Kritik und Forderungen ADFC: Ordnungsamt Magdeburg ist in vielerlei Hinsicht zu bequem

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Mehr Kontrollen, höhere Strafen und eine bessere Aufklärung – das fordert der "Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club" in Magdeburg vom Ordnungsamt. Auch eine eingerichtete E-Bike-Staffel hat aus Sicht des ADFC enttäuscht.

Falschparker blockieren Radfahrweg.
Ein Autofahrer blockiert einen Fahrradstreifen. Ein Vergehen für das der ADFC höhere Strafen fordert. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Andreas Gora

Das Ordnungsamt in Magdeburg hat im Jahr 2019 insgesamt 88.830 Strafzettel verteilt – 5.000 mehr als im letzten Jahr. Für Norman Dreimann, Vorsitzender des "Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club" (ADFC) in Magdeburg, gehört zu dieser Zahl aber noch etwas mehr. Er kritisiert, dass vorwiegend dort gearbeitet werde, wo keine generelle Gefährdung bestehe.
So gab es im Jahr 2019 insgesamt 26.724 Strafzettel, allein deshalb, weil ohne Parkschein bis zu einer Dauer von 30 Minuten geparkt wurde. Das sind etwa 30 Prozent aller Strafzettel. "Vielleicht ist das eine gute, einfache Methode, von Auto zu Auto zu gehen und zu schauen, ob dort ein Parkzettel drin liegt", meint Dreimann. Die Bequemlichkeit des Ordnungsamts müsse sich für ihn aber ändern, da es Fälle gebe, wo es für Verkehrsteilnehmer gefährlich werden könnte.

Zu bequemes Protokollieren?

Der ADFC befürchtet, dass Mitarbeiter vor Ort nicht immer darauf achten, ob es sich um einen Fuß- oder Fahrradweg handele, wenn sie die Falschparker protokollierten. Eine böse Absicht wolle Dreimann der Stadt und seinen Mitarbeitern dabei aber nicht unterstellen. Eher vermute er Bequemlichkeit, möglichen Ausbildungsmangel oder schlecht zu erkennende Trennung von Fahrradwegen, sodass der Kontrolleur sie übersehe.

Aus den vorliegenden Daten, die einem Bürger über die Internetplattform fragdenstaat.de vom Ordnungsamt Magdeburg beantwortet wurden, geht hervor, dass es im Jahr 2019 über 9.000 Strafzettel für das Parken auf einem Fußweg gab, aber gerade einmal 156 Verstöße, die in Verbindung mit Fahrradwegen standen.

Ein Mann steht in einem Hemd vor einer Hauswand mit einem Schild mit der Aufschrift ADFC.
Bildrechte: Kevin Poweska

Die Realität ist eine andere als diese 156 Verstöße. Der Kontrolldruck muss erhöht werden.

Norman Dreimann, ADFC Magdeburg

Die E-Bike-Staffel – eine bisher vertane Chance

Eine Mitarbeiterin vom Ordnungsamt steckt ein Knöllchen an eine Windschutzscheibe.
Das Ordnungsamt ist in Magdeburg nicht nur zu Fuß unterwegs. Auch E-Bikes unterstützen die Ordnungshüter.(Symbolbild) Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

In Sachen E-Bike-Staffel kommt zuerst etwas Lob vom ADFC fürs Ordnungsamt. Es sei gut gewesen, sie ins Leben zu rufen. Damit habe das Ordnungsamt die Möglichkeit, mobiler durch die Stadt zu kommen und gleichzeitig die Perspektive der Fahrradfahrer einzunehmen.
Für Norman Dreimann ist allerdings nur die Idee an sich gut, denn mit der Umsetzung ist der Vorsitzende des ADFC Magdeburg nicht zufrieden. "Ich würde mir wünschen, die Fahrradstaffel auch mal wirklich aktiv in Aktion zu sehen", erklärt er. Nach Berechnungen des ADFC sei die E-Bike-Staffel bei, von der Stadt angegebenen zwei bis drei Kontrolltagen in der Woche, gerade mal vier bis sechs Kilometer täglich unterwegs.

600 Kilometer in zwölf Monaten – das ist ein Witz. Als die Daten gekommen sind, wie viele Kilometer die Fahrradstaffel in einem Jahr zurückgelegt hat, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Norman Dreimann ist enttäuscht über die aktuellen Ergebnisse der E-Bike-Staffel

Dreimann: Falschparker auf Geh- oder Radwegen betreffen alle

Ein zugeparkter Fuß- oder Radweg betrifft für Dreimann auch immer die beiden Verkehrsteilnehmer: "Die Leute weichen dann natürlich aus. So entstehen Konflikte und gleichzeitig Gefahren für Fußgänger und Fahrradfahrer", meint der Vorsitzende des ADFC Magdeburg. Auch würden parkende Fahrzeuge auf dem Geh- oder Fahrradweg die Infrastruktur schädigen. "Am Ende zahlt das dann wieder der Steuerzahler, wenn Geh oder Radwege erneuert werden müssen – das betrifft also uns alle", erklärt Dreimann.

