Neuer Wegweiser durch Behördendschungel Magdeburg will Existenzgründer stärken

Eigentlich haben junge Existenzgründer gute Bedingungen in der Landeshauptstadt Magdeburg. Doch kaum jemand kennt die vielen Beratungsstellen und Fördermöglichkeiten. Das soll sich ändern. Oberbürgermeister Lutz Trümper hat am Freitag den Startschuss für die Initiative "Gründerstadt Magdeburg" gegeben. Sie soll dazu beitragen, junge Leute für den Schritt in die Selbstständigkeit zu begeistern.

Mehrere Menschen stehen lächelnd rund um einen Tisch, in der Mitte eine Box mit der Aufschrift "Otto gründet hier".
Startschuss: Vertreter von Stadt, Land und Hochschulen haben am Freitag gemeinsam mit Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper und Ministerpräsident Reiner Haseloff die Initiative "Gründerstadt Magdeburg" gestartet. Bildrechte: Landeshauptstadt Magdeburg

Sachsen-Anhalt schneidet bei Firmenneugründungen noch immer schlecht ab. In keinem anderen Bundesland gibt es so wenige Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (parteilos) will das ändern. Er hat am Freitag per Knopfdruck die Internetseite "Gründerstadt Magdeburg" freigeschaltet.

Auf der Homepage erhalten junge Leute, die sich selbstständig machen wollen, Tipps: Wie erhalte ich Fördermittel? Wer unterstützt mich bei Businessplänen? Welche Unternehmensnetzwerke gibt es? Die Internetseite soll ein Wegweiser durch den Behördendschungel sein und dafür sorgen, dass die Gründung einer Firma nicht im Frust endet, sondern vor allem Spaß macht.

Die Ideengeberin der Initiative ist die Steuerberaterin Traudel Gemmer, die seit Jahren vor allem Frauen dabei hilft, sich mit kreativen Geschäftsideen selbständig zu machen. "Die Botschaft ist, dass es in Magdeburg beste Voraussetzungen gibt, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen", sagt die engagierte Frau. "Viele junge Leute wissen jedoch nicht, wer ihnen in der Startphase ihres Unternehmens helfen kann. Deshalb haben wir die Initiative 'Gründerstadt Magdeburg' ins Leben gerufen. Wir nehmen die Leute an die Hand und sagen, dort und dort bekommt ihr Unterstützung."

Magdeburg kopiert erfolgreiche Idee

Bei der Einweihung des Portals verweist Oberbürgermeister Trümper gern auf Umfragen. "In den USA wollen laut einer Umfrage 70 Prozent der Einwohner ein Unternehmen gründen, in Deutschland wollen 70 Prozent der Menschen im öffentlichen Dienst arbeiten", sagt er. Die Gäste im Magdeburger Rathaussaal lachen – Mitarbeitern der Ministerien, Kammern, Kreditinstitute, Universitäten und Hochschulen. Doch mit dem Vergleich umreißt er auch das Problem.

In anderen deutschen Städten wird Unternehmensgründern schon seit Jahren der rote Teppich ausgerollt. Es gibt die Start-Up-City Berlin und die Gründerstädte Offenbach und Hamburg. In diesen Städten steigt die Zahl der Neugründungen, seit sich auch die Verwaltung für Jungunternehmer stark macht. Nun zieht Magdeburg nach.

In der Landeshauptstadt gibt es jedes Jahr bis zu 2.000 Existenzgründer, von denen sich aber nur wenige dauerhaft am Markt behaupten können. Was fehlt, scheinen innovative Geschäftsideen zu sein.

Land Sachsen-Anhalt will Gründungen unterstützen

Damit kreative Menschen mehr Lust bekommen, sich in Sachsen-Anhalt niederzulassen, will die schwarz-rot-grüne Landesregierung in diesem Jahr verstärkt auch kleine Unternehmensgründungen fördern. "Die Zeit der großen Ansiedlungen ist vorbei", sagt Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zum Start der Initiative "Gründerstadt Magdeburg". Nach der Deutschen Einheit habe es in den ostdeutschen Bundesländern einen Gründerboom gegeben, sagt er, der inzwischen aber vorbei sei.

Viele kleine Unternehmen hätten jahrelang zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Das habe mit dazu geführt, dass kreative Jungunternehmer Mangelware in Sachsen-Anhalt geworden seien. Der Ministerpräsident versucht, das Problem bildhaft zu umschreiben: "Jetzt müssen wir mit den Eiern, die uns zur Verfügung stehen, ein neues Omelett braten.“ Er merkt sofort, dass sein Sprachbild etwas zu viel Interpretationsspielraum lässt.  Deshalb fügt er hinzu: "Das war natürlich augenzwinkernd gemeint."

Haseloff hebt Vorzüge hervor

In Sachsen-Anhalt lohne sich der Weg in die Selbständigkeit, sagt Haseloff. Die gewerblichen Mieten und auch andere Kosten seien vergleichsweise niedrig. "Außerdem haben wir komfortable Fördermöglichkeiten", so Haseloff, "Die Voraussetzungen für Unternehmensgründer sind in Sachsen-Anhalt besser als in jedem anderen Teil Deutschlands."

Sein Optimismus ist Balsam für die Seele von Rainer Nitsche. Er leitet das Wirtschaftsdezernat der Stadt Magdeburg und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Initiative "Gründerstadt Magdeburg" zum Erfolg zu führen. "Wenn es uns gelingt, junge Leute zu motivieren, mit einem eigenen Unternehmen in Magdeburg an den Start zu gehen, dann haben wir so richtig was gekonnt."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17.03.2017 | 17:00 Uhr

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5 Kommentare

19.03.2017 14:51 Chris Mörtel 5

Fake News oder "Alternative Wahrheit"?
Lieber Herr Schultz,
sind Sie nur der Pressemitteilung gefolgt oder haben Sie ernsthaft recherchiert? Das ganze grenzt nahezu an Realsatiere denn jeder der die Szene kennt oder ihr folgt weiss nicht ob er lachen oder weinen soll.
Wenn die Stadt fast 20 Jahre braucht um eine Webseite für Start-Ups zu starten, na dann gute Nacht. Wenn Frau Gemmer sich als Initiatorin darstellt, ist das ebenfalls falsch. Es gab einen nicht-öffentlichen Stadtratsbeschluss über 38.000 € für "ihr Projekt". Natürlich ohne Ausschreibung oder Konsulation anderer Akteure. Wo ist der ego.-Pilot der Landeshauptstadt? Findet sich kein qualifizierter Kandidat oder was ist denn Grund einen fast 70 jährigen Ex-Berater um den Ruhestand zu bringen?
Lieber MDR, lieber Herr Schultz - für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

18.03.2017 19:12 ascanier 4

Zit. : "Wenn es uns gelingt, junge Leute zu motivieren, mit einem eigenen Unternehmen in Magdeburg an den Start zu gehen, dann haben wir so richtig was gekonnt."

Recht so! Was scheren euch die belämmerten Alten, die ihr schon über 20 Jahre vergessen habt.

18.03.2017 08:03 Generation Selbständig e.V. 3

Schon dreist, sich als Initiatorin preisen zu lassen, wenn es eigentlich alle namhaften Partner der Gründungsförderung selbst waren, die seit 5 Jahren eng und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Man gibt dem Kind einen anderen Namen, zaubert einen Stadtratsbeschluss und heftet sich eine Plakette an. Hier ging es nicht um Förderung der Gründerkultur, sondern um eine Profilierungsneurose.

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