Zwei Sanierungsprojekte A2 bei Magdeburg wird bis zum Jahresende zur Baustelle

Fahrbahnen und Brücken an der Autobahn 2 bei Magdeburg sind in die Jahre gekommen und müssen saniert werden. Auf einer Strecke über insgesamt 12 Kilometer kommt es deswegen in Fahrtrichtung Hannover monatelang zu Verkehrsbehinderungen. Im Fall eines Unfalls drohen lange Staus innerhalb der Landeshauptstadt.

Ein Schild warnt Autofahrer an einer Auffahrt vor einer Baustelle auf der Autobahn und verordnet ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern.
Nach Pfingsten sollen die Arbeiten auf der A2 richtig losgehen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Wer über die Autobahn 2 in Richtung Hannover fahren will, muss sich bei Magdeburg das restliche Jahr über auf Behinderungen einstellen. Grund sind gleich zwei größere Sanierungsprojekte. Zum einen wird für rund 17 Millionen Euro ein Fahrbahnabschnitt erneuert, zum anderen gibt es Arbeiten an der nördlichen Elbebrücke bei Hohenwarthe (Jerichower Land), die dreieinhalb bis vier Millionen Euro kosten werden.

1. Fahrbahnsanierung bei Magdeburg

Die Vorbereitungen für die Sanierung der Fahrbahn zwischen Magdeburg-Rothensee und dem Kreuz Magdeburg laufen bereits. Auf dem gut sieben Kilometer langen Abschnitt muss der in die Jahre gekommene Beton erneuert werden, erklärt Uwe Langkammer, der Präsident der Landesstraßenbaubehörde. Zudem gebe es Arbeiten an mehreren Brücken und die Beschilderung werde erneuert. Bis Mitte Dezember soll das alles Langkammer zufolge dauern. Der gesamte Verkehr laufe so lange über die Fahrbahn Richtung Berlin – mit zwei Spuren pro Fahrtrichtung.

Momentan werden unter anderem automatische Stauwarnanlagen und Nothaltebuchten eingerichtet. "Das hat sich bei anderen Baustellen bewährt. 80 bis 90 Prozent der havarierten Fahrzeuge schaffen es bis zu so einer Nothaltebucht", sagt Langkammer.

In der Woche vor Pfingsten sollen die Vorbereitungen abgeschlossen sein und der Verkehr komplett über die Fahrbahn in Richtung Berlin rollen. "Nach Pfingsten wollen wir mit den Arbeiten dann voll anfangen, das hängt aber auch vom Wetter ab", so der Behördenchef. Geplant ist demnach, dass die Arbeiten Mitte Dezember abgeschlossen werden.

ADAC: A2 ist staureichste Autobahn

Schon jetzt ist die vielbefahrene Autobahn 2 eine Staufalle. Nach Angaben des ADAC haben der Auto- und Lkw-Verkehr sowie Baustellen im Jahr 2019 fast 8.000 Kilometer Staus auf der A2 in Sachsen-Anhalt verursacht. Allein zwischen Lostau und Magdeburg-Rothensee hätten sich die Staus auf rund 1.800 Kilometer addiert.

Was der ADAC für einen besseren Verkehrsfluss rät: alle Hinweise und Tempolimits rund um die Baustelle beachten, rücksichtsvoll fahren und nach dem Reißverschlussverfahren einfädeln.

Die Anschlussstelle Magdeburg-Zentrum soll fast die komplette Bauzeit über durch provisorische Auf- und Abfahrten genutzt werden können. "Wir können uns nicht erlauben, die vielgenutzte Anschlussstelle für die gesamte Bauzeit zu sperren", erklärt Langkammer. Komplett lässt sich dies den Angaben zufolge aber nicht verhindern – wenn in dem Bereich der neue Beton aufgetragen wird und aushärten muss, wird die Anschlussstelle für ein paar Wochen dicht sein. Die weniger genutzte Anschlussstelle Magdeburg-Kannenstieg wird in Richtung Hannover dagegen für die gesamte Bauzeit gesperrt.

