Schwere Körperverletzung Anklage nach Prügelattacke in Magdeburger Straßenbahn

Knapp zwei Monate nach dem Vorfall hat die Staatsanwaltschaft Magdeburg Anklage gegen einen Mann erhoben, der in einer Straßenbahn der Landeshauptstadt zwei Menschen grundlos angegriffen haben soll. Bei voller Schuldfähigkeit drohen dem Syrer zehn Jahre Haft.

Eine Straßenbahn an der Haltestelle vor dem Landgericht Magdeburg
Der Vorfall ereignete sich kurz vor Ostern unmittelbar vor dem Landgericht Magdeburg. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Nach einer Prügelattacke in einer Magdeburger Straßenbahn hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Syrer erhoben. Das bestätigte der Sprecher des Magdeburger Landgerichts, Christian Löffler, MDR SACHSEN-ANHALT. Zurzeit werde geprüft, ob und wann die Hauptverhandlung im Landgericht eröffnet wird.

Zunächst müssten Gutachter die Schuldfähigkeit des Mannes überprüfen. Bei voller Schuldfähigkeit drohen dem 34-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Möglich ist aber auch eine dauerhafte Einweisung in eine geschlossene forensische Psychiatrie.

Vorfall kurz vor Ostern

Der Syrer soll kurz vor Ostern in einer Straßenbahn in Magdeburg eine 18-jährige Gymnasiastin und einen 28-jährigen Medizinstudenten grundlos brutal attackiert haben. Die Schülerin erlitt eine Nasenbeinfraktur und einen Bruch des linken Augenhöhlenrings. Der Student, der der jungen Frau helfen wollte, hatte mehrere Platzwunden und einen Bruch der Vorderwand der Stirnhöhle. Ihm wurde eine Titanplatte eingesetzt.

Polizei räumt Ermittlungspannen ein

Die Polizei hatte den Fall zunächst verharmlost und später schwere Ermittlungsfehler eingeräumt. So war der Fall über die Osterfeiertage nicht weiterbearbeitet worden. Der Syrer wurde lediglich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und war einen Tag später wieder auf freiem Fuß. Dabei war bereits am Abend des Angriffs bekannt, dass der mutmaßliche Täter bereits wegen mehrerer Gewaltstraftaten registriert war. Zudem waren die Verletzungen der Opfer falsch eingeschätzt worden. Viel zu spät erkundigten sich die Ermittler nach deren Gesundheitszustand.

Nachdem die Ermittlungsfehler öffentlich gemacht waren, entschuldigte sich das Innenministerium bei den Opfern. Man wolle den Vorfall aufarbeiten und daran arbeiten, dass sich so etwas im Polizeirevier Magdeburg nicht wiederhole.

Der mutmaßliche Täter sitzt seit seiner Festnahme am 26. April in der Justizvollzugsanstalt in Burg in Untersuchungshaft. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Juni 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 13:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

31 Kommentare

19.06.2019 19:10 Medikator 31

Der arme Flüchtling ist sicher schwer traumatisiert. Wahrscheinlich wird sich in der Verhandlung herausstellen das er erst 18 Jahre alt ist.
Vielleicht wurde er sogar provoziert. Oder war er betrunken ?

Wir werden das mildtätige Urteil schon noch erfahren.

19.06.2019 14:12 winfried zu (29)MuellerF 30

Danke für Replik.

Abschiebung nach Strafverbüßung rechtlich nicht möglich ...
... in welchen Ländern, außer in DE, ist das der Fall ?
1 Beispiel genügt, zwecks Kontrollmöglichkeit.

19.06.2019 13:37 MuellerF 29

@27: Kommt drauf an-wenn eine Abschiebung rechtlich möglich ist, wird man abgeschoben.
Genau das ist aber oft nicht der Fall.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt