Eine Collage mit Gebäuden aus Magdeburg, Chemnitz, Gera, Zittau, Dresden, Nürnberg, Hildeshem und Hannover.
Insgesamt acht deutsche Städte wollen sich bewerben, darunter fünf aus dem Osten. Bildrechte: MDR/Collage:IMAGO/ Wallmüller/ Rust/ Torsten Becker/ Schlösserland Sachsen/ Marco Prosch/dpa/Florian Leue

Bewerber-Übersicht Kulturhauptstadt 2025: Gegen wen sich Magdeburg durchsetzen muss

Kulturhauptstadt Europas: Diesen Titel bekommen Städte nicht für das, was sie schon haben – etwa tolle historische Gebäude. Es geht darum, wie sich Orte künftig entwickeln wollen. Für das Titeljahr 2025 ist unter anderem Magdeburg im Rennen. In Teil 2 der Serie zur Kulturhauptstadt-Bewerbung zeigt MDR SACHSEN-ANHALT die Kandidaten im Überblick.

Eine Collage mit Gebäuden aus Magdeburg, Chemnitz, Gera, Zittau, Dresden, Nürnberg, Hildeshem und Hannover.
Insgesamt acht deutsche Städte wollen sich bewerben, darunter fünf aus dem Osten. Bildrechte: MDR/Collage:IMAGO/ Wallmüller/ Rust/ Torsten Becker/ Schlösserland Sachsen/ Marco Prosch/dpa/Florian Leue

Eine Karte mit den Bewerberstädten zur Kulturhauptstadt Europas 2025 aus Deutschland und Slowenien.
Neben einer deutschen wird auch eine slowenische Stadt bei dem Wettbewerb das Rennen machen. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Acht deutsche Städte wollen im Jahr 2025 das kulturelle Zentrum Europas werden. Fünf davon liegen in Ostdeutschland. In den verschiedenen Bewerbungen geht es häufig um die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit, um Wandel, Migration und gespaltene Gesellschaften.

Magdeburg – "MACHEN!"

Die Landeshauptstadt hat im Januar 2018 den Leitgedanken ihrer Bewerbung bekanntgegeben: Verantwortung. Ausgewählt wurden außerdem vier Schwerpunkte: "Verloren und Wiederfinden", "Das humanistische Erbe Magdeburgs", "Made in Magdeburg" sowie "Vielfalt".

Der Magdeburger Dom erhebt sich in der Dämmerung über der Elbe.
Erst war auch Halle im Gespräch, nun bewirbt sich aus Sachsen-Anhalt nur Magdeburg (Archivbild). Bildrechte: dpa

Magdeburgs Kulturbeigeordneter Matthias Puhle bezeichnete den Leitgedanken als einen Bogen zwischen Geschichte und Zukunft. Magdeburgs "große und brüchige Geschichte" müsse in die Zukunft transportiert werden. Verantwortung ziehe sich dabei durch alle Themen. So seien die Magdeburger auch dafür verantwortlich, der Innenstadt mehr Atmosphäre zu verleihen – etwa durch mehr Kunst und Kultur in der Stadt. 

Eine großangelegte Marketingkampagne soll dafür sorgen, dass sich die Kulturhauptstadt-Bewerbung rumspricht und möglichst viele Menschen mitmischen wollen. Der Aufruf: "Einfach MACHEN!"

13 Kulturprojekte wurden ausgewählt, um die Bewerbungsphase zu stärken. Die Macher erhalten finanzielle Förderung und stellen derzeit unterschiedliche Veranstaltungen auf die Beine. So hat jüngst beispielsweise ein HipHop-Event stattgefunden und es gab ein Wochenende rund um die syrische Kultur.

Chemnitz – "AUFbrüche. Opening Minds. Creating Spaces."

