Bau, Zerfall, Sanierung Die Hyparschale in Magdeburg – eine Chronologie

Seit 1969 steht die Hyparschale in Magdeburg. Sie war einst Ort vieler Veranstaltung und eines der beliebtesten Gebäude der Stadt. Doch sie verfiel immer mehr und wurde 1997 gesperrt. Nun wird sie saniert. Die Geschichte der Hyparschale im Überblick.

So hat sich die Hyparschale verändert
Die Veränderung der Hyparschale seit ihrem Bau 1969. Bildrechte: MDR/Collage

1969 | Die Hyparschale wird erbaut

Die Hyparschale in Magdeburg entsteht. Bauingenieur Ulrich Müther und Fritz Retzloff liefern den Entwurf für das Bauwerk. Es hat eine Fläche von 48 x 48 Metern und ist 12 Meter hoch. Damit stehen seit diesem Zeitpunkt eine überspannte Nutzfläche von 2.304 Quadratmetern zur Verfügung. Es gibt Sitzplätze für 1.627 Personen. Es wird die folgenden Jahre als Mehrzweckhalle, für Austellungen und Veranstaltungen genutzt.

1990 | Denkmalschutz

Nach der Wende endet die ruhmreiche Zeit der Hyparschale. 1990 wird sie unter Denkmalschutz gestellt und nur noch vereinzelt genutzt.

1997 | Polizei sperrt Hyparschale

Ab sofort dürfen offiziell keine Menschen mehr in das Gebäude. Durch den Verfall ist es in der Hyparschale zu gefährlich. Es gibt Überlegungen, das Bauwerk abzureißen. Doch das wird abgewendet.

Ein hohes Baugerüst an einer der Seitenschalen der Hyparschale auf der Magdeburger Elbinsel
"Betreten verboten, Lebenesgefahr" steht auf einem Schild an der abgesperrten Hyparschale. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert

2010 | Gründung einer Bürgerinitiative für den Erhalt

Der ehemalige Bauingenieur Siegfried Enkelmann gründet eine Bürgerinitiative. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, die Hyparschale zu erhalten. Der Plan: Es soll ein Förderverein entstehen, der das Denkmal kauft und saniert. Die Stadtverwaltung Magdeburg zeigt sich dem gegenüber offen, allerdings wird kein schlüssiges Konzept vorgelegt.

2012 | Vorschlag: Hyparschale als Gründerzentrum

Der Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt schlägt vor, dass das Gebäude zum Gründerzentrum werden könnte. Dort sollen junge Unternehmer aus den Bereichen Industriedesign, Film- und Werbewirtschaft arbeiten.

2013 | Dach soll saniert werden

Der Magdeburger Stadtrat beschließt, das Dach und seine Stützen für 1,8 Millionen zu sanieren. Dafür sucht der Stadtrat einen Investor – jedoch erfolglos.

Einer der Betonträger der besonderen Konstruktion der Hyparschale in Magdeburg.
Die Dachschalen sollen saniert werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

2016 | Möglicher Investor?

In diesem Jahr wird die Hyparschale erneut ausgeschrieben. Nur ein Magdeburger Unternehmen bietet für das Gebäude und will es für 7,8 Millionen Euro sanieren. Allerdings gibt es im Geschäftsplan des Bieters eine große Finanzierungslücke, weshalb der Stadtrat ablehnt.

2017 | Die Stadt will sanieren

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper gibt bekannt, dass die Stadt Magdeburg die Hyperschale sanieren will.

2018 | Die Pläne werden präsentiert

Trümper stellt gemeinsam mit dem Leiter des Kommunalen Gebäudemanagements der Stadt Magdeburg, Heinz Ulrich, die Pläne für die Sanierung vor. Die sehen vor, dass die Hyparschale für knapp 17 Millionen Euro erneuert wird. Aus ihr soll in mehreren Schritten eine moderne Veranstaltungsstätte für Tagungen, Kongresse und Kulturveranstaltungen für 200 bis 500 Personen werden.

So soll die Hyparschale aussehen

Architektenentwurf für die Hyparschale Magdeburg, Außenansicht.
Die Hyparschale – das einstige kulturelle Wahrzeichen der Stadt – soll den Glanz früherer Tage wiederbekommen. Bildrechte: gmp Architekten
Architektenentwurf für die Hyparschale Magdeburg, Außenansicht.
Die Hyparschale – das einstige kulturelle Wahrzeichen der Stadt – soll den Glanz früherer Tage wiederbekommen. Bildrechte: gmp Architekten
Architektenentwurf für die Hyparschale Magdeburg,  Innenansicht.
Dafür kalkuliert die Landeshauptstadt 16,9 Millionen Euro ein. Bildrechte: gmp Architekten
Architektenentwurf für die Hyparschale Magdeburg,  Innenansicht.
Entstehen soll eine moderne Veranstaltungsstätte für Tagungen, Kongresse und Kulturveranstaltungen. Bildrechte: gmp Architekten
Hyparschale. Mehrzweckhalle aus dem Jahre 1969 im Magdeburger Kulturpark Rotehorn. Fassade besteht aus Glas, die vier Ecken des Gebäudes streben nach oben.
Aktuell ist das Gebäude wegen des Verfalls baupolizeilich gesperrt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das radio wie wir | 23.08.2019 | 06:30 Uhr

Quelle: MDR/pat,jr
Bildrechte: MDR/Andreas Tempelhof
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2019 | Start der Sanierung

Am 4. Dezember 2019 geht es schließlich los: Bauarbeiter beginnen mit den ersten Sanierungsmaßnahmen. In zwei Bauschritten soll die Hyperschale saniert werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper sagt: "Es freut mich sehr, dass der Umbau jetzt – pünktlich zum 50-jährigen Bestehen der Hyparschale – begonnen hat und wir in wenigen Jahren ein äußerst modernes Veranstaltungsgebäude in einem außergewöhnlichen Bau direkt an der Elbe nutzen können."

