gitter am Klusfelsen.
Vor Jahren wurde bereits ein Sicherungsversuch unternommen. Trotz der Säule stürzt die Decke ein. Die Gitter sind verbogen - illegale Besucher nutzen sie als Leiter. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Foto, das einen Blick ins Innere des Klusfelsens zeigt.
Diesen Blick hatte man, als die Räume noch betreten werden durften. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann hat Postkarten, Fotos und Artikel über den Klusfelsen gesammelt.
Knut Schneider fotografiert selbst und hat alles über den Klusfelsen zusammengetragen: Postkarten, alte Fotos, … Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Bücher über den Klusfelsen.
alte Bücher, … Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Gemälde zeigen den Klusfelsen.
... und Gemälde. Er hat auch eine eigene Dokumentation zum Thema verfasst. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Bild mit Bauzeichnungen in den Händen eines Mannes.
Knut Schneider hat auch Bauzeichnungen angefertigt. Er will, dass der Zustand von vor 500 Jahren wiederhergestellt wird. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein aus dem Stein gehauener Torbogen  im Fels.
Blick durch ein Fenster zur Decke der Einsiedlerklause: Wo der Sandstein hell aussieht, ist ein Stück herausgebrochen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Der Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke, sitzt an einem Schreibtisch.
Der Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke, möchte den Klusfelsen sichern lassen. Doch das Geld ist knapp und er sagt: "Wir haben in der Stadt natürlich noch viele andere Baudenkmale, die auch noch unbehandelt sind." Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
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