Berufe ohne Nachwuchs Heizungs- und Sanitärtechnik: Fehlende Lehrlinge und hohe Nachfrage

Johanna Honsberg
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

In Sachsen-Anhalt werden dringend Fachkräfte gesucht. Vor allem Ausbildungsberufe sind bei Jugendlichen nicht mehr so gefragt. Ein Beispiel ist die Heizungs- und Sanitärtechnik. Aber wie genau sieht der Arbeitsalltag dort eigentlich aus? Ein Tag mit dem Heizungs- und Sanitärtechniker Michael Kaiser aus Magdeburg.

Ein fehlender Heizungsmechaniker
Für Michael Kaiser hat der Fachkräftemangel auch Vorteile: Die Nachfrage nach seinen Handwerksleistungen steigt. Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg

Es ist ein verregneter Montagmorgen im Januar, sieben Uhr. Von der Straße aus ist die Werkstatt von Michael Kaiser kaum zu sehen. Sie liegt versteckt hinter einem großen Fachwerkhaus und ist so groß wie eine typische Garage. Der Innenraum ist abgedunkelt, an den Wänden hängen ein paar Fotos, daneben ein Kalender mit leicht bekleideten Frauen. In den Regalen türmen sich Kisten voller Schrauben, Rohre und Werkzeug.

Michael Kaiser besitzt die Heizungs- und Sanitärfirma Kaiser. Er ist ein Mann Ende fünfzig, klein, mit einer Brille und langem, grauen Haar. Während er durch seine Werkstatt führt, plaudert er munter vor sich hin. Das Gewerk bestehe aus unglaublich vielen Einzelteilen, alle verstaut in der Werkstatt. "Weil wir haben Rohrgrößen und verschiedene Materialien und alles Mögliche."

Keine Lehrlinge, die im Alltag unterstützen können

Michael Kaiser aus Magdeburg, Inhaber einer Heizungs- und Sanitärtechnikfirma, bearbeitet ein Werkstück in seiner Werkstatt.
Michael Kaiser in seiner Werkstatt Bildrechte: MDR/Johanna Honsberg

Heute steht eine Heizungswartung auf dem Programm, in Barleben – einer Gemeinde kurz vor Magdeburg. Dort geht es direkt in den Keller zur Heizung. Michael redet viel, während er an den Einzelteilen herumschraubt: meistens hat es mit Chemie und Physik zu tun. Für einen Laien wären seine Kommentare kaum zu verstehen. "Ich mache jetzt eine Wartung von dem Brennwertgerät. Das ist eine Brennstoffzelle, die macht stündlich 750 Watt elektrisch. Spaltet das Erdgas auf in einer Form", erklärt er. Die Wartung der Heizung dauert drei Stunden. Zwischendurch muss Michael immer mal wieder in die Betriebsanleitung  schauen. Sie sieht aus wie eine komplizierte Bastelanleitung, 180 Seiten lang, mit anschaulichen Bildern.

Es ist kein schlechter Beruf. Ich finde es schön, wenn man was mit eigenen Händen erschafft.

Michael Kaiser, Inhaber einer Heizungs- und Sanitärfirma

Manche würden daran verzweifeln. Aber Michael nickt immer wieder zufrieden mit dem Kopf. Er mag die Bastelei an Heizungen. Bei Bädern ist es schlimmer, sagt er. Da sei man auf die Fliesenleger angewiesen, oder andere. Zu blöd, dass Michaels zweiter Kunde aber genau das will: ein neues Bad.

Für den zweiten Kunden fährt Michael Kaiser nach Westerhüsen, in den Süden von Magdeburg. Im zweiten Haus dauert alles ein bisschen länger. Immerhin muss er hier eine Toilette einbauen, den Duschkopf und eine Heizung. Ein Bad komplettieren – so nennt er das. Beim Anbringen der Heizung vermisst er sich einmal und bohrt an der falschen Stelle. Ansonsten läuft alles reibungslos.

Michael Kaiser aus Magdeburg, Inhaber einer Heizungs- und Sanitärtechnikfirma, arbeitet an einer technischen Anlage. 3 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 05.03.2020 14:40Uhr 03:19 min

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Es ist Nachmittag. Michael packt die Werkzeugkisten ins Auto und macht sich auf den Rückweg, zu seiner Werkstatt. Er hat noch einen weiteren Kollegen angestellt. Die beiden kriegen das ganz gut alleine hin, sagt er. Und selbst wenn – es gebe ja gar keine Lehrlinge, die sie unterstützen könnten. Wahrscheinlich hätten die andere Sachen im Kopf, erklärt sich das Kaiser. "Die denken, ich lerne jetzt irgendwas Cooles oder studiere. Es ist aber kein schlechter Beruf. Ich finde es schön, wenn man was mit eigenen Händen erschafft."

Mangel mit Vorteil – die Nachfrage steigt

Durch den Fachkräftemangel sind die Angebote ganz schön gestiegen. Der Mangel kann also auch Vorteile haben – die Nachfrage steigt, Michael hat rund um die Uhr zu tun. "Man kann sich selbstständig machen, man kann zehn bis zwanzig Leute anstellen, man kann dick und fett leben, wenn man will", sagt er und zuckt mit den Schultern. "Einfach Spaß an der Arbeit haben. Also mir macht es heute noch Freude, nach über vierzig Jahren."

Michael Kaiser löscht das Licht und schließt seine Werkstatt ab. Für ihn ist heute Feierabend. Morgen muss er dann um fünf Uhr wieder los.

Johanna Honsberg
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Johanna Honsberg war von Januar bis Ende Februar 2020 als Praktikantin bei MDR SACHSEN-ANHALT tätig – meist im Hörfunk, manchmal aber auch für das Fernsehprogramm.

Die gebürtige Göttingerin studiert eigentlich in Leipzig Kommunikations- und Medienwissenschaft. Nebenbei wirkt sie beim studentischen Radio mephisto97.6 mit. Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Harz und ganz besonders die kleine Stadt Quedlinburg.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. März 2020 | 14:40 Uhr

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