2. Reparatur einer Elbebrücke bei Hohenwarthe

Das zweite große Bauprojekt an der A2 nahe Magdeburg sind Reparaturen an der nördlichen Elbebrücke bei Hohenwarthe, die ebenfalls ab Juni anstehen und sich voraussichtlich bis ins nächste Jahr ziehen werden. Hier sollen die 2014 entdeckten Risse im Stahl beseitigt werden. In den vergangenen Jahren wurden an mehreren Stellen verschiedene Verfahren für die Reparatur ausgetestet und über Monate überwacht. Nun soll die erprobte Konstruktion an der kompletten Brücke eingebaut werden.

Brücken mit Konstruktionsfehler

Die Elbebrücken bei Hohenwarthe haben einen Konstruktionsfehler. Die Verbindung zwischen den Haupt- und Querträgern ist zu steif. Das hatte Brückenbauexpertin Anke Hawemann MDR SACHSEN-ANHALT im Jahr 2018 erklärt. Nun werden die Verbindungen beweglicher gestaltet, indem Federplatten angebracht werden. Dadurch sollen die statischen Probleme gelöst werden.

Von den meisten Arbeiten werden Autofahrer aber nichts mitbekommen, weil sie sich unterhalb der Brücke abspielen. "99 Prozent der Arbeiten sind nicht sichtbar", so Langkammer. Was Autofahrer aber auf jeden Fall mitbekommen: Statt drei Spuren kann man für die Dauer der Arbeiten in Fahrtrichtung Hannover nur zwei Spuren nutzen.

Autobahnbrücke bei Hohenwarthe
Pro Tag fahren gut 70.000 Fahrzeuge über die Elbebrücken bei Hohenwarthe, ein Drittel davon Lastwagen (Archivbild). Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Umleitung führt quer durch Magdeburg

Insgesamt kommt es zwischen den Elbebrücken bei Hohenwarthe und dem Magdeburger Kreuz ab Juni also auf gut 12 Kilometern zu Einschränkungen. Gibt es auf der Autobahn in dieser Zeit einen Unfall, wird das voraussichtlich auch innerhalb Magdeburgs zu spüren sein. Denn die Umleitung führt über die vielbefahrene Bundesstraße 1 quer durch die Stadt.

Laut Langkammer gibt es dafür bisher "leider keine Alternative". Die sogenannten Bedarfsumleitungen, die die Autobahn im Fall eines Unfalls oder bei Überfüllung entlasten sollen, sind demnach seit den 90er Jahren festgelegt. Klar sei aber auch, dass sie nie darauf ausgelegt seien, die Verkehrsmenge der Autobahn 1:1 aufzufangen.

Diskussion um Abfahrverbote

In der Debatte um drohende Staus in Magdeburg hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) gefordert, dass Autobahn-Abfahrten vorrübergehend gesperrt werden. In Österreich wird dies bereits getan – etwa zu Ferienzeiten. Urlauber auf der Durchreise dürfen Ausweichrouten dann nicht nutzen. Davon ausgenommen sind Anwohner und Gäste, die eine Unterkunft in der Umgebung gebucht haben. Die Umsetzung wird von der Polizei kontrolliert.

Im Gespräch war zwischenzeitlich auch eine alternative Umleitung über ländlichere Gebiete (über die Bundesstraße 246a bis nach Schönebeck und von dort über die A14 zurück auf die A2). Diese Variante wurde Langkammer zufolge zwar untersucht, aber nicht weiter verfolgt: "Allein zwischen Schönebeck und dem Magdeburger Kreuz hätte man dann mehr als 20 Kilometer fahren müssen".

Weniger Verkehr durch Corona-Pandemie

Damit es in der Baustelle gar nicht erst zu Unfällen kommt, appelliert der Chef der Landesstraßenbaubehörde an die Autofahrer, aufmerksam zu fahren. Außerdem rät er, nicht sofort von der Autobahn abzufahren, sobald das Navi einen Unfall meldet – sondern, wenn möglich, noch den Verkehrsfunk im Radio zu hören. So lasse sich besser erkennen, ob es sich um eine kürzere Verzögerung handelt oder tatsächlich um eine Vollsperrung. Nicht immer sei das Abfahren von der Autobahn nötig.

Zumindest zum Beginn der Bauarbeiten dürfte die Corona-Krise ausnahmsweise einen positiven Nebeneffekt haben. Auch wenn die Beschränkungen inzwischen gelockert wurden, rechnet Langkammer damit, dass der Reiseverkehr rund um Pfingsten geringer ausfallen wird als normalerweise.

Quelle: dpa, MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Mai 2020 | 07:30 Uhr

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