Mit einem Transparent mit der Aufschrift 'Menschenrechte statt Rechte Menschen' protestieren Teilnehmer einer Demonstration für ein weltoffenes Magdeburg.
Teilnehmer eine Demonstration protestieren gegen eine rechten "Trauermarsch". Bildrechte: dpa

Aktionswoche "Eine Stadt für alle" Bündnis in Magdeburg gegen rechte Demo

Konzerte, Proteste und Aktionen: Die Initiative "Weltoffenes Magdeburg" hat am Sonnabend ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. Tausende Menschen sind zu den Veranstaltungen in die Innenstadt gekommen. Mit dem Aufruf für Frieden und Toleranz soll der Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg gedacht werden. Die Aktionswoche steht in der Nachfolge der "Meile der Demokratie".

Mit einem Transparent mit der Aufschrift 'Menschenrechte statt Rechte Menschen' protestieren Teilnehmer einer Demonstration für ein weltoffenes Magdeburg.
Teilnehmer eine Demonstration protestieren gegen eine rechten "Trauermarsch". Bildrechte: dpa

Ein Bündnis aus mehr als 50 Vereinen und Initiativen hat am Sonnabend ein Zeichen für ein weltoffenes Magdeburg gesetzt. Neben Konzerten, Infoständen und Veranstaltungen gab es unter anderem Demonstrationen mit laut Polizei rund 330 Teilnehmern, um gegen einen rechten "Trauermarsch" zu protestieren. Die Kundgebung unter dem Thema "Weltoffenheit braucht Erinnerung. Für eine aktive und kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit" war Teil der Aktionswoche.

Vor dem Hauptbahnhof warnte eine Kunstaktion mit dem Titel "Die Wölfe sind zurück" vor Hass und Gewalt. Das Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" zeigt Projekte der Schüler in der Innenstadt.

