Nach Unwetter Abwasser in der Elbe sorgt für Ärger

Dreckwasser, Feuchttücher und Tampons – all das landete am Wochenende in der Elbe. Der Ärger in Magdeburg ist riesig. Die Städtischen Werke sehen bei sich aber nur einen Teil der Verantwortung. Auch die Bürger seien gefragt.

Nachdem Abwasser ungefiltert und mit reichlich Müll in die Elbe abgelassen wurde, ist die Aufregung in Magdeburg groß. Ein entsprechendes Facebook-Video wurde inzwischen mehr als 13.000 Mal geteilt. Auf dem Video ist zu sehen, wie Abwasser, samt Tampons, Tüchern und anderem Müll in die Elbe strömt. Die Städtischen Werke (SWM) bestätigten den Vorfall.

Wie Andreas Lehnert, Bereichsleiter für Abwasserentsorgung bei den SWM, MDR SACHSEN-ANHALT sagte, ist die Einleitung von verdünntem Mischwasser in die Elbe nichts ungewöhnliches. Das passiere über das Jahr gesehen häufiger – immer dann, wenn Starkregen dafür sorgt, dass Kanäle zu voll sind.

In einer Erklärung des Unternehmens heißt es, der Starkregen am Sonnabendabend sei Grund für eine zeitweise Überlastung der Abwasserkanäle gewesen. Ungeklärtes Mischwasser sei deshalb durch mehrere Abläufe in die Elbe abgeleitet worden. "Das ist durch die Aufsichtsbehörden grundsätzlich genehmigt", so die Städtischen Werke Magdeburg auf Facebook.

Im Zentrum von Magdeburg habe man ein Mischsystem, sagte Lehnert weiter. Dabei flössen Schmutzwasser aus den Toiletten zusammen mit Regenwassern von Dächern und Straßen ab. Wenn es wie voriges Wochenende stark regne, könne nicht alles zum Klärwerk geleitet werden, sondern laufe mit behördlicher Genehmigung in den Fluss. Das zu genehmigen, sei Aufgabe der Unteren Wasserbehörde. "Alles, was man weiterleiten konnte, haben wir weitergeleitet", sagte Lehnert weiter. Wenn es stark regne, könnten im Klärwerk 7.500 Kubikmeter die Stunde aufgenommen werden.

Feuchttücher gehören nicht ins Klo

Dafür, dass dabei auch jede Menge Müll im Fluss landete, sei das Unternehmen jedoch nicht verantwortlich, hieß es weiter. Denn statt in die Toilette gehörten Feuchttücher, Damenbinden, Tampons, Kondome, Wattestäbchen und Windeln in den Abfalleimer, so die SWM. "Das sind alles Sachen, die auch uns nicht gefallen", sagte Andreas Lehnert. Die Städtischen Werke bestätigten auch, dass nach dem Vorfall eine Anzeige gegen die Abwassergesellschaft erstattet wurde.

Die falsche Entsorgung von Feuchttüchern sorgt nicht nur in Magdeburg immer wieder für Probleme. Die Tücher sind reißfest und zersetzen sich in der Kanalisation oft nicht so, wie es auf der Verpackung steht. Die Folge: Pumpen verstopfen und müssen von den Mitarbeiter der Klärwerke zum Teil händisch gereinigt werden.

Schon 2017 Anzeige erstattet

Porträtaufnahme eines Mannes, der an der Elbe steht.
Thomas Tilsch hat das Video gedreht, das nun bei Facebook die Runde macht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Derjenige, das Facebook-Video gedreht hat, heißt Thomas Tilsch. Er war voriges Wochenende zu Fuß an der Elbe unterwegs, als er – nach eigenen Worten schon aus der Ferne – das Rauschen des Abwassers hörte. "Eine Katastrophe", findet Tilsch, der im Jahr 2017 zum ersten Mal beobachtet hatte, wie Abwasser in die Elbe geleitet wurde. Damals habe er Anzeige gegen Unbekannt erstattet, sagte Tilsch am Montag MDR SACHSEN-ANHALT. "Ich war nicht davon ausgegangen, dass das legal ist."

Die Anzeige von damals wurde nach seinen Worten eingestellt. Für Tilsch ist trotzdem nicht nachvollziehbar, dass der ganze Vorgang rechts ist – damals wie heute.

Quelle: MDR/olei,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Juli 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 08:07 Uhr

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18 Kommentare

18.07.2019 08:37 böse-zunge 18

#17) schön das Sie sich hier nicht sonderlich gut auskennen
Nundenn, diverse neu errichtete Bauten im Innenstadtbereich (Lückenschluss/Vorkriegsbebauung) werden im Trennsystem gebaut, ebenso Eigenheimparzellierungen im Bereich der Neubaugebiete im Stadtrandbereich (jene bereits zu DDR-Zeiten erschlossen wurden) ... aber dort, man ahnt es, kommt irgendwann die alte Strecke.
Und, der Altstadtbereich ist NICHT der tiefste Punkt im Stadtgebiet. Und BEVOR in ehem. Industriearealen geloftet oder umgewidmet wird - sollte mit WEITBLICK für diese und nächste Generationen VORgebaut werden - das ist was ich meine. Achja, andernorts - wo solche Kathedralen des Untergrunds errichtet wurden, geschah das mitunter mit Tunnelbautechnolgien.
Jaaa - sehr teuer. Aber, es geht um WASSER - einen uns langsam seltener auf's Haupt rieselnden Stoff.
Dürre - kostet nochmal wieviel?

17.07.2019 10:56 Kanalplaner 17

@böse Zunge:

Im städtischen Bereich ist schlicht kein Platz für ein Kanaltrennsystem und ein Umbau wäre viel zu teuer, da unsere Vorfahren nur Mischwassersysteme gebaut haben. In Ortsteilen und bei neuen Straßen wird nahezu 100% im Trennsystem gebaut, auch auf Grund gesetzlicher Vorgaben. In Erfurt - flächenmäßig vermutlich etwas kleiner als Magdeburg gibt's ca. 1000 km Kanalnetz, davon ca. 2/3 im Mischsystem aus DDR-Zeit und teilweise älter. Das kann man nicht einfach so abändern. Ein im Trennsystem errichteter Regenwasserkanal geht niemals in ein Mischwasserkanal über, daher gibt's auch keine "Hochzeit". Einige Städte bauen fleißig Regenrückhaltebecken, weil sie den Platz dafür haben. Ich kenne mich in Magdeburg nicht sonderlich gut aus, aber ich kann mir vorstellen, dass im Altstadtbereich kaum unterirdisch Platz für so ein Becken ist.

17.07.2019 10:27 MD-Kind 16

Alle die hier meckern sollten sich mal fragen, warum dort Dinge aus dem Abwasserrohr kommen, die einfach nicht ins Klo gehören.

Auf die Reinigungskraft zu schimpfen scheint beliebter zu sein, als sich die Schuhe abzutreten.

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