Straßensperrung Baustellensprechstunde in Magdeburg will Beschwerden lindern

In Magdeburg wird an unzähligen Stellen gebaut. Überall gibt es Sperrungen. Ab Juni ist auch eine wichtige Verbindung in Buckau Richtung Süden dicht. Für Anwohner gab es nun eine erste Baustellensprechstunde. MDR SACHSEN-ANHALT war bei der Premiere dabei.

Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

von Viktoria Schackow, MDR SACHSEN-ANHALT

Baustellenbedingte Straßensperrung
Noch ist auf der Schönebecker Straße – einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung in der Landeshauptstadt – ein Durchkommen möglich. Bildrechte: MDR/Viktoria Schakow

"Wir brauchen eben regelmäßig unser Malz", betont Robert Kellermann. Er ist der Inhaber vom Brauhaus Brewckau in der Schönebecker Straße, direkt am Anfang des sogenannten "Buckauer Kiez'". Ohne Malz geht in seinem Laden also nichts. Neben wegbleibender Kundschaft sorgt er sich vor allem um die Anlieferung des so wichtigen Rohstoffs. Der kommt nämlich normalerweise mit dem Lkw bis zu ihm an den Laden rangefahren. Durch die Vollsperrung der Schönebecker Straße wird dies nicht mehr möglich sein. Seit einiger Zeit bemüht er sich deshalb bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben, Antworten auf seine Fragen zu bekommen. Doch das scheiterte bisher an der Suche nach einem Ansprechpartner. Nun wurde Kellermann spontan zu der ersten Baustellensprechstunde eingeladen.

Eine Sprechstunde pro Monat im Container

Vier Menschen sitzen an einem Tisch
Neben dem Oberbauleiter Jörg Heyer (rechts) und MVB-Pressesprecher Tim Stein (2.v.r.) stellten sich Volkmar Gryschok und Janet Krieg von der MVB den Fragen der Besucher. Bildrechte: MDR/Viktoria Schakow

Zum ersten Mal haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe zu einer Sprechstunde in einem Baustellencontainer direkt an der Großbaustelle auf der Schönebecker Straße eingeladen. Zwischen Bauplänen und Karten stellten sich hier Mitarbeiter der MVB und der Oberbauleiter der Baustelle, Jörg Heyer, den kritischen Fragen der Anwohner und Gewerbetreibenden. Von ihnen sei der Wunsch nach einer Sprechstunde oftmals an die MVB herangetragen worden, so Tim Stein von den Verkehrsbetrieben, "sodass wir jetzt erstmal einmal im Monat eine Baustellensprechstunde anbieten, wo jeder seine Probleme loswerden oder Fragen stellen kann." 15 Minuten haben sie jeweils Zeit. Sechs von acht möglichen Terminen seien heute belegt, so Tim Stein. Die Besucher der Sprechstunde sollen im Idealfall aber nicht nur ein Ventil haben, um sich auszulassen. Mit den zuständigen Fachleuten könne man hier ebenfalls diskutieren und so auch echte Lösungsansätze anschieben.

Auch Oberbauleiter Jörg Heyer betont, dass bei so einer Baustelle natürlich versucht wird, bestens durchzuplanen, aber eben nicht auf jeden Bürgersteig oder Überweg geachtet werden kann. Hier seien die Menschen gefragt, die sich eingeschränkt fühlen und dieses Problem auch an Fachleute in der Baustellensprechstunde herantragen. Nur so kann versucht werden, eine Lösung zu finden, meint auch Tim Stein von der MVB: "Also, wenn jemand ein Problem hat, was begründet ist, dann versuchen wir natürlich das abzustellen".

15 Minuten Abhorchen pro "Patient"

Eine Anwohnerin, die ihre Probleme und Sorgen mitteilen möchte, ist heute die erste Besucherin der Baustellensprechstunde. Sie hätte gerne nähere Informationen zu der Baustelle. Zwar sei sie auch schon bei der Infoveranstaltung der MVB in der Vorwoche gewesen, doch da seien die Gemüter so hoch gekocht, dass ihre Fragen nicht geklärt werden konnten. Nach "ihren" 15 Minuten verlässt die Frau beruhigt den Baustellencontainer. Sie ist dankbar für die Baustellensprechstunde. "Die haben sich hier echt einen Kopf gemacht, wie man das lösen kann und wenn sie das alles so einhalten, wie sie es gesagt haben, dann kann man damit leben", so die Anwohnerin.