Aktionstag für ein weltoffenes Magdeburg

'Eine Stadt für Alle' steht auf dem Transparent auf einer Bühne bei einer Veranstaltung der Initiative 'Weltoffenes Magdeburg'.
Hunderte Menschen haben in Magdeburg an Aktionen und Veranstaltungen für Weltoffenheit und Toleranz teilgenommen. Bildrechte: dpa
'Eine Stadt für Alle' steht auf dem Transparent auf einer Bühne bei einer Veranstaltung der Initiative 'Weltoffenes Magdeburg'.
Hunderte Menschen haben in Magdeburg an Aktionen und Veranstaltungen für Weltoffenheit und Toleranz teilgenommen. Bildrechte: dpa
Mitglieder der japanischen Trommelgruppe "Akaishi Daiko" spielen vor einer Bühne.
Ein Bündnis von mehr als 50 Vereinen organisierte das Programm am Sonnabend – hier spielt die japanischen Trommelgruppe "Akaishi Daiko". Bildrechte: dpa
Veranstaltungen bei der Aktionswoche "Eine Stadt für alle" in Magdeburg.
Zum Programm des Bündnisses gehörten neben einer Kundgebung unter anderem mehrere Infostände und ein Stadtrundgang zum Thema "Magdeburg im Nationalsozialismus". Bildrechte: MDR/Sören Thümler
Prinzensänger Sebastian Krumbiegel auf der Bühne während einer Veranstaltung im Rahmen der Aktionswoche: "Eine Stadt für alle" in Magdeburg
Auf einer Bühne traten Künstler wie Sebastian Krumbiegel von den Prinzen, Sänger und MDR-Moderator Stefan Michme und Breakdancer Nico Hilger auf. Bildrechte: MDR/Sören Thümler
Bühne bei der Aktionswoche «Eine Stadt für alle» in Magdeburg.
Anlass der Aktionen ist der Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg. Bildrechte: MDR/Sören Thümler
Veranstaltungen bei der Aktionswoche "Eine Stadt für alle" in Magdeburg.
Die "Initiative Weltoffenes Magdeburg" sieht sich als Nachfolger der "Meile der Demokratie". Bildrechte: MDR/Sören Thümler
Mit einem Transparent mit der Aufschrift 'Menschenrechte statt Rechte Menschen' protestieren Teilnehmer einer Demonstration für ein weltoffenes Magdeburg.
Der Tag wird immer wieder von rechten Grupperierungen zu Demonstrationen und "Trauermärschen" genutzt. Auch dagegen demonstrierten Teilnehmer des Aktionsbündnisses. Bildrechte: dpa
Wolfsskulpturen des Künstlers Rainer Opolk
Am Bahnhof Magdeburg wurden unter dem Motto "Die Wölfe sind zurück" Wolfsskulpturen des Künstlers Rainer Opolk aufgebaut. Bildrechte: MDR/Christian Buch
Wolfsskulpturen des Künstlers Rainer Opolk
Der Künstler teilte mit: "Ich protestiere mit den Bronzewölfen gegen Hass und Gewalt, ganz gleich, ob diese von Deutschen oder Ausländern, von Terroristen, Neonazis, gewaltbereiten Islamisten oder 'normalen' Straftätern ausgeht." Bildrechte: MDR/Christian Buch
Wolfsskulpturen des Künstlers Rainer Opolk
Und weiter: "Wir müssen miteinander reden und konstruktiv aufeinander zugehen. Nur gemeinsam können wir unser Land besser gestalten. Dazu brauchen wir keine rechten Ideologen, sondern die Institutionen der Demokratie. Magdeburg benötigt zum Jahrestag der Bombardierung keine doppelbödigen 'Trauer-Nazis', sondern verantwortliches Handeln für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit", so der Künstler Rainer Opolk. Bildrechte: MDR/Christian Buch
In Magdeburg demonstrieren rechte Gruppen
Nach zwei Jahren ohne rechte Demo zum Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs sind erstmals wieder Rechte durch die Stadt gezogen. Nach Angaben der Polizei versammelten sich dazu bis zu 150 Anhänger der rechten Szene und zogen vom Hauptbahnhof durch die Stadt zum Westfriedhof. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
In Magdeburg demonstrieren rechte Gruppen
Kritisiert wird, dass die rechte Demonstration an der Gedenkstätte des KZ-Außenlagers Buchenwald für die Polte-Werke in der Liebknechtstraße vorbeigeführt wurde. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Mit einem Transparent mit der Aufschrift 'Gegen das Vergessen - Dass Faschismus ein Verbrechen bleibt!' protestieren Teilnehmer einer Demonstration für ein weltoffenes Magdeburg.
Nach Angaben der Polizei haben sich rund 330 Teilnehmer einer Gegendemonstration angeschlossen. Bildrechte: dpa
Protest gegen den Demonstrationszug rechter Gruppen in Magdeburg
Es habe mehrere Sitzblockaden gegeben, so die Polizei. Es werde mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz geben. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Protest gegen den Demonstrationszug rechter Gruppen in Magdeburg
Vereinzelt hätten Gegendemonstranten von den Beamten daran gehindert werden müssen, näher an die Demo der Rechten heranzukommen. Zu größeren Vorkommnissen sei es zunächst aber nicht gekommen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19.01.2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mp
Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
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Wolfsskulpturen des Künstlers Rainer Opolk
Und weiter: "Wir müssen miteinander reden und konstruktiv aufeinander zugehen. Nur gemeinsam können wir unser Land besser gestalten. Dazu brauchen wir keine rechten Ideologen, sondern die Institutionen der Demokratie. Magdeburg benötigt zum Jahrestag der Bombardierung keine doppelbödigen "Trauer-Nazis", sondern verantwortliches Handeln für Toleranz, Frieden und Menschlichkeit", so der Künstler Rainer Opolk. Bildrechte: MDR/Christian Buch

Anlass war der 74. Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, den Rechtsextreme in der Vergangenheit wiederholt für Demonstrationen genutzt hatten.

Die rechte Demonstration mit rund 150 Teilnehmern zog vom Hauptbahnhof zum Westfriedhof im Stadtteil Stadtfeld. Kritisiert wurde, dass sie dabei an dem Gedenkort des KZ-Außenlagers Buchenwald in der Liebknechtstraße vorbeigeführt wurde.

Keine größeren Vorkommnisse

Die Demonstration der rechten Szene führte die Polizei um mehrere Sitzblockaden von Gegendemonstranten herum. Es werde mehrere Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz geben, sagte ein Polizeisprecher. Vereinzelt hätten Gegendemonstranten von den Beamten daran gehindert werden müssen, näher an die Demo der Rechten heranzukommen. Zu größeren Vorkommnissen sei es zunächst aber nicht gekommen. Nach Angaben des Polizeisprechers waren mehrere Hundertschaften im Einsatz.

Am Vormittag waren nach Angaben der Polizei im Stadtteil Magdeburg Stadtfeld Reifen auf die Straße gelegt und angezündet worden. Möglicherweise könnte die Brandstiftung im Zusammenhang mit den Veranstaltungen stehen, so die Polizei.

Veranstaltungen im Laufe des Tages

Titelfoto der Initiative für ein weltoffenes Magdeburg
Bildrechte: Initiative Weltoffenes Magdeburg

Ab Samstagvormittag waren mehrere Veranstaltungen geplant:

10 Uhr startete eine Veranstaltung des Landesnetzwerks "Schule ohne Rassismus" auf dem Breiten Weg.

Ab Mittag war in der Stadt eine Straßenbahn mit der Aufschrift "Hingucken-Denken-Einmischen" unterwegs sein. In Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenen Bildung haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe in der Bahn einen Vortrag und ein Konzert angeboten.

