Zweiter Corona-Lockdown Magdeburger Kosmetikerin: "Ich würde mir wünschen, dass man auf die kleinen Unternehmen achtet"

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Die neue Corona-Regeln stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Viele von ihnen müssen schließen. Die Magdeburger Kosmetikerin Anne Schneider war erst betroffen – plötzlich nicht mehr. Über ein Gefühlschaos.

Anne Schneider, Inhaberin des Kosmetikstudios New Faces in Magdeburg
Anne Schneider ist Inhaberin des Kosmetikstudios New Faces in Magdeburg. Sie findet, dass die Politiker in der Corona-Krise mehr an die kleinen Unternehmen denken sollten. Bildrechte: Anne Schneider/New Faces

Für Anne Schneider, Inhaberin des Kosmetikstudios New Faces in Magdeburg, ist es ein Schock, als sie Mittwochnachmittag die neuen Corona-Regeln erfährt. "Puuuh... Uns stehen die Tränen in den Augen", beginnt sie ihre Story auf Instagram. Zu diesem Zeitpunkt steht fest: Sie muss ihren Laden, wie viele andere Unternehmen, für den gesamten November schließen. Bei MDR SACHSEN-ANHALT erklärt Schneider Donnerstagmorgen: "Ich habe sieben Mitarbeiter, denen ich jetzt wieder Kurzarbeitergeld zahlen muss. Das ist eine Katastrophe. Ich kann mir gar nichts zahlen. Wir haben uns gerade von dem ersten Lockdown ansatzweise erholt – und jetzt kommt der zweite."

In dem Moment ahnt Anne Schneider noch nicht, dass es am Donnerstagnachmittag eine freudige Nachricht für sie geben wird. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) erklärt in der Landespressekonferenz, dass Dienstleistungsbetriebe der Körperpflege im November weiterarbeiten können. Dazu zählen Kosmetikstudios, Sonnenstudios und die Fußpflege. "Wir stehen immer noch unter Schock und können es immer noch nicht ganz glauben! Wenn es wirklich dabei bleibt, sind wir wahnsinnig dankbar", sagt Anne Schneider und fügt hinzu: "Wir fühlen aber dennoch mit den anderen Branchen mit und unterstützen, wo wir können."

Wunsch an die Politik

Auch wenn sich die Kosmetikerin zu Recht über diese Nachricht freuen kann, sieht es für viele Unternehmen und Einrichtungen weiterhin anders aus. Theater, Museen, Konzerthäuser, Gedenkstätten, Freizeitparks und Kinos – eigentlich so gut wie jedes kulturelle Angebot – werden geschlossen. Hinzu kommen außerdem Restaurants und Kneipen.

Mit Blick nach vorne, da die kommenden Monate mehr als ungewiss sind, formuliert Schneider einen Wunsch an die Politik: "Ich würde mir wünschen, dass man auch auf die kleinen Unternehmen achtet. Ich habe jetzt ein Unternehmen mit sieben Mitarbeitern – wir halten uns sicher über Wasser. Wir haben auch etwas angespart, weil wir nach dem ersten Shutdown vorsichtig gewesen. Für die noch kleineren, die Ein-Mann-Betriebe oder für die Gastronomie, ist das eine Katastrophe. Deshalb sollten die Leute anfangen, ihre Lieblingsgeschäfte zu unterstützen."

Und unterstützen ginge beispielsweise gut mit Gutscheinen, sagt sie. Die würden den Unternehmen jetzt erst einmal Geld einbringen und dabei helfen die Rechnungen zu bezahlen. Und die Kunden, die den Gutschein erworben haben, könnten ihn zu Weihnachten verschenken und zu einem passenden Zeitpunkt im kommenden Jahr nutzen.

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Vorbereitet auf einen neuen "Teil-Lockdown"

Die Insta-Story-Slide vom Kosmetikstudio New Faces in Magdeburg von Inhaberin Anne Schneider
Das hat Anne Schneider in der Instagram-Story ihres Unternehmens veröffentlicht, als sie dachte, dass auch sie im November schließen müsse. Bildrechte: Anne Schneider/New Faces

Nach den Erfahrungen aus dem ersten Shutdown für ihre Branche, wäre die Kosmetikerin auf einen zweiten vorbereitet: "Wenn ich etwas in der Krise gelernt habe, dann dass man sich neue, moderne Wege suchen muss", erklärt Schneider. Denn anstatt in ihrem Salon Beauty-Anwendungen zu machen, die beim Lockdown nicht möglich sind, fahren sie und ihr Team dann zu den Kunden nach Hause und bringen ihnen die Produkte vorbei. Sie packen dann verschiedene Sets zusammen, damit sich die Kunden Zuhause selber behandeln können.

Wie genau das geht, zeigen die Expertinnen auf ihren sozialen Netzwerken, wie Instagram und Facebook, um ihre Kunden zu erreichen. "Was wir auch schon im ersten Lockdown gemacht haben: Online-Hautberatung via Face-Time und Produktempfehlungen", sagt die Kosmetikerin. Das Ziel dabei: "Wir drehen uns da also sehr zu unserem eigentlichen Angebot, damit wir ein bisschen Geld in die Kasse zu kriegen, um wenigstens die Miete zu bezahlen. Oberste Priorität ist für mich, keinen Kredit aufnehmen zu müssen und keine Schulden zu machen."

Veränderungen im Kosmetikstudio

Das Kosmetikstudio New Faces in Magdeburg von Inhaberin Anne Schneider
Im Verkaufsbereich wurde im Rahmen der Corona-Maßnahmen eine Plexiglaswand eingebaut. Bildrechte: Anne Schneider/New Faces

Nach dem ersten Lockdown in ihrer Branche kamen Veränderungen in ihrem Kosmetikstudio New Faces dazu, die auch jetzt weiterhin bleiben: Am Verkaufsbereich steht jetzt eine Plexiglaswand, die Mitarbeiterinnen tragen dauerhaft FFP2-Masken und Handschuhe. "Letztendlich sind die hygienischen Standards in der Kosmetik-Branche generell, also auch ohne Pandemie, wahnsinnig hoch. Wir hatten nicht eine Person, die sich hier mit Corona infiziert hat", erklärt Anne Schneider.

Und das soll auch so bleiben. Genau, wie die Freude, dass sie im November und auch darüber hinaus, geöffnet haben dürfen.

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Über die Autorin Seit Februar 2018 ist Johanna Daher Teil der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Ihr typischer Satz in den sozialen Medien beschreibt sie ihrer Meinung nach ziemlich gut: "Christin, Journalistin und Optimistin mit einer Liebe zum Multimedialen, Interaktiven und Programmieren." Johanna Daher kommt gebürtig aus Nordhessen, hat in Dortmund Journalistik und in Wernigerode an der Hochschule Harz "Medien- und Spielekonzeption" studiert.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

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