In der Chemnitzer Bewerbung spielen Umbrüche eine große Rolle. Innerhalb von 70 Jahren habe es drei unterschiedliche Innenstädte gegeben, zwei Stadtnamen und verschiedene Gesellschaftssysteme, so das Kulturhauptstadtbüro. Die Stadt suche noch immer nach Identität und Selbstverständnis. Und dabei solle auch die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas helfen. Denn: Die Chemnitzer hätten mit Macher-Mentalität und Erfindergeist aus Umbrüchen Aufbrüche gemacht und dabei stets auch das kulturelle Leben in der Stadt gepflegt.

der Karl-Marx-Kopf in Chemnitz
Früher Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz: die Einwohner haben viele Veränderungen erlebt (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ziele für die nächsten Jahre: Neue Räume geben, in denen Träume verwirklicht werden können; Arbeit neu vernetzen (Stichwort Digitalisierung) und die Geschichte als Impuls sehen für eine europäische Zukunft.

Offen umgehen will die Stadt dabei auch mit dem tödlichen Messerangriff am Rande des Chemnitzer Stadtfestes im August 2018 und den darauf folgenden Ausschreitungen. Kulturbürgermeister Ralph Burghart (CDU): "Insgesamt geht es um die Frage, die sich gerade in allen Ländern Europas zeigt, macht man Dinge alleine für sich oder geht es gemeinsam besser? Kann man durch Offenheit und ein gemeinsames Tun, durch gemeinsame Werte etwas Besseres für alle erreichen?"

Dresden – "Neue Heimat Dresden 2025"

Innenstadt Dresden von oben
Was macht Heimat aus? Damit beschäftigt sich die Dresdner Bewerbung (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um soziale Spannungen geht es auch in der Dresdner Bewerbung. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erklärte, die Stadt ringe um die eigene Geschichte, das friedliche Zusammenleben erscheine zerbrechlich. Das stehe für Entwicklungen, die man in ganz Europa beobachten könne.

Dresden will den Begriff "Heimat" mit neuem Leben füllen. Dabei gehe es nicht nur um Offenheit mit Hinblick auf Migration, sondern auch auf die Digitalisierung. In einer Kampagne wurden die Einwohner der Stadt aufgerufen, ihre persönlichen Heimatbegriffe auf Postkarten zu beschreiben.

Neben Dresden und Chemnitz bewirbt sich in Sachsen auch Zittau um den Titel. Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sagte, die drei Bewerber würden zeigen, dass Sachsen zu Europa stehe. "Wir haben Europa viel zu verdanken und fühlen uns Europa verpflichtet."

Zittau – "360 Grad Leben"

Zittau bewirbt sich mit Partnern aus dem Dreiländereck Oberlausitz um den Titel. Die Einwohner der sächsischen Stadt hatten den Weg zur Bewerbung mit einem Bürgerentscheid freigemacht. Darin sprachen sich 74 Prozent dafür aus, ins Rennen zu gehen. Nach Angaben von Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos) symbolisiert das Bewerbungsmotto "360 Grad europäisches Leben an 365 Tagen im Jahr".

Das Rathaus und der Marsbrunnen auf dem Marktplatz von Zittau
Bei einem Bürgerentscheid gab es in Zittau große Unterstützung für die Bewerbung (Archivbild). Bildrechte: dpa

Zittau will ebenfalls "von früher lernen und an morgen denken". Einheimische und Zugezogene, Jung und Alt sollen gemeinsam etwas schaffen. Die Stadt will zudem, dass das Kulturhauptstadtjahr 2025 im 40. Jahr des Wettbewerbs "ein echtes europäisches Jahr" wird. Ins Programm werden deswegen zum Beispiel auch die neun Nachbarstaaten Deutschlands einbezogen.

Gera – "Wir sind auf dem Weg"

Wohnhäuser
Bauhaus in Gera: Die Stadt will unter anderem mit Architektur punkten (Archivbild). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bekannt geworden ist Gera vor allem durch Textilherstellung, Maschinenbau und Bergbau. Kulturhauptstadtmanager Peter Baumgardt hebt aber auch noch andere Dinge hervor: "Ich bin total fasziniert vom Instrumentenbau, der hier ab dem 18. Jahrhundert blühte und auch zu DDR-Zeiten und heute noch Nachhaltigkeit zeigt." Außerdem habe Gera eine tolle Architekturgeschichte: von Villen der Gründerzeit über den Bauhausstil bis hin zum DDR-Plattenbau.