Von 12 bis 18 Uhr gab es am Nicolaiplatz eine Mahnwache zum Gedenken der Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung.

Am Nachmittag ab 14 Uhr stand der Stadtrundgang mit dem Titel "Magdeburg im Nationalsozialismus" auf dem Programm.

Im Anschluss wurde 16 Uhr auf dem Domplatz eine Kundgebung abgehalten.

Das gesamte Programm, unter anderem mit Abschlusskonzerten und Infoständen, ist hier zu finden.

Nachfolge der "Meile der Demokratie"

Die "Initiative Weltoffenes Magdeburg" sieht sich als Nachfolger der "Meile der Demokratie" und steht unter Schirmherrschaft des Magdeburger Oberbürgermeisters Lutz Trümper. Die Meile war als Reaktion auf die wiederholten Aufmärsche von Neonazis entstanden.

2018 hatte es aber Streit um die Meile gegeben, weil erstmals die AfD teilnahm. Die Stadt als Veranstalter könne niemanden ausschließen, argumentierte Trümper. Die diesjährige Aktionswoche organisiere ein privates Bündnis, das auch Teilnehmer ablehnen könne. Das sei der Unterschied zwischen beiden Veranstaltungen, so Trümper.

Rund um den 74. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg findet nun die Aktionswoche statt. Die Initiative zähle mittlerweile mehr als 50 Unterstützer, Vereine, Organisationen, so eine Sprecherin. Geplant seien vom 16. bis zum 22. Januar etwa 40 Veranstaltungen.

Eröffnung mit gemeinsamen Singen

Menschen singen auf dem Alten Markt in Magdeburg
Singen im Kerzenlicht: Hunderte Magdeburger haben Friedenslieder gesungen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Eröffnet wurde die Woche am Mittwochabend mit einem gemeinsamen Singen auf dem Alten Markt. Hunderte Magdeburger waren zu der Veranstaltung gekommen, um Friedenslieder zu singen. Laut Veranstalter war das Ziel, damit an die Verantwortung aller Generationen für ein friedliches und tolerantes Miteinander in der Stadt zu erinnern.

Die Stadtverwaltung erklärte, der 16. Januar sei bis heute für die Magdeburger ein Tag der Trauer und des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewalt. Trümper sagte: "Wir erinnern am 16. Januar an die zweite verheerende Zerstörung unserer Stadt, an die dabei Getöteten und Verwundeten und an die Not und Verzweiflung aller Überlebenden." Der schwerste alliierte Luftangriff auf Magdeburg fand am 16. Januar 1945 statt. Dabei wurde die Innenstadt zu 90 Prozent zerstört. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Quelle: MDR,dpa,epd/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2019, 18:40 Uhr

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85 Kommentare

22.01.2019 13:20 Dr. Müller an Wolpertinger 85

Da haben Sie völlig Recht. Das IMT hat diesen Tatbestand rückwirkend angewendet. Das macht die abscheulichen Taten allerdings nicht besser. Viel kritischer sehe ich den Fakt, daß dieser Kunstgriff nur sehr einseitig angewendet wurde.

"Das Gespenstische an der Potsdamer Konferenz lag darin, daß hier ein Kriegsverbrechergericht von Siegern beschlossen wurde, die nach den Maßstäben des späteren Nürnberger Prozesses allesamt hätten hängen müssen. Stalin zumindest für Katyn, wenn nicht überhaupt, Truman für die überflüssige Bombardierung von Nagasaki, wenn nicht schon von Hiroschima, und Churchill zumindest als Ober-Bomber von Dresden, zu einem Zeitpunkt, als Deutschland schon erledigt war. " (Rudolf Augstein in Der Spiegel vom 07.01.1985)

22.01.2019 12:30 Eulenspiegel 84

Hallo Benutzer 79
Toleranz heißt anderen Menschen zu gestatten anders zu sein. Und gewalttätig sind zu aller erst ein mal diejenigen die nicht bereit sind anderen Menschen zu gestatten anders zu sein. Ja und zumindest eine gewisse Bereitschaft gegenüber Personen die anders sind gewalttätig zu werden scheinen ja wohl auch sie zu haben denn sonst würden sie sich nicht so massiv gegen die Forderung nach Toleranz zuwehen. Ja die Weltoffenheit also ich habe den Eindruck sie sehnen sich nach diesen antifaschistischen Schutzwall plus Schießbefehl zurück.

22.01.2019 12:07 Sachse43 83

Linksfaschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Deren Führer haben unsägliches Leid über die europäischen Völker gebracht. Man denke nur an den Aushungerer Lenin, den Massenschlächter Mao, den Millionentod Stalin usw.

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