Fertigstellung im Dezember 2022 City-Tunnel in Magdeburg wird noch teurer

Der Magdeburger City-Tunnel wird noch einmal teurer. Dies teilte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit. Die Kosten sollen nun bei 198 Millionen Euro liegen. Das Großprojekt soll im Dezember 2022 fertig sein.

Blick in eine unbefestigte Tunneleinfahrt, in der zwei Bagger arbeiten
Im Dezember 2022 soll das mittlerweile 198 Millionen Euro teure Projekt, der Magdeburger City-Tunnel, fertig sein. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Von 38 Millionen Euro auf 198 Millionen Euro – der Bau des Citytunnels in Magdeburg wird immer teurer. Wie die Stadtverwaltung am Dienstag mitteilte, hat sich die Stadt mit dem Hauptauftragnehmer geeinigt. Die Unterführung mit dem Autotunnel soll Ende des Jahres 2022 fertig sein. Die Kosten würden sich nun auf 198 Millionen Euro erhöhen. Das ist mehr als fünf Mal so viel wie ursprünglich geplant. Die Stadt Magdeburg trägt davon 80 Millionen.

Der Stadtrat muss der Einigung im November zustimmen. Ursprünglich sollte der Bau bereits im Oktober 2019 abgeschlossen werden. Grund für die Verzögerungen sind unter anderem Planungsfehler, durch die auch die Kosten deutlich gestiegen sind.

Trümper: Zustimmung alternativlos

Sollte der Stadtrat dem Vorschlag nicht zustimmen, hätte dies eine Trennung vom Hauptauftragnehmer zur Folge. Dann müssten die Arbeiten neu ausgeschrieben werden, was neue Kosten auslösen und die Bauzeit bis mindestens 2024 verlängern würde.

Trümper sagte, der Hauptgrund für die steigenden Baukosten sei, dass die Stadt nach der Auftragserteilung hätte umplanen müssen. Und dann komme im Detail - wenn man dann weiterarbeitet, das und das und das noch dazu. Und was sich dann in der Erde finde, sei auch nicht voraussehbar. Das sei eine Gemengelage, die bei solchen Tiefbaumaßnahmen kompliziert sei.

Woher kommen die Mehrkosten?

Ein Bagger lädt in einem Tunnel Baumaterial auf einem weißen Vlies ab
Bis Ende 2022 soll am City-Tunnel in Magdeburg gearbeitet werden. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Von der Stadt heißt es in einer Pressemitteilung, dass die Mehrkosten durch verschiedene Faktoren zustande gekommen seien: zusätzliche Leistungen vom Hauptauftragnehmer, den gestörten Bauablauf, die Einhaltung der Sperrpausen der Deutschen Bahn und die verlängerte Bauzeit.

Mehrkosten gebe es zudem auch durch Forderungen der Ingenieurgemeinschaft für unter anderem zusätzliche Planleistungen und die Öffnung für Fußgänger und Radfahrer oder auch für den Straßenbahnbetrieb.

Ursprüngliche Kosten: 38 Millionen Euro

Straßenbahntunnel Magdeburg
Seit Ende August können wieder Straßenbahnen durch den City-Tunnel fahren. Bildrechte: MDR/Janine Wohlfahrt

Im Jahr 2009, als die ersten Pläne für den Magdeburger City-Tunnel geschmiedet wurden, klang alles noch einfach und unkompliziert: 38 Millionen Euro und eine Bauzeit bis 2015.

Der ursprüngliche Anlass für das Bauprojekt waren marode Eisenbahnbrücken der Deutschen Bahn, welche mittlerweile erneuert worden sind. Zu dem Projekt gehörten dann aber auch die Ver- und Entsorgungsleitungen des Städtischen Abwasserbetriebes und der Stadtwerke, die Anlagen der Magdeburger Verkehrsbetriebe und die Gestaltung der Verkehrsoberfläche.

Klage gegen die Planungsfirma

Bereits im Dezember hatte die Stadt Magdeburg auf einer Stadtratssitzung entschieden, gegen die Planungsfirma des City-Tunnels am Hauptbahnhof zu klagen. Erst einmal muss das Gericht feststellen, dass ein Schaden entstanden ist. Das kann dauern, denn erst wenn der Tunnel fertig ist, steht die Höhe der endgültigen Mehrkosten fest.

Dazu meinte Trümper am Dienstag, der Rechtsstreit werde Jahre dauern. Es werde Gutachten geben und dann Gegengutachten. Das sei in der Regel so, wenn eine Baumaßnahme fertig sei, dann würden Gerichte noch zehn weitere Jahre über Details entscheiden.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. September 2020 | 14:00 Uhr

17 Kommentare

Grosser Klaus vor 4 Wochen

Die damals auf die hohen Baukosten hingewiesen haben und deshalb kostengünstigere Verkehrsvarianten favorisierten, wurden weiland als Miesmacher und Schwarzseher verunglimpft.
Was im übrigen noch gar nicht bedacht wurde, sind die hohen Folgekosten des Tunnels.

jackblack vor 4 Wochen

TEURER ist ein netter Ausdruck, eigentlich geht es um BETRUG der Auftragnehmer- 5- fache Kosten zum ursprünglichen Plan . An Inkompetenz nicht zu überbieten !!

kritischer Realist vor 4 Wochen

Ich empfehle eine Konsultation der Bauträger in Utrecht (NL). Umbau des Bahnhofs Utrecht-Centraale, incl. Außengelände. So plant und baut man einen Bahnhof.

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