Ein weiteres Schwerpunkt-Thema ist der Uranbergbau in der Region. Das Unternehmen Wismut war zu DDR-Zeiten der weltweit viertgrößte Uran-Produzent, es entstanden tiefgreifende Umweltschäden. Die Wismut gehöre entzaubert, so Kulturmanager Baumgardt. Gera wolle bei der Bewerbung außerdem mit anderen Kommunen und ostthüringischen Landeskreisen zusammenarbeiten.

Hannover – "Hier Jetzt Alle für Europa"

Das Neue Rathaus am Trammplatz
Hannover ist eine der drei westdeutschen Bewerberstädte (Archivbild). Bildrechte: imago images / Wallmüller

Hannover setzt in seiner Kulturhauptstadt-Bewerbung ebenfalls auf verschiedene Themen: zum Beispiel Nachbarschaft, Gartenkunst und –tradition, Architektur, Mobilität und den internationalen Austausch. Das Entwicklungskonzept der Stadt greift auch Probleme auf, etwa den Klimawandel und die Spaltung der Gesellschaft. Dabei sollen lokale Lösungen vorgestellt werden.

Hannover liege in der Mitte Europas, so das Kulturhauptstadtbüro. Und es sei an der Zeit, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen – mit Kultur als Motor.

Hildesheim – "Hi2025"

Niedersachsen hat neben Hannover noch einen zweiten Kandidaten: Stadt und Landkreis Hildesheim sowie Kommunen im Landkreis bewerben sich gemeinsam. Für die Erarbeitung des Konzepts haben die Initiatoren der Bewerbung das Hildesheimer Umland besucht – mit Bus und Bahn, um zu sehen, wie sich das Pendlerleben anfühlt.

Neben Mobilität geht es auch um Migration und Leerstand. Verwaiste Gebäude werden wiederbelebt. Außerdem soll zum Beispiel gezeigt werden, dass Kultur auch Problemstadtteile voranbringen kann.

Dom zu Hildesheim
Der Hildesheimer Dom gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe (Archivbild). Bildrechte: imago images / Rust

Nürnberg – "Past Forward"

Wie viele andere Bewerberstädte will auch Nürnberg die Vergangenheit im Blick behalten und trotzdem auf Zukunftsmodus schalten. Frühere Bauten der Nationalsozialisten sollen für Besucher und Kunstschaffende geöffnet werden. So ist zum Beispiel geplant, die von den Nazis nie fertiggestellte Kongresshalle künftig als Kunst- und Kulturlaboratorium zu nutzen. Im Innenhof sind Opernaufführungen geplant.

Ehemaliges Reichsparteitagsgelände am großen Dutzendteich (Nürnberg), links Serenadenhof, rechts Dokumentationszentrum, dahinter unvollendete Kongresshalle der NSDAP
Die frühere NS-Kongresshalle wird in eine Kulturstätte umgewandelt (Archivbild). Bildrechte: imageBROKER/Norbert Probst

Die Bewerbung Nürnbergs war von einer Bürgerinitiative angeschoben worden. Die Ehrenamtlichen organisierten dutzende Treffen, bei denen sich Interessierte informieren und einbringen konnten. Auch heute noch tauscht sich die Bürgerinitiative regelmäßig mit dem Bewerbungsbüro aus.

Entscheidung fällt erst 2020

Alle Bewerberstädte setzen schon jetzt darauf, ihre Einwohner mit einzubeziehen. Und sie betonen: Selbst wenn es mit dem Zuschlag am Ende nicht klappt, bringt bereits die Kandidatur eine Menge. Im Dezember entscheidet sich, welche Städte die zweite und letzte Bewerbungsrunde erreichen. Ende 2020 stehen die Gewinner fest.

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Quelle: dpa, MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. Juli 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 17:21 Uhr

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