Abstandsregeln und Corona-Schnelltests Wie ein Pflegeheim in Magdeburg trotz Corona Weihnachten feiern will

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Im Frühjahr-Lockdown waren Pflegeheime durch das Besuchsverbot in einer angespannten Situation. Aktuell ist es etwas ruhiger in den Pflegeeinrichtungen, denn: Sie sind vorbereitet. Ein Pflegeheim in Magdeburg will sogar trotz Corona Weihnachtsfeiern möglich machen.

Eine leere Sessel. Im Hintergrund sitzen ältere Leute im Rollstuhl und scheinen sich zu unterhalten.
Ein Bild aus der Zeit vor Corona auf einem Flur im Hilde Ollenhauer Haus in Magdeburg Bildrechte: AWO Sachsen-Anhalt

Ältere Menschen allein auf ihrem Zimmer im Pflegeheim – im Frühjahr, als Sachsen-Anhalt Corona-bedingt das erste Mal heruntergefahren wurde, war das eines der Bilder, die sich eingebrannt haben. Die Situation damals, das Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen, die drohende Vereinsamung von Bewohnerinnen und Bewohnern – all das sollte es jetzt im zweiten Teil-Shutdown nicht mehr geben, betonten Politikerinnen und Politiker.

Aus gutem Grund: "Die Zeit im Frühjahr war schwierig für die Bewohner", erzählt Cornelia Mebes-Koch. Sie ist Wohnbereichsleiterin des Pflegeheims Hilde Ollenhauer Haus in Magdeburg. Dort, so erzählt sie am Telefon, laufe in diesen Tagen vieles recht normal. Sie seien glücklich, die Bewohnerinnen und Bewohner weitgehend normal pflegen zu können. "Besonders ist eigentlich nur, dass wir jetzt immer den Mundschutz tragen müssen", erzählt Cornelia Mebes-Koch. Der Arbeitsalltag sei aber derselbe, die Abläufe auch.

Eine Pflegerin aus dem Hilde Ollenhauer Haus in Magdeburg lächelt in die Kamera
Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus

Wir als Pflegepersonal können sehr gut mit der Situation umgehen.

Pflegeheim-Wohnbereichsleiterin Cornelia Mebes-Koch

Weihnachtsfeier trotz Corona geplant

Das Personal sei gut vorbereitet und habe anders als im Frühjahr ausreichend Schutzausrüstung, sagt Heimleiterin Antje Koeppe. Dieses Wissen solle sich auch auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims übertragen. Koeppe sagt: Veranstaltungen solle es im Hilde Ollenhauer Haus auch weiterhin geben. Trotz Corona. Sie weiß, welchen Stellenwert Weihnachtsfeier und Co. für die Menschen im Heim haben.

Derzeitige Besuchsregeln im Hilde Ollenhauer Haus

  • Die Tür ist zu, es muss geklingelt werden.
  • Die Besucher werden durch die Besuchslotsen am Eingang in Empfang genommen.
  • Ein Mundschutz wird ausgegeben.
  • Eine Selbstauskunft muss ausgefüllt werden.
  • Die Temperatur wird gemessen.
  • Ein Besucher pro Tag und Bewohner ist möglich.

Geselligkeit, aber mit Abstand

Heimleiterin Koeppe und ihr Team haben sich deshalb etwas ausgedacht: Das gemeinsame Kaffeetrinken oder die Feier im Advent sollen "wohnbereichsbezogen" möglich gemacht werden. Das bedeutet: Im großen Speisesaal des Pflegeheims dürfen alle Bewohnerinnen und Bewohner sitzen – allerdings in Grüppchen aufgeteilt, je nach Wohnbereich. "Eben unter Einhaltung der Abstandsregeln", sagt Koeppe. So sitze man zwar weiter auseinander – auf die Geselligkeit müsse aber niemand verzichten.

Eine Frau mit blonden Haaren und Brille sitzt an einem Schreibtisch und guckt in die Kamera.
Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus

Wir versuchen alles, um die Besucher nicht auch emotional in einen Lockdown fallen zu lassen.

Heimleiterin Antje Koeppe

Verwandte per Videoanruf "treffen"

Noch etwas soll den Menschen im Heim helfen: die Möglichkeit, die Verwandten regelmäßig per Videoanruf zu sehen. Als die Pandemie aufkam, haben sie im Hilde Ollenhauer Haus Smartphones angeschafft. Jeder sollte mit seinen Angehörigen in Kontakt bleiben können. Das geschieht im Beisein des Pflegepersonals, weil nicht jeder Bewohner mit der Technik zurechtkommt. Man kann den Worten von Heimleiterin Antje Koeppe entnehmen, dass Corona in den Alten- und Pflegeheimen seinen Teil zur Digitalisierung beigetragen hat.

