Merchandizing Kulturhauptstadt Europas
Schon 2011 hatte der Stadtrat grünes Licht für die Bewerbung gegeben (Symbolbild). Bildrechte: Magdeburg2025/Andrea Jozwiak

Kulturhauptstadt Europas 2025 "Wir haben eine ganz starke Bewerbung für Magdeburg erstellt"

Magdeburg möchte Kulturhauptstadt werden – und muss dafür in gut acht Wochen sein erstes Bewerbungsbuch einreichen. Die Arbeit kommt voran: Der Text ist fast fertiggestellt, die erste Korrekturrunde läuft. Im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT äußern sich die Verantwortlichen aus dem Kulturhauptstadtbüro optimistisch – und verraten, womit Magdeburg die Jury überzeugen will. Teil 4 der Serie zur Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Merchandizing Kulturhauptstadt Europas
Schon 2011 hatte der Stadtrat grünes Licht für die Bewerbung gegeben (Symbolbild). Bildrechte: Magdeburg2025/Andrea Jozwiak

MDR SACHSEN-ANHALT: Der Leitgedanke der Magdeburger Bewerbung lautet "Verantwortung". Inwieweit findet sich das im Bewerbungsbuch wieder?

Tamás Szalay, Leiter des Magdeburger Bewerbungsbüros: Verantwortung passt sehr zu Magdeburg und zum aktuellen Zeitgeist. Dieser Leitgedanke zieht sich das durch das ganze Konzept. Das spätere Motto – das wir Ende September vorstellen – wird anders sein. Es muss etwas dynamischer sein und zeigen, was wir mit dem Titel vorhaben.

Womit möchte Magdeburg die Jury überzeugen?

Szalay: Magdeburg hat eine ganz unglaubliche Geschichte, die den heutigen Alltag prägt. In der Bewerbung geht es zwar gar nicht darum, was wir hier schon haben. Die Bewerbung ist ein Zukunftsprojekt, das ist ganz klar. Aber trotzdem: Aus unserer Geschichte ergibt sich ein ganz tolles Potenzial für die Zukunft. Es gibt sehr viele schöne Themen, die nicht nur für Magdeburg charakteristisch sind, sondern die auch europäische Themen sind. Und ich denke, das kann unsere Stärke sein.

Wir haben einige Alleinstellungsmerkmale, zum Beispiel das Magdeburger Stadtrecht [Das Magdeburger Stadtrecht kam im zwölften Jahrhundert auf und brachte den Menschen bürgerliche Freiheiten und städtische Selbstverwaltung; Anm. d. Red.]. Das ist natürlich sehr wichtig für uns. Nicht aus historischer Perspektive; wir interpretieren das. Es geht dabei um Menschenrechte und Bürgerrechte. Und wenn wir bedenken, dass das Magdeburger Stadtrecht in Mittel- und Osteuropa verbreitet war – es wurde in mehr als 1.000 Städten übernommen – dann haben wir ein schönes europäisches Thema.

Ein anderes Thema ist die Stadt selbst, das Stadtbild. Magdeburg ist gar kein touristisches Ziel. Aber wenn man hier her kommt, ist man erstaunt, wie interessant die Stadt ist. Man kann am Stadtbild sehr viel ablesen. Wir können die Frage stellen, wie wir uns mit diesem Hintergrund das heutige städtische Leben vorstellen können.

Wie die Bewerbung abläuft

Die Bewerbungsphase hat im September 2018 offiziell begonnen. Bis Ende September 2019 muss das erste Bewerbungsbuch eingereicht werden, das 60 Seiten umfassen soll. Im Dezember 2019 steht die erste Entscheidung an: Die Bewerber präsentieren sich in Berlin und eine von der EU eingesetzte, unabhängige Expertenjury prüft danach die eingereichten Bücher. Die Entscheidung wird am 12. Dezember verkündet.

