Clan-Kriminalität Clan-Chef von Magdeburg vor Gericht

Abd M. gilt als der Clan-Chef von Magdeburg und soll den Drogenhandel in Magdeburg organisiert haben. Jetzt steht der Libanese vor Gericht. Vorausgegangen waren jahrelange Ermittlungen der Polizei.

Annette Schneider-Solis
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von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

Polizisten vor Anklagebank 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Mo 02.12.2019 19:00Uhr 02:07 min

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Im Sommer schlagen die Ermittler zu. Gemeinsam mit einem Komplizen wird der 35-jährige Abd M. in seiner Wohnung im Norden Magdeburgs festgenommen. Widerstandslos lässt sich der Libanese die Handschellen anlegen und abführen. Die Polizisten finden in seiner Wohnung 200 Gramm Kokain und zwei Messer.

Zur gleichen Zeit durchsuchen weitere Spezialeinsatzkräfte noch zwei andere Objekte in Magdeburg und Schönebeck. Der Schlag gegen die Dealer lohnt sich: An diesem Freitagabend werden Drogen mit einem Marktwert von 150.000 Euro gefunden. Kokain ist darunter und Crystal Meth. Die Beamten finden eine Kalaschnikow mit vollem Magazin, einen Granatwerfer, schussbereite Pistolen, Macheten, Messer. Und jede Menge Bargeld und Funktelefone.

An diesem Tag Ende August werden neben dem Libanesen, der als Kopf einer Bande gilt, drei weitere Tatverdächtige festgenommen: ein 27-jähriger Iraner, ein 21-jähriger Syrer und ein 19-jähriger Afghane. Der Syrer wird kurz darauf freigelassen. Gegen ihn besteht kein dringender Tatverdacht.

Prozessauftakt am Magdeburger Landgericht

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen wird seit Montag am Landgericht Magdeburg gegen Abd M. verhandelt. Das Landgericht war von maskierten und bewaffneten Polizisten umstellt, im Gerichtssaal sorgten zehn Justizwachtmeister für Sicherheit.

Der Libanese soll laut Staatsanwaltschaft eine Schlüsselposition in der Magdeburger Drogenszene gehabt haben. Er soll über Verbindungen zum Miri-Clan in Bremen und zum Abou-Chaker-Clan in Berlin verfügen. Neben Drogenhandel wird dem Angeklagten auch vorgeworfen, gegen das Waffenrecht verstoßen zu haben.

Der 35-jährige Abd M., der nach eigenen Aussagen an einem unbestimmten Tag im Jahr 1984 in einem libanesischen Bunker geboren wurde und staatenlos ist, wird Drogenhandel in nicht unerheblichem Umfang und Waffenbesitz sowie Körperverletzung vorgeworfen. Ihm drohen zwischen fünf und fünfzehn Jahre Haft.

Noch bevor die Staatsanwältin die Anklage verlesen konnte, stellten die drei Verteidiger Anträge. Sie warfen der Staatsanwältin Befangenheit vor und beantragten, die Juristin zu ersetzen. Außerdem sei der Begriff "Pate von Magdeburg", der in den Medien für den Angeklagten benutzt werde, eine Vorverurteilung.

Der Prozess soll am Dienstag fortgesetzt werden. In den kommenden Wochen will das Gericht zahlreiche Zeugen hören.

Angeklagter mit Anwälten in Gerichtsaal
Prozessauftakt am 2. Dezember am Landgericht in Magdeburg Bildrechte: MDR/Anette Schneider-Solis

Seit 2015 im Visier der Ermittler

Der Aktion sind jahrelange Ermittlungen vorausgegangen. Abd M. gilt als der Clan-Chef von Magdeburg. Die Polizei hat ihn seit 2015 im Visier. Der Haupttäter steht nun vor Gericht. Am Montag begann der Prozess am Magdeburger Landgericht.

Zwei Polizisten führen einen Verdächtigen in Handschellen ab.
Bei dem Einsatz im Sommer 2019 wurden insgesamt drei Personen festgenommen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Damals fällt er auf als Kopf einer rockerähnlichen Gruppierung, in der ausschließlich Migranten aus dem arabischen Raum Mitglied sind. 2015 nimmt die Polizei Abd M. zum ersten Mal fest. Er wird verdächtigt, am Hasselbachplatz auf ein Mitglied der Hells Angels geschossen zu haben. Der Mann wird durch einen Bauchschuss schwer verletzt. Doch die Tat kann Abd M. nicht nachgewiesen werden; die Tatwaffe wird nie gefunden, und der Festgenommene schweigt. Die Polizei muss ihn wieder laufenlassen.

