Magdeburg Was soll nur aus dir werden, Hasselbachplatz?

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Mit dem Café Central schließt eine weitere Kneipe am Hasselbachplatz. Auch die Hassel-Managerin hat aufgegeben. Die Zukunft des einstigen Ausgehviertels sieht düster aus, schreibt unsere Autorin. Ein Kommentar.

Der Hasselbachplatz in Magdeburg an einem verregneten Morgen
Der Hasselbachplatz im Zentrum Magdeburgs sorgt immer wieder für neue Diskussionen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Freitags? Samstags? Da war früher klar, wo Magdeburg sich trifft: Am Hassel. Was waren das für Zeiten. Aber das ist mindestens zehn Jahre her. Mittlerweile ist das längst vorbei.

Das schillernde Ausgehviertel mit überall vollbesetzten Tischen vor den Lokalen war einmal. Viele Lokale waren einmal. Etliche haben geschlossen: das Liebig, die Ur-Bar, das Jakelwood, die Coco Bar, das Kucaf. Jetzt auch noch das Café Central.

Am Jahresende ist auch dort Schluss. Es sei Zeit für Veränderungen, sagen die Betreiber. Doch ist diese weitere Schließung vielmehr das Ergebnis der Veränderungen am Hassel.

Die Vielfalt am Hassel geht verloren

Gab es vor zehn Jahren am Platz noch so gut wie für jeden Geschmack eine Kneipe, sind heute Döner-Läden und Spätis bestimmend. Mehr Vielfalt? Die Vielfalt geht mittlerweile eher verloren. Zu verschieden sind die Ideologien vor Ort.

Die einen hassen Spätis, weil sie ihnen die Gäste klauen. Die anderen sehen die Situation entspannter und freuen sich über ein bisschen Großstadtflair. Aber ist das auch das Magdeburg-Flair?

Hasselbachplatz? Längst nicht mehr Szene-Treffpunkt

Eine Managerin sollte den Hassel befrieden und beleben. Auch sie hat aufgegeben und Ende August gekündigt. Die Gründe sind unklar. Niemand will sich so recht äußern. Was bleibt, ist die Frage: Braucht es überhaupt noch eine Hassel-Managerin am kulturell abgemagerten Hassel?

Die Szeneleute sind jedenfalls längst weitergezogen, nach Buckau, zurück nach Stadtfeld und neuerdings auch wieder nach Sudenburg.

Hasselbachmanagerin Alena Hertrich auf dem Breiten Weg.
"Hasselmanagerin" Alena Hertrich hat nach Informationen des MDR Sachsen-Anhalt ihre Kündigung eingereicht. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Mit dem Café Central schließt nicht nur eine Kneipe. Das Central war immer auch Antreiber, Diskussionsanreger, ein Finger-in-die-Wunde-Leger der Stadt. Ein Treffpunkt für alle, die mit Mainstream nicht viel am Hut haben. Eine Stimme derer, die sich ein modernes, diverses alternatives Kiez-Leben in Magdeburg und gerade am Hassel wünschen.

Immerhin: Die Betreiber wollen sich weiter am Hassel engagieren. Und eins steht fest: Viel zu tun gibt es. Mehr denn je.

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Über die Autorin Janine Wohlfahrt stammt aus Magdeburg und arbeitet seit 2001 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seitdem hat sie im Hörfunk und Fernsehen Nachrichten gemacht, war als Reporterin mit dem Ü-Wagen unterwegs und sorgt jetzt dafür, dass viele interessante und relevante Gesprächsthemen aus Magdeburg auch im Internet landen. Janine Wohlfahrt arbeitet auch als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion. Bevor sie zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat sie bei der Bild-Zeitung, Radio SAW und MDR JUMP gearbeitet. Ihre Lieblingsorte in Magdeburg sind ihr Zuhause, die Datsche, der Neustädter See und der Stadtpark.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. September 2020 | 08:00 Uhr

11 Kommentare

JoePhoenyx vor 20 Wochen

Vor 10 Karen hat n'en Bier in n'en Pup 1,50€ gekostet,heute kostet es bis zu 5,00€ von den Cocktailpreisen will ich gar nicht reden,doch die Löhne sind nicht annähernd im selben Niveau angeglichen wurden.Darüber hinaus dürfte man damals noch am Hassel draußen trinken,was nun auch verboten wurde und ein Partykiller ist.

Magdeburger Jung vor 20 Wochen

Danke Frau Merkel!
Multi-Kulti ist nicht immer gut. Vor allem nicht, wenn es wie hier in Magdeburg ganze Stadtteile zu Ghettos verkommen lässt........
Es ist sehr traurig, was aus dieser Stadt und dem ganzen Land geworden ist.

Peter Riesler vor 20 Wochen

Sorry, in einer Stadt, die im 30jährigen und dem 2. Weltkrieg nahezu vollständig ihr Gesicht verloren musste, ist kein kulturelles Leben im vollem Umfang möglich. Alle verstehen es - nur die MagdeburgerInnen nicht.

Eine Stadt, wenn man duchgefahren ist, ohne jedes Flair.

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