Die ausgewählten Kandidaten sollen dann ihr Konzept noch einmal konkretisieren und verbessern. Im Jahr 2020 wird ein zweites Bewerbungsbuch eingereicht, Ende 2020 fällt die endgültige Entscheidung. 

Wie die Inhalte des Bewerbungsbuches erstellt wurden

Die Bewerberstädte müssen 38 von der EU vorgegebene Fragen abarbeiten. Dabei geht es zum Beispiel um Langzeitstrategien und Finanzierung. Um konkrete Projekte geht es im ersten Buch eher weniger – sondern eher darum, was die Stadt nachhaltig mit dem Titel vorhat. Konkreter wird es dann, wenn die Stadt tatsächlich ausgewählt wird. Das erste Bewerbungsbuch ist also noch kein Programmbuch.

Das Magdeburger Kulturhauptstadtbüro hat die Bevölkerung nach eigenen Angaben auf unterschiedliche Weise in den Prozess einbezogen. Dazu gehörten monatliche Kulturgespräche, in denen verschiedene Themen besprochen wurden. Geholfen haben auch Kulturbeiräte, die sich aus 70-80 Menschen zusammengesetzt haben: Bürger der Stadt, Kulturschaffende, Experten aus verschiedenen Bereichen. Was sie diskutiert haben, ist ebenfalls in die Bewerbung eingeflossen.

Hinzu kamen Umfragen unter Magdeburgern. Hierbei wurde zum Beispiel untersucht, welche kulturellen Angebote genutzt werden und welche fehlen.

Das Kulturhauptstadtbüro hat den Fokus dabei nach eigenen Angaben vor allem auf junge Menschen gesetzt und beispielsweise auch 2.400 Schüler befragt.

Welche Städte sich noch bewerben

Im Jahr 2025 werden eine deutsche und eine slowenische Stadt den Kulturhauptstadt-Titel tragen. Magdeburg muss sich gegen insgesamt sieben andere deutsche Bewerber durchsetzen: Dresden, Chemnitz, Gera, Zittau, Hannover, Hildesheim und Nürnberg.

Es gibt 13 Projekte, die schon jetzt im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung gefördert werden. Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz? Haben Sie das Gefühl, die Magdeburger nehmen das schon wahr?

Kerstin Hartinger, Projektmanagerin im Bewerbungsbüro: Ja, damit sind wir definitiv zufrieden. Die ersten Projekte sind schon gelaufen, ein Teil kommt noch, es wird dieses Jahr noch einiges passieren. Das hat sich herumgesprochen. Wir kommunizieren das auch in den sozialen Medien, denn die Projekte sind sehr auf Beteiligung ausgelegt. Da war eines der Hauptkriterien für die Förderung, dass die Projekte möglichst viele Menschen einbeziehen. Die Projekte sind teilweise im Park oder auf den Straßen, sodass vielleicht auch Leute angesprochen werden, die möglicherweise noch gar nichts darüber wussten. Das ist auch so ein bisschen der Sinn der Sache.

Man hört ab und zu die Kritik, dass so mancher vielleicht noch gar nichts von der Kulturhauptstadt-Bewerbung mitbekommen hat. Sie werde zu wenig öffentlich gemacht. Was sagen Sie dazu?

Kerstin Hartinger und Tamás Szalay
Hartinger und Szalay kümmern sich im Bewerbungsbüro mit acht weiteren Mitarbeitern um den Wettbewerb. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Szalay: Das ist in der aktuellen Bewerbungsphase völlig normal. Wir müssen uns jetzt erst einmal auf die Erstellung des ersten Bewerbungsbuches fokussieren. In den bisherigen Gesprächen ging es um die Bedürfnisse der Stadt und die allgemeine Stimmung. Und wie wir die Ideen der Stadt aufgreifen und strukturieren können.

Wenn wir in die zweite und letzte Runde weiterkommen, ist die Aufgabe schon ein wenig anders. Da werden wir intensiver kommunizieren und uns präsentieren.

