Sportliche Herausforderung Baustellenmarathon in Magdeburg

Der Baustellenwahnsinn hat Magdeburg seit einiger Zeit fest im Griff. Viele Menschen sind genervt von gesperrten Straßen und veränderte Bahnstrecken. Doch ein Magdeburger nimmt die Sache sportlich. Seine Idee: Ein Lauf von Baustelle zu Baustelle – ein Baustellenmarathon.

Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

von Viktoria Schackow, MDR SACHSEN-ANHALT

Mann steht vor Straßenbaustelle.
Mathias Luther veranstaltet im Februar 2020 Magdeburgs ersten Baustellenmarathon. Seine sportliche Antwort auf den Baustellenwahnsinn stößt in der Laufszene auf viel Zuspruch. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

"Für mich persönlich ist es jetzt nicht so ein Riesen Problem" – Mathias Luther kann seine täglichen Wege gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. Er ist passionierter Läufer und Radfahrer und zurzeit ist das Fahrrad tatsächlich das Mittel der Wahl, wenn man von A nach B durch Magdeburg kommen will. Trotzdem sieht er auch das Problem für viele Magdeburgerinnen und Magdeburger, die mittlerweile von all den Baustellen nur noch genervt sind.

Blick in eine unbefestigte Tunneleinfahrt, in der zwei Bagger arbeiten
Die City-Tunnel Baustelle macht vielen Magdeburgern gerade das Leben schwer. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Besonders ältere Menschen, die das Rad nicht mehr nutzen können oder Menschen, die wegen ihrer Arbeit auf das Auto angewiesen sind, haben in Magdeburg gerade eine ziemlich schwere Zeit. "Es ist Wahnsinn, was hier seit sechs Jahren passiert", so Mathias Luther. Trotzdem sieht er auch das positive an der Situation. Die Stadt erneuert sich und das ist auch gut so, meint der 36-Jährige. Baustellen sind dafür nun mal nötig.

Doch die Organisatoren des Elbe-Brücken-Laufs sahen sich in diesem Jahr vor einer besonderen Herausforderung. Die Veranstaltung stand kurz vor dem Aus, da eine Laufstrecke ohne Baustellen nur schwer abgesteckt werden konnte. Der Lauf fand zwar statt, doch Mathias Luther sah trotzdem Handlungsbedarf. Der Läufer nahm die Sache sportlich und hatte eine Idee: Einen Lauf von Baustelle zu Baustelle – einen Baustellenmarathon.

Zur Person Mathias Luther ist 1983 in Magdeburg geboren und in der Stadt aufgewachsen. Von Beruf ist er Ingenieur. 2017 trat er in die SPD ein und ist zurzeit stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Magdeburg-Stadtfeld.

Bekannte Namen aus der Läuferszene dabei

"Das hat gar keinen offiziellen Rahmen, das war eine Schnapsidee, die ich dann immer besser fand und dann dachte: ich mach‘s mal und gucke wer mitmacht", erzählt Mathias Luther. Tatsächlich sind bei dem Stadtfelder bereits acht Anmeldungen eingegangen. Das ist schon ein Drittel von dem, was er sich vorgestellt hatte. Mathias Luther freut sich sehr über diesen Zuspruch: "Ich bin hochzufrieden bis jetzt, es sind auch sehr interessante Leute dabei. Leute, die in der Laufszene in Magdeburg schon einen Namen haben und ich freue mich, dass es für solche Leute, die auch schon ganz andere Sachen gerissen haben eine interessante Form der Veranstaltung ist."

Baustellen in Magdeburg im Juli 2019
Auch die Baustelle in Magdeburgs Stadtteil Buckau verlängert derzeit viele Arbeitswege. Die Umleitung ist weitläufig und kostet Zeit. Bildrechte: Wenzel Oschington

Trotzdem betont Luther, dass  die ganze Aktion eher als sportliche Herausforderung gedacht ist und keinen offiziellen Rahmen haben wird. Als "Lauftreff unter Freunden" ist der Baustellenmarathon anzusehen.

Streckenführung wegen Baustellen schwierig

Wo lang es geht, das steht noch nicht fest. Selbst Mathias Luther weiß das noch nicht, da durch tagesaktuelle Baustellen und spontan veränderte Straßenführungen schließlich noch einiges bis dahin passieren wird. Anfang Februar wird Luther sich an die Streckenführung setzen und die Checkpunkte festmachen. Natürlich wird er vorher die Strecke auch nochmal selbst ablaufen, damit er feststellen kann, dass man überall lang kommt. Außerdem müssen natürlich die 42,2 Kilometer erreicht werden, die einen Marathon zu einem Marathon machen. So hofft Mathias Luther, dass er die Lauflandschaft in Magdeburg um einen weiteren Lauf bereichern kann, den es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Eine junge Frau mit schulterlangem Haar und senffarbener Strickjacke steht vor einer Betonwand
Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Über die Autorin Die rheinische Frohnatur Viktoria Schackow zog wegen des Studiums vor sechs Jahren von Düsseldorf nach Magdeburg. Nach einem Bachelor in Anglistischen Kulturwissenschaften folgte ein Masterstudium, Sozial- und Gesundheitsjournalismus, an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Zur Zeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit und ist als freie Mitarbeiterin in Hörfunk und Online bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig.

Nach ihren Reisen durch Australien, Indonesien und die USA kommt sie immer wieder gerne in die Landeshauptstadt zurück. Für sie hat Magdeburg einen ganz besonderen selbstgemachten Charme, in dem sich viele junge Menschen noch verwirklichen können. Zum Beispiel ist sie Mitglied in einem subkulturellen Verein (magdeboogie), der mit einem Blog und einem Online-Eventkalender die Szene präsentieren möchte und sich verschiedenen Themen aus der Stadt annimmt.

Quelle: MDR/vs

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Dezember 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 16:11 Uhr

2 Kommentare

jackblack vor 5 Wochen

Besser wäre ein Triathlon :-)

Altmagdeburger vor 5 Wochen

Wie war das damals „ Sachen-Anhalt steht früh auf „ und „Magdeburg die ewige Baustelle „

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