Nachkontrolle nicht ausgeschlossen

Ganz so hoffnungsvoll sieht der nächste Besucher der Sprechstunde allerdings nicht. Er ist direkter Anlieger und kann von seinem Arbeitsplatz, der Buckauer Apotheke, quasi der Baustelle beim Wachsen zusehen. Die Sperrung der Schönebecker Straße wird auch den Zugang zu seiner Apotheke beeinflussen. Viele Kunden parken auf dem Discounter-Parkplatz nebenan und laufen dann rüber. Das wird bald nicht mehr möglich sein, da der Bürgersteig vor dem Ärztehaus ebenfalls aufgerissen werden soll.

Blick aus dem Fenster auf eine Baustelle
Der Baustellencontainer bietet zwar optisch keine guten Aussichten – inhaltlich aber vielleicht schon. Bildrechte: MDR/Viktoria Schakow

Der Apotheker nutzt die Baustellensprechstunde, um auf seine Probleme aufmerksam zu machen und er hofft sehr, dass die auch in der weiteren Planung mit einbezogen werden. Grundsätzlich findet er die Sprechstunde aber gut: "Wir konnten uns gut unterhalten, ich konnte mir auch mal die Pläne angucken." Eine Idee, wie das Problem der Erreichbarkeit seiner Apotheke gelöst werden könnte, hat er sogar schon: Der Grünstreifen vor der Apotheke gehöre ebenfalls noch zum Grundstück. Hier könnte ein provisorischer Fußweg erstmal Abhilfe schaffen, vorausgesetzt die Grundstückseigentümer stimmen dem zu. Doch der Apotheker will hier dran bleiben: "Ich denke, ich komme wieder, einfach um zu fragen, wie der Stand der Dinge ist. Man muss ja für seine Sachen auch immer eintreten und mit einmaligen Gespräch wird das jetzt sicherlich nicht alles geklärt sein, aber ich werde dranbleiben und nachhaken."

Die Chance dazu wird er haben. Denn nach dem heutigen Tag bestätigt Tim Stein MDR SACHSEN-ANHALT, dass es noch weitere Baustellensprechstunden geben wird – und zwar jeden dritten Dienstag im Monat. Der nächste Termin ist also der 18. Februar, wieder in dem Infocontainer in der Zufahrt zum Discounter. Grundsätzlich zeigt sich Tim Stein zufrieden mit der Aktion: "Wir hatten sehr viele Detailfragen von Bewohnern. Es waren aber auch viele Gewerbetreibende da oder auch Wohnungseigentümer. Es hat sich gezeigt, dass eigentlich alle Probleme im Gespräch geklärt werden konnten." Die MVB bemüht sich dennoch weiterhin, mit den Besuchern in Kontakt zu bleiben. Denn nicht alle Probleme konnten direkt gelöst werden. Bei einigen Fragen muss beispielsweise noch auf Prüfergebnisse gewartet werden.

Ein Mann vor einem Baustellencontainer
Bildrechte: MDR/Viktoria Schakow

Wir nehmen alles mit, haben alles aufgeschrieben und unsere Fachleute haben auch zugesichert, sich um die Probleme zu kümmern.

Tim Stein, Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe MVB

Robert Kellermann ist noch nicht ganz überzeugt: "Ich hätte natürlich gerne eine explizite Antwort gehabt, wo sie mir sagen: 'Sie können beliefert werden.' Die gibt es natürlich nicht. Auf die muss ich noch warten." Ihm reichen die Antworten aus der Baustellensprechstunde nicht aus. Er will die feste Zusage, dass er während der Vollsperrung trotzdem beliefert werden kann. Sollte dies nicht der Fall ein, ist das nicht nur geschäftsschädigend, so Kellermann. Es könnte sogar das Aus für seinen Laden bedeuten.

Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Über die Autorin Die rheinische Frohnatur Viktoria Schackow zog wegen des Studiums vor sechs Jahren von Düsseldorf nach Magdeburg. Nach einem Bachelor in Anglistischen Kulturwissenschaften folgte ein Masterstudium, Sozial- und Gesundheitsjournalismus, an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Zur Zeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit und ist als freie Mitarbeiterin in Hörfunk und Online bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig.

Nach ihren Reisen durch Australien, Indonesien und die USA kommt sie immer wieder gerne in die Landeshauptstadt zurück. Für sie hat Magdeburg einen ganz besonderen selbstgemachten Charme, in dem sich viele junge Menschen noch verwirklichen können. Zum Beispiel ist sie Mitglied in einem subkulturellen Verein (magdeboogie), der mit einem Blog und einem Online-Eventkalender die Szene präsentieren möchte und sich verschiedenen Themen aus der Stadt annimmt.

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Quelle: MDR/vs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Januar 2020 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 16:42 Uhr

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