Ich kann aber mit großer Freude sagen, dass die Bekanntheit der Bewerbung in Magdeburg schon jetzt viel größer ist als in anderen europäischen Städten. Es ist nicht üblich, dass die Bevölkerung in dieser Phase schon so viel über die Bewerbung hört oder sogar mitmacht.

Wie geht es weiter, wenn Sie das Bewerbungsbuch Ende September abgegeben haben?

Hartinger: Im Dezember gibt es noch eine Präsentation vor der internationalen Jury in Berlin. Die dauert nur eine halbe Stunde, ist aber sehr aufwendig. Wir fahren da mit bis zu zehn Teammitgliedern hin, Oberbürgermeister Lutz Trümper wird natürlich auch mit dabei sein. Diese Präsentation wird von Oktober bis Dezember einstudiert und geübt. Wir gehen sehr davon aus, dass wir in die zweite Runde kommen, sonst würden wir da nicht so ehrgeizig dran arbeiten. Deswegen werden wir sicherlich parallel schon für das zweite Bewerbungsbuch hier und da Gedanken entwickeln.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, weiterzukommen?

Szalay: Eins zu acht (lacht). Wir haben ganz starke Konkurrenten und auch Respekt vor ihnen. Wir sind aber sehr selbstbewusst in diesen Wettbewerb reingegangen und überzeugt, dass wir eine ganz starke Bewerbung für Magdeburg erstellt haben. Was Magdeburg für Potenziale bietet, haben wir gut zusammengefasst und als Zukunftsvision geschildert, denke ich. Also wir sind optimistisch. 

Die Fragen stellte Kalina Bunk.

Kann man sich das Bewerbungsbuch künftig ansehen? Ende September wird das Kulturhauptstadtbüro weitere Details zu den Inhalten des Bewerbungsbuches veröffentlichen. Das Buch als Ganzes wird nicht herausgegeben. Allerdings soll es eine Broschüre geben, die genau zusammenfasst, womit sich die Stadt bewirbt, wie die Strategie aussieht und wie man sich beteiligen kann.

Kalina Bunk
Bildrechte: MDR/ Jörn Rettig

Über die Autorin Über die Autorin
Kalina Bunk arbeitet seit 2015 für MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online- und in der Hörfunkredaktion. Sie schreibt für mdrsachsenanhalt.de, verfasst und spricht die Nachrichten im Radio und ist als Reporterin im Land unterwegs. Aufgewachsen ist sie in Bremen. Dort und in Madrid studierte sie Kulturwissenschaft und Germanistik. Danach war sie für mehrere private Radiosender in Bremen und Berlin tätig. An der Arbeit als Redakteurin fasziniert sie, dass jeder Arbeitstag anders aussieht und dass man täglich etwas Neues dazu lernt.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. August 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 15:01 Uhr

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8 Kommentare

07.08.2019 10:06 Rosi 8

Magdeburg soll sich viel Mühe geben.

07.08.2019 07:15 Basil Disco 7

Trotz aller Beteuerungen schimmert doch überall diese Rückwärtsgewandtheit durch. Wir hatten mal... früher war... Ansonsten: Eine Stadt, in der die Ticketverkaufscharts von einem Sauf- und Schlagergrölfest namens Mückenwiesn angeführt werden. Das ist bezeichnend.

"Man kann am Stadtbild sehr viel ablesen." Oh ja, wie eine Baumafia sich eine Stadt zur Beute macht. Na dann, viel Erfolg mit eurer "Kultur".

06.08.2019 22:29 Machen! 6

Was ist mit "Wir stehen früher auf"?
Oder "Otto macht dis oder dis"?
Oder "Wir machn heut mal jar nüscht ...
och nich früher uffstehn."
Oder "Otto lacht sich kaputt."
Magdeburg - Hauptstadt der Komiker
Editha lacht und lacht und lacht und ...

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