Punkte für bestimmte Arten von Falschparken – "der richtige Weg"

Ein Dienstleister steckt einen Strafzettel an eine Windschutzscheibe.
Aus Sicht von Dreimann braucht es manchmal mehr als einen Strafzettel. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als einen Grund für das häufige Falschparken sehe Dreimann vorrangig die Kostenfrage. Er erklärt: "Wenn die Menschen die Wahl haben, für 60 Euro im Parkhaus zu parken oder sich auf die Straße stellen können, wo sie maximal einmal im Monat erwischt werden und dann 25 Euro zahlen müssen – da fällt die Entscheidung nicht weiter schwer." Dies sei aber nur so, weil der Kontrolldruck seitens der Stadt nicht groß genug sei.

In dem neuen Bußgeldkatalog sei das Bußgeld für das Parken auf Fahrradwegen bereits teilweise höher gewesen. Auch hätte es für bestimmte Vergehen Punkte gegeben. Der neue Katalog musste jedoch aufgrund eines Formfehlers wieder zurückgenommen werden. "Schade", findet Norman Dreimann. Für ihn sei es definitiv der richtige Weg, dass Autofahrer auch für Vergehen auf Fahrradwegen Punkte bekommen würden. "50 Euro tun dem ein oder anderen bestimmt mehr weh als 15 bis 25 – und wenn dann noch ein Punkt droht, bringt das einige Menschen zum Nachdenken", meint Dreimann

Negativbeispiel Stadtpark

Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes steigt in ein Dienstfahrzeug ein.
Das Ordnungsamt beim Einsatz im Magdeburger Stadtpark (Symbolbild). Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Aktuell gebe es zu wenig Druck vom Ordnungsamt und das nicht nur beim Parken auf Fahrradwegen. Als Beispiel dafür nennt Dreimann die Parksituation am Stadtpark, wo Grünflächen zum Teil Parkflächen seien. "Das ist der Stadt seit Jahren bekannt", meint Dreimann. Er schlägt vor, dass man dort beispielhaft agieren könnte und über eine längere Zeit regelmäßig Autos abschleppen, die verkehrswidrig parken.

So etwas würde sich schnell rumsprechen, meint der Vorsitzende des ADFC Magdeburg, es müsse nur einfach kontrolliert und gezielt gemacht werden.

Forderungen an die Stadt

Altes Rathaus am Alten Markt in Magdeburg
Der ADFC formuliert klare Forderungen gegenüber der Stadt Magdeburg. (Symbolbild) Bildrechte: imago/mm images/Kajo

Dreimann wünscht sich von der Stadt eine offenere Kommunikation. Er fordert mehr Kontrollen, höhere Strafen und auch eine Aufklärung darüber, was da das eigentliche Problem ist, wenn man sich mit dem Auto auf einen Radweg stellt. "Welches Problem sie verursachen, ist den meisten gar nicht klar. Es fehlt das Verständnis dafür, was ihr Vergehen für andere Verkehrsteilnehmer wie Kinder, ältere Menschen aber auch eben Radfahrer heißt."

Ein möglicher Weg wäre für Dreimann, die Verstöße greifbar zu machen. Der ADFC Magdeburg hat dafür den Twitter-Kanal "ottoparkt" ins Leben gerufen. Dort soll aufgezeigt werden, dass nicht der Einzelne Probleme mit Falschparkern hätte, sondern dieses Problem das ganze Stadtgebiet betreffen. Für Dreimann wären auch Plakataktionen oder Kampagnen in den Sozialen Medien eine gelungene Möglichkeit, um auf das Problem mit den Falschparkern in Magdeburg aufmerksam zu machen.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. August 2020 | 17:30 Uhr

8 Kommentare

C.T. vor 15 Wochen

Über solche Ansichten kann ich als "Dorfler" nurnoch schmunzeln. Warum nicht gleich eine Mauer um die Städte? ... Deckel drauf, Tore abgeschlossen, Schlüssel weg und wir haben Ruhe vor den Rot-Grünen Fanatikern...

Altmagdeburger vor 15 Wochen

In Höhe Kannenstieg gibt es ein Fußweg und parallel zur Autofahrbahn ein Radweg, beide Seiten und nun raten sie mal wo die Radfahrer fahren und das schon seit vielen Jahren. Also es gibt nicht nur Autosünder auch Radfahrer.

td63 vor 15 Wochen

Redakteur: Bußgeldkatalog ist Bundesrecht. Macht nicht das OA LHMD.

Allgemein: Wünsche mir mehr Kritik an verkehrswidrig fahrenden Radlern. Das gibt es ebenfalls.

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