Interview mit Oberbürgermeister Lutz Trümper (Kultur-)Baustellen: Was Magdeburg 2020 erwartet

2019 lagen in Magdeburg Erfolge und Rückschläge nah beieinander. Bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt wurde die nächste Runde erreicht. Wichtige Firmen streichen Stellen. Der Tunnel- und Brückenbau wird Magdeburg auch 2020 beschäftigen. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT blickt Oberbürgermeister Trümper auf 2020 voraus.

Bauarbeiten am Magdeburger Citytunnel
Diese Baustelle wird Magdeburg auch im neuen Jahr nicht loslassen: Der Citytunnel. Bildrechte: MDR/ Stephan Schulz

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie beurteilen Sie das Jahr 2019 für Magdeburg insgesamt?

Lutz Trümper: Ich würde sagen, es war ein relativ normales Jahr. Es gab natürlich auch negative Sachen, wie der Fall Enercon. Dass eine Zukunftsindustrie, die mühselig in Magdeburg aufgebaut worden ist, jetzt in Schwierigkeiten gerät. 

In vielen Bereichen gibt es aber positive Entscheidungen: Etwa, dass wir Fördermittel bekommen haben für Schulen, die wir jetzt gerade sanieren – aber eben auch, dass die Arbeitslosenquote noch geringer ausfällt, als sie im letzten Jahr war. Am Ende natürlich noch das Highlight, dass wir bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt im Rennen geblieben sind; dass wir am Ende vielleicht sogar den Sieg davontragen. Und das wäre natürlich für die Stadt eine tolle Entwicklung.

Der Stellenabbau bei Enercon ist vor allem für die betroffenen Mitarbeiter ein wirtschaftlicher Rückschlag. Was bedeutet das für Magdeburg?

Zunächst bedeutet es für viele Mitarbeiter, dass sie ihren Job verlieren werden. Aber ich glaube auch, viele werden wieder einen neuen finden.

Aber das Entscheidende ist, dass der Industriestandort in Magdeburg erhalten bleibt – und nicht weitere Elemente dort herausgebrochen werden.

Da muss man jetzt schauen, dass die deutsche Politik dafür sorgt, dass die alternativen Energien in Deutschland ihren Platz behalten. 

Das zentrale Bauprojekt der Stadt, der Citytunnel, ist auch 2019 noch nicht fertiggestellt worden. Bleibt es 2020 beim aktuellen Zeitplan oder müssen die Magdeburger sich auf die nächsten Katastrophen und Verschiebungen einstellen?

Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper steht am 08.01.2016 nach seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz vor dem Rathaus in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Oberbürgermeister Trümper erwartet Fortschritte bei Bauprojekten. Bildrechte: dpa

Katastrophen sehe ich jetzt nicht. Die kann es auch eigentlich gar nicht mehr geben, weil es jetzt überschaubar ist, was jetzt gemacht werden muss. Es muss nur gemacht werden!

Und die Firma muss die entsprechenden Mitarbeiter auf die Baustelle bringen. Und wenn das alles normal weiterläuft – mit einer geringfügigen Beschleunigung auch – dann werden wir 2022 fertig sein.

Die vielen verschiedenen Baustellen in der Stadt – Tunnel, Strombrücke, die Schönebecker Straße in Buckau – sorgen für Frust und lassen bei den Autofahrern den Eindruck aufkommen, die Baumaßnahmen seien unkoordiniert. 

Erstmal widerspreche ich dem vehement, dass es unkoordinierte Baustellen gibt. Es gibt einen ganz sauberen Plan, wann welche Baustelle realisiert wird. Bloß: Wenn man erstmal angefangen hat und dann bestimmte Sachen nicht funktionieren – man findet etwas in der Erde, das vorher nicht bekannt war; wenn Baufirmen die Baustellen nicht in der Geschwindigkeit fertig kriegen, die zugesagt war – dann dauern einige länger und dann hat man natürlich gefühlt mehr Baustellen. Das ist so.

In Buckau werden wir jetzt im Januar gemeinsam mit der MVB den Plan vorstellen, was jetzt in welchen Bauabschnitten erfolgt. Wenn das vorbei ist, dann ist auch der Süden mit den großen Baumaßnahmen durch.