Aber die Polizei lässt Abd M. seit dieser Zeit nicht mehr aus den Augen. Immer stärker erhärtet sich der Verdacht, dass er den Drogenhandel in Magdeburg organisiert. Seine Betäubungsmittel soll er über eine Shisha-Bar am Hasselbachplatz verteilen. Abd M. ist vorsichtig. Dennoch gelingt es der Polizei, genug Beweismaterial zu sammeln, um ihn vor Gericht zu stellen.

Landeskriminalamt: "Wir haben rechtzeitig gehandelt."

Die Liste der Taten, die dem 35-Jährigen vorgeworfen werden, ist lang: Neben dem Besitz von Drogen und Waffen soll er einen anderen Mann mit einem Schlagwerkzeug zusammengeschlagen haben und wiederholt mit Drogen in großem Stil gehandelt haben. Die Anklage lautet auf Drogenhandel und Verstöße gegen das Waffengesetz. Abd M. droht eine langjährige Haftstrafe.

Guido Sünnemann, im Landeskriminalamt zuständig für organisierte Kriminalität, verbucht das als wichtigen Schlag gegen das organisierte Verbrechen. "Anders als in Berlin oder Nordrhein-Westfahlen haben wir rechtzeitig gehandelt. Wir lassen Strukturen gar nicht erst entstehen." Damit spielt der Polizist auf Clans an, die sich dort breitgemacht haben und im organisierten Verbrechen unterwegs sind.

Verbindungen zu Miri und Abou-Chaker

Der Libanese Abd M. wird dem Bremer Miri-Clan zugeordnet, dessen Oberhaupt, Ibrahim Miri, vor kurzem zum zweiten Mal in den Libanon abgeschoben wurde. Der Clan terrorisiert die Hansestadt seit Jahren mit Erpressung, Waffen und Drogen. Allein mit dem Handel von Kokain und Marihuana soll die libanesisch-kurdische Großfamilie 50 Millionen Euro pro Jahr umsetzen. Gegen nicht weniger als 1.200 Mitglieder dieses Clans wurde bereits durch Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt. Neben den Kontakten zum Miri-Clan soll Abd M. aber auch über Verbindungen zum Abou-Chaker-Clan in Berlin verfügen.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Dezember 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 11:26 Uhr

22 Kommentare

Fuerst Myschkin vor 3 Tagen

Solche Nachrichten bringen mir die dialektischen Grundsätze aus meinen Studientagen in Erinnerung. Das Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative. Was man im Philosophiestudium im ersten Semester lernt, scheinen unsere Politiker nicht begreifen zu können. Ich klammere jetzt mal die unbelehrbaren Dunkelhüte aus, die nicht denken wollen oder können. Aber langsam herrschen in diesem Lande Zustände, welche nicht mehr tolerierbar sind. Die Bevölkerung ist auch nicht weiter bereit, dieses, unser Land immer mehr an solche mafiösen Ausländerclans zu verlieren. Entweder beginnt die Politik alsbald hier ganz gewaltig umzusteuern, oder das Volk wird dies selbst in die Hand nehmen. Dann schließt sich auch der Kreis erneut, zum Eingangs zitierten Grundsatz. Für die Politiker, die rotgrün zu verorten und deswegen vielleicht auch schwer von Begriff sind mal simpel formuliert. Wenn ein Fass voll ist, läuft es über. Gelle 😠😠😠

Marko vor 3 Tagen

Und links grün rot und mittlerweile auch die CDU CSU möchten unbedingt das solche Leute weiter schutz Status genießen und nebenbei auch noch sozial Leistungen beziehen. Anders kann man ja das demonstrative wegschauen dieser Parteien gar nicht mehr erklären. Und Die Linke hat ja selbst für miri ein Bleiberecht gefordert.

Ernst678 vor 3 Tagen

Ja natürlich, auch Seehofer hat Jahre gebraucht um die Deutschen Hauptfeinde, die AfD und das Klima, dingfest zu machen. Jetzt macht er Nägel mit Köpfen und blindwüdiger Aktionismus macht sich breit. Ob das aber ausreicht um die wuchernte Kriminalität, die täglich mehr Zulauf hat, zurückzudrängen ist mehr als fraglich, aber zur Ablenkung ist er allemal sehr tauglich.

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