Obst wird mithilfe einer Handykamera analysiert
Bio oder nicht? Die Spektralanalyse ermöglicht die Untersuchung von Obst mit dem Handy. Bildrechte: MDR/ Viktoria Kühne, Fraunhofer IFF

Preisgekrönte Erfindung App aus Magdeburg will Leben von Verbrauchern verändern

Bio-Obst, Sonnencreme oder Autolack: Mit Smartphone-Apps sollen Menschen künftig herausfinden können, ob ein Produkt tatsächlich in dem Zustand ist, der vom Verkäufer versprochen wird. Möglich macht das unter anderem eine Erfindung aus Magdeburg.

Obst wird mithilfe einer Handykamera analysiert
Bio oder nicht? Die Spektralanalyse ermöglicht die Untersuchung von Obst mit dem Handy. Bildrechte: MDR/ Viktoria Kühne, Fraunhofer IFF

Ist mein Bio-Apfel wirklich pestizidfrei? Welche Sonnencreme brauche ich heute? Ist der Lack auf meinem Gebrauchtwagen tatsächlich der ursprüngliche – oder wurde schon mal nachgebessert? Diese und viele weitere Fragen sollen sich Verbraucher künftig mithilfe von Handy-Apps beantworten können.

Möglich macht das eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts in Magdeburg. Dort beschäftigt man sich schon seit zehn Jahren mit der Auswertung von Materialeigenschaften mit spektraler Kameratechnik, erzählt Andreas Backhaus, der für das Institut forscht.

Analyse mit Frontkamera, Display und Datenbank

Doch wie soll das Ganze funktionieren? Backhaus erklärt: "Wir haben die Kombination aus Frontkamera und Kameradisplay genutzt, um spektrale Messungen von dem Objekt zu machen." Das bedeutet: Man hält das Smartphone an das Objekt, das untersucht werden soll. Verschiedenfarbige Lichter blinken auf dem Bildschirm auf. Erst weiß, dann ein dunkles Display zum Kalibrieren, danach rot, grün und blau.

Udo Seiffert, der ebenfalls an der Entwicklung der Technik beteiligt war, erklärt, was es mit den Lichtern auf sich hat: "Jede Farbe gibt uns Informationen über bestimmte chemische Substanzen, die hier drin sind. Die Verarbeitung der Farben als Ganzes liefert dann das neunkanalige Spektrum. Der Knackpunkt der App ist ein intelligenter Algorithmus." Die vorliegenden Farbinformationen werden mit denen in einer Datenbank abgeglichen. Je öfter bestimmte Produkte untersucht werden, desto genauer wird die Analyse.

Immer wieder gab es von Kunden den Wunsch, die Erkenntnisse der Forschung im Alltag zu nutzen: "Deshalb haben wir überlegt, wie man ein Smartphone ohne zusätzliche Hardware nutzen kann, um solche Messungen durchzuführen", sagt Backhaus. In einem gesonderten Projekt wurde die Idee umgesetzt. Seit mittlerweile zwei Jahren gibt es derartige Handy-Apps.

Analyse-Tool für Jedermann

Um diese zu vermarkten und weiterzuentwickeln, wurde das Projekt in die Firma specOculus ausgelagert. Mit Erfolg. Denn das Start-Up aus Magdeburg wurde vor wenigen Wochen mit dem IQ-Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet. (Anmerkung der Redaktion: im November 2019 hat sich die Firma in specTelligence umbenannt)

Geschäftsführer Friedrich Melchert erklärt, was sein Unternehmen vorhat: "Unser Ziel ist es, spektrale Analyse für jeden möglich zu machen. Wir arbeiten gerade an einem großen Portfolio möglicher Anwendungen – angefangen bei Kosmetik, über Lebensmittel hin zu Baumarktprodukten wie Wandfarbe. Ich kann mir gut vorstellen, dass schon Mitte nächsten Jahres jeder seine Haut checkt, bevor er in die Sonne geht, um zu herauszufinden, welche Sonnencreme heute angebracht wäre."

Aktuell arbeitet das Start-Up mit verschiedenen Unternehmen zusammen und programmiert Apps für den jeweiligen Fachbereich. Die Technik, die dafür genutzt wird, ist bei Autolacken und Wandfarben die gleiche wie bei der Analyse von Hautttypen: die Spektralanalyse. Die Apps werden aber jeweils individuell programmiert, erläutert Melchert. Wahrscheinlich ab Herbst sollen derartige Apps auch für jedermann in entsprechenden App-Stores verfügbar sein.

Handy, kein Laborgerät

Natürlich kann ein Handy kein professionelles Spektrometer ersetzen, welches in den Labors des Fraunhofer-Instituts zu finden ist. Deswegen ist der Abgleich mit den Datenbanken, die bei Android und iOS hinterlegt wurden, entscheidend. "Durch die Kombination von schlechter Hardware (dem Handy, Anm. d. Red.) und sehr guter Datenauswertung haben sie ein System, das zwar nicht an ein Laborgerät herankommt, aber das ausreicht, um bestimmte Probleme zu lösen", sagt Andreas Backhaus.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2019, 16:39 Uhr

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5 Kommentare

05.08.2019 15:36 Schwede 5

Um auf das Thema Apps and more für Produkte oder andere Dienstleistungen zu kommen den empfehle ich ein Besuch in Schweden oder Norwegen. Da wird so gut wie alles im Alltag durch das Smartphone geregelt. Da sind wir in Deutschland noch weit von weg und Jahre entfernt. Dazu benönigt man erstmal lückenloses Internet, damit fängt es an..Dort geht man nur noch mit Handy und EC Karte einkaufen, dort hat man keine dicke Geldbörse mehr bei sich - und das ist auch gut so. Ich habe noch nie so entspannt einkaufen und shoppen können. GENIAL. Alles wird mit dem Handy oder der VISA Karte gemacht. Bäcker, Eisladen, Parkhaus, Öffentlicher Nahverkehr, E-Scooter - Roller..Versuche mal bei der MVB Magdeburg mit dem Smartpohne in der Bahn zu bezahlen (App).Naja gut so viel zum Thema Digitalisierung...

05.08.2019 14:08 Leser 4

Dann laufen wir also künftig alle im Tiefflug durch die Geschäfte und scannen jedes Produkt? Irgendwie krank.

05.08.2019 11:51 böse-zunge 3

Ahso, es werden also Android- u. Applenutzer "scannen" dürfen - der Rest ist außen vor.
Als ob es keine anderen Smartphone-BS' gäbe, keine Tablet's - die das auch leisten könnten ... aber auch da es andere Betriebssysteme noch gibt.
Dazu kommt die Passage über die "hinterlegten Datenbanken" - Apple (Bsp. ApplePay) lässt sich nicht "unter die Haube" blicken (Verweigerung der Sparkassen zur Kooperation), fordert aber umgekehrt das Know-How der Anbieter.
Was tut man nicht für 'Verbreitung' ...

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