Pläne für 2025 Kulturhauptstadt: Magdeburg bastelt an Bewerbungsmappe

Magdeburg "Kulturhauptstadt Europas 2025" – an diesem Traum hält die Landeshauptstadt fest. Für die anstehende Bewerbung wurde nun ein Ideenpapier erarbeitet, das vor allem auf die europageschichtlichen Wurzeln der Stadt verweist. Nun sollen die Details ausgearbeitet werden. Außerdem will die Stadt auch im näheren Umfeld weiter für ihr Vorhaben werben.

Der Magdeburger Dom erhebt sich in der Dämmerung über der Elbe.
Nicht nur der Magdeburger Dom, das Wahrzeichen der Stadt, schlägt die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Bildrechte: dpa

„Verantwortung!“ – Mit diesem Leitgedanken will sich Magdeburg um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" bewerben. Das hat die Stadt am Montag bekannt gegeben. Der Leiter des Kulturhauptstadtbüros, Tamás Szalay, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Leitgedanke sei charakteristisch für Magdeburg. Er zeige, dass man auch allgemeine europäische Themen einbeziehen wolle.  "Wir haben geschaut, was die DNA der Stadt ausmacht", sagte Szalay. In diesem Jahr werde es außerdem eine großangelegte Marketingkampagne geben, um das Thema bekannt zu machen und viele Menschen zum Mittun zu bewegen: "Die ganze Stadt muss das Projekt tragen."

Matthias Puhle Kulturbeigeordneter der Stadt Magdeburg
Matthias Puhle Bildrechte: IMAGO

Es gibt zum Beispiel die Idee, mit einer Art Bauwagen in die Kieze zu gehen, in die Stadtteile, und vor Ort mal ein paar Tage zu stehen und mit den Bürgern in den Dialog zu kommen: Was fehlt euch eigentlich in eurem Stadtteil? Was findet ihr gut?

Matthias Puhle, Kulturbeigeordneter der Stadt Magdeburg

Außerdem wurden für die Bewerbung vier Schwerpunkte formuliert: "Verloren und Wiederfinden", "Das humanistische Erbe Magdeburgs", "Made in Magdeburg" sowie "Vielfalt".

"Verantwortung" in allen Bereichen

Magdeburgs Kulturbeigeordneter Matthias Puhle sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe mit dem Leitgedanken einen Bogen zwischen Geschichte und Zukunft gespannt. Es gelte, Magdeburgs "große und brüchige Geschichte" in die Zukunft zu transportieren. Der Gedanke der Verantwortung ziehe sich dabei durch alle Themen. So seien die Magdeburger auch dafür verantwortlich, der Innenstadt mehr Atmosphäre zu verleihen - etwa durch mehr Kunst und Kultur in der Stadt. Eine erfolgreiche Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas kann Magdeburg nach Meinung von Puhle attraktiver machen.

Bewerbung soll in einem Jahr fertig sein

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Verantwortung sei angesichts der Entwicklung in Europa und der Welt ein "sehr, sehr guter Begriff" - etwa bei Migration, Umwelt und Technik. Man müsse verantwortungsvoll zusammenarbeiten, allein für nachfolgende Generationen. Jetzt müsse ausgestaltet werden, was der Begriff Verantwortung konkret mit Magdeburg zu tun habe. An der Ausgestaltung sollen die Einwohner der Stadt mitwirken. Die konkrete Bewerbung soll im Frühjahr 2019 fertig sein.

Deutschlandweite Konkurrenz

Deutschland darf für 2025 das nächste Mal eine Stadt zur Kulturhauptstadt küren. Neben Magdeburg gehen dafür auch Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Kassel, Koblenz und Nürnberg ins Rennen. Mannheim und Stralsund haben ihre anfänglichen Pläne mittlerweile wieder aufgegeben. In Halle hatte der Stadtrat im Juni 2017 einer möglichen Bewerbung mehrheitlich eine Absage erteilt. Die zweite Kulturhauptstadt 2025 wird Slowenien benennen. Die offizielle Bewerbungsphase hat noch nicht begonnen.

Wie wird man Europas Kulturhauptstadt? Jedes Jahr haben zwei Länder die Möglichkeit, eine Kulturhauptstadt zu ernennen. Die Reihenfolge der Länder wurde in einem Rotationsprinzip festgelegt. Seit 2004 werden mindestens zwei Städte aus zwei verschiedenen Ländern ausgewählt. Die Initiative der Kulturhauptstädte Europas gibt es seit 1985. Die erste Kulturhauptstadt war Athen.