Über den Bahnhof haben wir schon gesprochen. Der Brückenbau wird natürlich weitere Belastungen bringen, wenn die alte Brücke umgeschwenkt wird. Wir werden noch einige Jahre mit größeren Baustellen leben müssen. Deswegen ist das einfachste: Wer Fahrrad fahren kann, sollte das Fahrrad nehmen, oder die Straßenbahn.

Wie weit sind die Planungen für die neue Strombrücke?

Jetzt im Januar bis Februar kommt der richtige, harte Start, wo die Baumaßnahmen von Hochtief und dem Stahlbauer anfangen. Wo die Brückenpfeiler gegossen werden und der Brückenaufbau beginnt. Und das Ziel für Januar 2023 ist, das gesamte Bauwerk mit allen Straßenverbindungen fertigzustellen – mit der Anbindung an den Heumarkt und den Abgängen in den Stadtpark hinein. Das ist ein anspruchsvolles Ziel. Aber ich glaube, das kann man eher als Zeitplan vorplanen, als wenn man in der Erde gräbt und nicht weiß, was man dort vorfindet.

Die Strombrücke in Magdeburg – Stadteinwärts
An der Strombrücke sollen 2020 die Bauarbeiten starten. Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Ein anderes Problem Magdeburgs ist die angespannte Situation am Hasselbachplatz, die nun von der neuen Hasselbachplatz-Managerin beruhigt werden soll. Wie hat es sich dort entwickelt?

Wenn es Winter ist, ist es ruhiger. Aber der Hasselmanager soll ein Stück weit kommunizieren mit den ansässigen Kneipenbesitzern, der Stadtverwaltung und den Menschen, die sich dort aufhalten – aber er wird nicht derjenige sein, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Das machen andere Behörden; vor allen Dingen Polizei und Ordnungsamt. Dazu müssen wir auch präsent sein. Dazu wird die Stadtwache jetzt im Januar gebildet werden. Unterschrieben haben wir mit der Polizei, die wichtigen Schritte sind geschafft.

Auf welche anderen Magdeburger Projekte für 2020 freuen Sie sich?

Wir wollen den Förderbescheid kriegen für die Stadthalle. Und wir sehen schon, dass am Breiten Weg die ersten Teile der neue Wohnungen in Betrieb gegangen sind und möglicherweise wird Ende 2020 auch der Blaue Bock fertig sein. Also: Es gibt eine Reihe von tollen Sachen, die 2020 realisiert werden können.

Aufkleber
Magdeburg ist bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt eine Runde weiter. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert

Ich wünsche mir auch, dass wir den Input, den wir durch die Kulturhauptstadt-Bewerbung bekommen haben auf den Weg bringen – gemeinsam mit allen, die sich beteiligen wollen. Wir werden uns entwickeln zu einer europäischen Stadt mit vernünftigen kulturellen Bedingungen in der Stadt. Dass die Leute, die bisher mit Kultur nicht allzu viel am Hut haben, was Hochkultur betrifft, in andere Bereiche gehen können und wir Kulturveranstaltungen machen, wo man zueinander finden kann.

Auf dem Domplatz sind in diesem Winter die Lichterwelten ein Erfolg. Welche Kulturpläne entwickelt Magdeburg für den Sommer?

Da bin ich noch nicht so super zufrieden. Wir haben das Wirtschaftsdezernat beauftragt, eine Konzeption "Inszenierte Innenstadt" zu entwickeln. Da ist jetzt ein erster Teil im Stadtrat nach heftigen Diskussionen gerade beschlossen worden, zum Beispiel ein Freiraum-Labor.

Aber die Gesamtstrategie, die auch Teil der Kulturhauptstadt-Bewerbung werden wird, haben wir noch nicht.

An den Fragen 'Wie mache ich die Innenstadt so attraktiv, dass Besucher und Magdeburger verweilen, einkaufen, Kultur genießen?' müssen wir weiter arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Sören Thümler.

Quelle: MDR/rj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 27. Dezember 2019 | 09:30 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt