Bauärger in Sudenburg Unendliche Straßensanierung nervt Magdeburger

Über die Sanierung der Rottersdorfer Straße im Magdeburger Stadtteil Sudenburg freuen sich viele Anwohner und Händler. Doch die Art und Weise, wie die Bauarbeiten geplant wurden und wie die Straße womöglich einmal aussehen soll, verärgert sie. Einige Händler machen bereits bis zu 50 Prozent weniger Umsatz.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Rottersdorfer Straße im Magdeburger Stadtteil Sudenburg
Die Stadt will die Rottersdorfer Straße in Sudenburg sanieren und sie so wieder attraktiver zu machen. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Eine Straße, zwei Fußwege und vier Bauabschnitte, die sich über mehrere Jahre hinziehen – das passt für viele Anwohner und Geschäftstreibende der Rottersdorfer Straße in Sudenburg nicht zusammen. "Erst machen sie die Straße auf und legen eine Stromleitung in die Mitte. Dann machen sie den einen Fußweg neu, nächstes Jahr dann die andere Seite und dann nochmal ein Jahr später die Straße selbst – statt mit einem Mal alles zu erledigen", beschreibt Sebastian Becker vom eSmokershop verärgert die Situation.

Im Moment ist die Straße normal befahrbar, doch seine Kunden hätten bei den bisherigen Sperrungen und Einschränkungen während der Bauarbeiten viel geklagt. "Meine Kunden kamen hier regelmäßig rein mit den Worten: ‚Es ist ja eine Katastrophe bei euch einen Parkplatz zu finden, eine Katastrophe zu euch in den Laden zu kommen.‘ Das verschreckt natürlich einige. Es ist natürlich positiv, dass was passiert, dass sich die Stadt weiterentwickelt, aber andererseits wird so auch viel Zeit und Geld verschwendet."

Viele Kunden bleiben wegen Baustelle weg

Ein paar Häuser weiter hat Frank Hilberg seinen Jeans-Laden "Blue Planet". Er spricht von bis zu 50 Prozent Umsatzeinbußen, die er während der ersten Sperrung der Straße zu verzeichnen gehabt habe. "Wir haben nichts verdient in dem halben Jahr, sondern eher draufgezahlt. Und das haben wir ja wahrscheinlich nächstes und übernächstes Jahr wieder." Vor allem Läden wie seines seien auf die Laufkundschaft angewiesen – die aber wegbleibe, wenn die Läden über Baustellen zu schwer zu erreichen sind.

Zwei Männer, die in der Rottersdorfer Straße ein Geschäft haben.
Martin Michalek (l.) vom "Bad und Küchenstudio Michalek" und Schuhmachermeister Lothar Bölte (r.) haben Geschäfte in der Rottersdorfer Straße. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Martin Michalek vom "Küchen- und Badstudio Michalek" hat Kunden, die mit längerfristiger Planung zu ihm kommen. Doch viele Geschäftsleute klagen über Umsatzausfall im Schnitt zwischen 15 und 25 Prozent. "Grundsätzlich wird die Sanierung begrüßt von Anwohnern und Gewerbetreibenden", fasst er seine Beobachtungen zusammen, "Was stört ist die Informationspolitik der Stadt und wie die Abläufe organisiert sind. Dass erstmal gebuddelt wird und dann im Nachgang Zettel verteilt werden, das geht eigentlich gar nicht." Erst von den Bauarbeitern habe man erfahren, dass die Straße überhaupt saniert werden soll. "Mit mehr Vorlauf hätte man die Kunden informieren und die Umstände auch beim Wareneinkauf beachten können", meint Michalek.

Bagger sind vor der Information da

"Dass die Bagger vor der Information da sind, soll so natürlich nicht sein", antwortet Dieter Scheidemann, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, auf diese Aussage angesprochen. "Eigentlich versuchen wir, Umleitungen und Baumaßnahmen früh zu kommunizieren." Die Verlegung der Stromkabel sei relativ kurzfristig erfolgt. Hintergrund ist das Trafo-Haus auf dem Eiskellerplatz an der Ecke zur Halberstädter Straße, das schon seit längerem weichen soll. Dafür soll ein Umspannweg in der Fichtestraße in Betrieb gehen. "Die Stadtwerke hatten in einem engen Zeitfenster Ende letzten Jahres die Möglichkeit, die Leitungen zur Verbindung der Umspannwerke Fichtestraße und Buckau umzuschließen – wobei die Versorgungssicherheit für die Bürger gewährleistet sein musste", so Scheidemann. Die Sanierung der Straße baue dann darauf auf – nachdem die Stromversorgung nun steht.

Noch kein beschlossenes Konzept vorhanden

Rottersdorfer Straße im Magdeburger Stadtteil Sudenburg
Geschäftsleute wünschen sich mehr Park-Möglichkeiten. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Für diese Sanierung gibt es – entgegengesetzt der Gerüchte – noch keinen festen Plan. Am Donnerstagabend hat zunächst der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr beschlossen, dass das Planungsverfahren angestoßen werden soll. Am 29. August muss der Finanzausschuss dies ebenso beschließen, bevor am 20. September der Stadtrat darüber abstimmen kann. "Erst danach werden konkrete Pläne entworfen, wo welche Parkplätze sein sollen, die Gestaltung der Fahrbahn und eventueller Grünanlagen, mögliche Radwege und so weiter", betont Scheidemann. Anlieger und Geschäftstreibende seien eingeladen, ihre Hinweise einzubringen und bei Bürgerversammlungen Stellung zu nehmen.

Straße ist ein Nadelöhr

Besonders die Erhaltung der Parkplätze und der Fahrbahnbreite ist vielen wichtig. "Wir haben ja jetzt schon im Grund zu wenige Parkplätze, weil die Leute, die auf der Halberstädter Straße einkaufen wollen, auch bei uns parken. Außerdem werden weitere Gebäude saniert und bald mehr Wohnraum bieten – dann wird es hier noch enger", prognostiziert Martin Michalek vom Küchen- und Badstudio. "Als Zubringer für die dahinter liegenden Stadtgebiete ist die Rottersdorfer Straße wie ein Nadelöhr zur Halberstädter Straße und zur Tangente. Diese Straße noch weiter zu verengen, wäre fast nicht mehr begreifbar von allen, die hier jeden Tag mit zu tun haben." Ob sich diese Befürchtungen bewahrheiten oder der Einkauf in der sanierten Straße einfach nur angenehmer wird, ist offen.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Christine Warnecke ist gebürtige Niedersächsin und arbeitet seit September 2017 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Radio- und Online-Redaktion, insbesondere das Studio Magdeburg. Davor hat sie in Praktika bei der Bild-Zeitung Hannover, bei Radio mephisto 97.6 und der Zeitung "Costa del Sol"-Nachrichten in Spanien Erfahrung gesammelt. Sie studierte Journalistik an der Universität Leipzig und volontierte bei der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Nach diesem Abstecher in den Teutoburger Wald fühlt sie sich nun fast überall nahe der elbischen Fluten wohl.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. August 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 15:26 Uhr

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1 Kommentar

10.08.2018 16:24 jackblack 1

Ich bedauere die meisten Autofahrer, mit dem Fahrrad ist man schneller, vielleicht mal eine Anregung, ob das Auto WIRKLICH immer benötigt wird. Aber die Anzahl der Baustellen und die Dauer der Arbeiten NERVT.