Es ist ja doch was Neues, wenn man auf einmal einen Angehörigen auf dem Smartphone sieht. Manche können auch nicht richtig gucken – das macht das schwieriger.

Wohnbereichsleiterin Cornelia Mebes-Koch

So blicken Pflegeheim-Bewohner auf die Corona-Pandemie

Eine älltere Frau mit Brilleinem Rollstuhl vor einem Tisch in einem möbilierten Zimmer und schaut in die Kamera.
Heimbewohnerin Waldtraut Fischer: "Ich habe keine Angst vor Corona. Mir geht es gut und ich bekomme täglich von meinem Sohn Besuch und bin dadurch auch nicht alleine." Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus
Eine älltere Frau mit Brilleinem Rollstuhl vor einem Tisch in einem möbilierten Zimmer und schaut in die Kamera.
Heimbewohnerin Waldtraut Fischer: "Ich habe keine Angst vor Corona. Mir geht es gut und ich bekomme täglich von meinem Sohn Besuch und bin dadurch auch nicht alleine." Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus
Ein älterer Mann mit Brille sitzt in einem Stuhl und  schaut in die Kamera.
Heimbewohner Günther Wagus: "Ich bin ja mit meiner Frau hier und uns geht es zurzeit gut. Wir halten Abstand und passen auf, dass wir uns nicht anstecken. Es gibt ja hier genug Publikumsverkehr und wir wollen uns da nicht anstecken." Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus
Eine ältere Frau sitzt mit Brille sitzt in einem Stuhl an einem Tisch
Gertrude Jendreschak, Tagesgast im Hilde Ollenhauer Haus: "Mir geht es gut. Ich habe gar keine Angst davor, dass ich Corona kriegen könnte." Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus
Eine ältere Frau mit Brille sitzt in einem Stuhl und schaut lächelnd in die Kamera.
Heimbewohnerin Anni Schmidt: "Ich habe leider nur noch eine Angehörige, die mich nicht mehr oft besuchen kann. Aber mir geht es gut hier im Heim – Angst habe ich nur vor Corona." Bildrechte: AWO / Hilde Ollenhauer Haus
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Schnelltests geplant – kann aber noch dauern

Der Schutz und die Sicherheit von Bewohnern und Personal stehen im Hilde Ollenhauer Haus im Vordergrund. Deshalb sollen auch dort zeitnah Corona-Schnelltests zum Einsatz kommen – wie zuletzt schon in Halle.

Noch seien die Tests nicht da, sagt Heimleiterin Koeppe. Lange dauern dürfte das aber nicht mehr – die Gesundheitsministerin hat am Dienstag bekräftigt, die Schnelltests Alten- und Pflegeheimen zur Verfügung zu stellen. "Sowie diese Schnelltests da sind, werden wir unser Testkonzept hier umsetzen und Mitarbeitende, Bewohner und Besucher testen", sagt Koeppe. Doch auch mit den Corona-Schnelltests sei die Infektionsgefahr nicht völlig gebannt: Denn es werde nicht jeder, sondern nur stichprobenartig getestet.

Ein leerer Flur in einer Pflegeeinrichtung. Einige Dekoobjekte stehen an der Seite des Gangs.
Das Hilde Ollenhauer Haus in Magdeburg: Für Bewohner, Personal und Besucher soll es bald Corona-Schnelltests geben. Bildrechte: AWO Sachsen-Anhalt

Bisher hatten sie im Hilde Ollenhauer Haus noch keine nachgewiesene Infektion mit dem Coronavirus. Falls es dazu kommen sollte, wäre es mit der neuen Normalität erstmal vorbei. Dann würden Infizierte vollisoliert auf ihren Zimmern untergebracht. Eine Situation, die an den Shutdown im Frühjahr erinnern würde. Antje Koeppe und ihr Team wollen das in jedem Fall verhindern – zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball – aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. November 2020 | 14:40 Uhr

1 Kommentar

Critica vor 4 Tagen

Richtig! Feiert nur Weihnachten. Es könnte ja das letzte Weihnachtsfest sein.
Ironie Anfang: Und wer sich zu Weihnachten nicht drückt und knuddelt, wird sich vielleicht den Rest des Lebens im Sarg ärgern, dass er/sie es nicht getan hat. Ironie Ende.
Es muss aber auch mal gut sein mit den Eingriffen ins Persönliche!!!!
Hätte aber noch einen Vorschlag an die Politik, die vielleicht noch nicht darauf gekommen ist:
Ironie Anfang: Es könnten zeitgleiche "kollektive Toilettengänge" angeordnet werden und anschließend wird gleich alles abgepumpt (natürlich in voller Coronamontur), um so dem Virus entgegenzutreten. Ironie Ende.
Ich fasse es nicht, wie gnädig allmählich die Ministerpräsidenten werden, und den Menschen das Weihnachtsfest "erlauben"...

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