Ab sofort wird sie saniert. Sie soll laut Plan der Stadt Magdeburg 2022 fertig sein.
Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Bis zum Mai 2021 soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Er beinhaltet laut der Pläne der Stadt Magdeburg die "Sanierung der Dachschalenkonstruktion mit dem zugehörigen Tragwerk". 2022 soll die Hyparschale komplett saniert sein. Die Arbeiten sollen 17 Millionen Euro kosten.

Februar 2020 | Erfolgreich entkernt

Im Februar 2020 beginnen die Gerüstbauarbeiten an der Hyparschale, nachdem das Gebäude entkernt wurde. Schadstoffe wurden entfernt, darunter Asbest und der Teerkleber, der das Parkett mit dem Betonfußboden verbunden hatte.

Zunächst wird das nordöstliche Viertel der Hyparschale mit dem Aufbau von Gerüsten im Außen- und Innenbereich auf die Sanierung der Dachschalenkonstruktion vorbereitet.

Außerdem werden für die Sanierung notwendige Baumfällarbeiten durchgeführt. Diese hatte das städtische Umweltamt unter Auflagen genehmigt.

Juni 2020 | Sanierung der Dachschalen

Die einsturzgefährdeten Dachschalen werden stabilisiert und verstärkt. Hierzu werden sie mit einer speziell entwickeleten Carbon-Betonmischung ummantelt. Insgesamt ist das Dach in einem besseren Zustand als befürchtet. Die Bauarbeiten schreiten zügig voran.

Sanierung Carbonbetondach für die Hyparschale in Magdeburg

Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Mit speziell zugelassenen Verfahren wird durch Carbonmatten und Feinbeton die alte Dachschale verstärkt. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Mit speziell zugelassenen Verfahren wird durch Carbonmatten und Feinbeton die alte Dachschale verstärkt. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Bauarbeiter legen eine netzartige Karbonmatte auf eine frische Betonschicht auf dem Dach der Hyparschale
Bauarbeiter legen eine gitterförmige Carbonmatte in die nur millimeterdicke Feinbetonschicht. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick auf die stark gebogene  Dachschale der Hyparschale, auf der Bauarbeiter Karbonfasern eingießen.
Große, feuchte Leinenmatten sollen den Beton davor schützen, zu schnell zu trocknen und zu reißen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Moritz Buchholz (Bauleitung), Sophie von Mansberg (Projektleitung), Heinz Ulrich (Leiter kommunales Gebäudemanagement Magdeburg) und Christian Hellmund (Projektleitung) halten eine Eröffnungsrede zur Hyparschale für Pressevertreter.
Das Medieninteresse war groß, als die zuständigen Projekt- und Bauleiter die Fortschritte der Sanierung der Hyparschale erklärten. Bildrechte: MDR\Leonard Schubert
Projektleiterin Sophie von Mansberg erklärt mit viel Gestik Medienvertretern die Baukonstruktion der Hyparschale. Sie trägt einen weißen Helm
Projektleiterin Sophie von Mansberg freut sich über die schnellen Fortschritte. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Blick auf die stark gebogene  Dachschale der Hyparschale, auf der Bauarbeiter Karbonfasern eingießen.
Der besondere Schwung der vier Dachschalen der Hyparschale wird auf diesem Bild deutlich. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick von oben auf den Querschnitt eines Dachträgerbalkens der Hyparschale.
Besonders dick ist die Deckenstruktur nicht. Aber stabil soll sie werden. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Einer der Betonträger der besonderen Konstruktion der Hyparschale in Magdeburg.
Betonträger und unterirdische Bänder halten die Dachkonstruktion seit 1969. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick von oben auf die vier Dachschalen der Hyparschale. Während die hinteren mit Dachpappe belegt sind, arbeiten vorne Bauarbeiter mit nassen Leinenmatten und Beton Karbonmatten in die Deckenschale ein
Ein Blick auf alle vier Dachschalen: Auf der oben im Bild wurden Dachpappe und Beläge entfernt, die rechts und links noch zu sehen sind. Unten im Bild tragen Bauarbeiter schon die neue Carbonbetonschicht auf, die später mit Dämmmaterial und Dachpappe verkleidet wird. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Die Innenseite der Hyparschale: Baugerüstestreben, Betonsäcke, ein Betonmischer, Menschen mit Bauhelmen.
Eigentlich ist das Gebäude innen stützenfrei. Gerade gibt es aber zahlreiche Baugerüste... Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Das Gewebe eine Baugerüstes im schummrigen Innern der Hyparschale.
... damit die Bauarbeiter an die Dachschalen herankommen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Schwarzweißbild der alten Hyparschalkonstruktion liegt auf einem grünen Plastiksack
Zwar in schwarzweiß, aber trotzdem beeindruckend: die Erstkonstruktion der Hyparschale Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Vor einer mit Graffiti besprayten Wand stehen Betonsäcke, auf denen Bilder der zukünftigen Hyparschale stehen
Neue Entwürfe vor alter Schale: Bald soll die Hyparschale wieder in neuem Glanz erstrahlen. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
Ein Bild der zukünftigen Innenansicht der Hyparschale steht auf einem Betonsack. Im Hintergrund eine rote Schubkarre
Besonders die Entwürfe für den bogenförmigen Lichteinlass zeigen beeindruckende Effekte. Bildrechte: MDR/ Leonard Schubert
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Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Dezember 2019 | 13:00 Uhr

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