Mit dem Programm sollen der Reichtum und die Vielfalt der Kulturen in Europa hervorgehoben werden und bei den Bürgern das Gefühl gestärkt werden, einem gemeinsamen Kulturkreis anzugehören. Zudem wird die Weiterentwicklung der Stadt angeregt.

Um Kulturhauptstadt 2025 zu werden, müssen sich deutsche Städte in einem mehrstufigen Verfahren durchsetzen. 2018 will Deutschland die Ausschreibung veröffentlichen. Nach einer zehnmonatigen Bewerbungsfrist schlägt eine europäische Expertenjury eine Stadt vor. Die förmliche Ernennung erfolgt dann durch Deutschland. Hier waren bereits West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) Kulturhauptstädte. Quelle: KNA

Quelle: dpa,MDR/ap

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Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2018, 21:35 Uhr

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7 Kommentare

23.01.2018 15:34 Hawaii4Life 7

Aber sonst finde ich die Bewerbung gut. Ich denke Magdeburg kann sich so noch kulturell und künstlerisch bereichern. Allerdings sollte man dann, auch von Seiten des Landes, mehr Geld in die Kultur fließen lassen wie z.B. in das Theater, in kleinere Theatergruppen, in die Musik, die Clubs und Bars (anstatt nur nörgelnd neue Vorschriften zu machen), in die Museen, in den Sport, Kulturvereine oder auch in die Naherholungsgebiete. So kann man die Parks z.B, besser pflegen weil der Rasen im Sommer immer so verkokelt aussieht und die Parks schöner machen. Hier kann man sich an den Parks der Städte in Spanien ein Beispiel nehmen. Ein in meinen Augen guter Vorschlag wäre auch, seitliche Häuserfassaden, wo Nachbargrundstücke unbebaut sind, klar in Abstimmung mit den Besitzern, mit Kunst zu bemalen, wie es z.B. in Brüssel gemacht wird: http://butterflyfish.de/wishyourselfhere-ein-perfektes-wochenende-in-bruessel/
Das wäre in Magdeburg aufgrund der immer noch vielen Straßenlücken richtig schön.

23.01.2018 15:23 Hawaii4Life 6

Im Magdeburger Stadtplanungsamt+Stadtrat denkt man nur mit der Windschutzscheiben-Weise. Besonders die CDU verhindert den Ausbau von guten und breiteren Fahrradwegen, die letztendlich auch die Unfallgefahr für alle Verkehrsteilnehmer reduzieren würden. Dabei würde mehr Radverkehr die Staus reduzieren, die Luft verbessern und die Straßen lebendiger machen. Hier hat Magdeburg Nachholbedarf, die Innenstadt muss attraktiver und dichter - gerne in Altstadtstil - bebaut werden. Leider gibt man sich mit den bestbilligsten Entwürfen zufrieden. Wenn man sieht, dass alleine im neuen Domviertel 2 Parkhäuser gebaut werden, fragt man sich ob den Planern nichts besseres eingefallen ist (Parkraum kann man auch in eine Tiefgarage verlegen). Es ist schade, dass sich die meisten Leute immer noch wegen fehlender Attraktivität in den Einkaufszentren aufhalten und Feste, die dem entgegenwirken sollen (Stadtfest, Rathausfest, Eisfestival) verkommen immer zu nervigen Fressbuden-und Ballermann-Atmosphären.

23.01.2018 13:43 MD-Radler 5

Wenn man Fußgängerzonen am Hassel zu Autostraßen umwidmen möchte, so wie die CDU das derzeit beantragt, wird das nix mit Zitat: "mehr Kunst und Kultur in der Stadt"

...oder habe ich übersehen, dass als Ausgleichsmaßnahme dafür der Breite Weg zur Fahrradstraße wird? Die meisten Magdeburger wünschen sich mehr Draußenkultur, aber der Radverkehr als eigenständige Verkehrsform wird aber konsequent ignoriert. Die Radwege am Tunnel sind teilweise unter der Mindestbreite der StVO geplant. Dafür ist die Straße vierspurig. Wo soll mit so einer Grundeinstellung die sich auch an vielen anderen Stellen wiederfindet Kultur und Leben stattfinden?

Die Innenstadt muss menschenfreundlicher werden!

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