Fragen und Antworten Neue Corona-Fälle in Magdeburg: Wie der Ausbruch eingedämmt werden soll

Wegen unklarer Corona-Infektionsketten sind in Magdeburg aktuell zehn Schulen vorübergehend geschlossen. Warum die Schließungen aus Sicht der Stadt notwendig waren und wie es nun weitergeht.

Papierschild an Tür mit Hinweis, dass die Einrichtung bis 26.6. geschlossen bleibt
An der Grundschule "Am Umfassungsweg" klebt der Schließungs-Hinweis am Tor. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

In Magdeburg sind zur Eindämmung des Coronavirus derzeit insgesamt zehn Schulen vorübergehend geschlossen. Der Grund: Die Infektionsketten sind nach Angaben der Stadt nicht nachvollziehbar. Am Dienstag hat die Stadt Details zu den Fällen bekanntgegeben.

Wie viele Menschen wurden in Magdeburg zuletzt positiv getestet?

Über das Wochenende waren von Freitag bis Montag 34 neue Corona-Infektionen in der Stadt festgestellt worden. Von Montag auf Dienstag wurden drei weitere Fälle bestätigt. Zuvor waren in Magdeburg nur noch wenige Infektionen gezählt worden. Die Daten werden vom Sozialministerium veröffentlicht.

Woher kommen die Neu-Infektionen in Magdeburg?

Die neuen Corona-Infektionen treten vor allem innerhalb mehrerer Familien auf, die einer gemeinsamen Community angehören. Das sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Demnach traten die Neuinfektionen in insgesamt 18 Familien auf.

Papierschild an Tür mit Hinweis, dass die Grundschule Im Nordpark vorerst geschlossen bleibt
Die Grundschule "Am Nordpark" in Alte Neustadt bleibt vorerst geschlossen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Eine Infektionswelle und -ausbreitung sei nicht zu beobachten, so der Oberbürgermeister. Von März bis Ende Mai habe es in der Stadt keine Infektionskette gegeben, nur Einzelfälle von zurückgekehrten Urlaubern.

Die eigentliche Quelle der aktuellen Infektionen sei noch nicht gefunden worden. Es bestehe jedoch ein Verdacht: Es gebe Kontakte nach Berlin zu einem Pfarrer, bei dem das Coronavirus festgestellt worden sei. Der Mann habe Beziehungen zu einer Gemeinde in Schönebeck, die wiederum viele der in Magdeburg lebenden Rumänen besuchen würden. Betroffene seien aber zuvor auch in Berlin gewesen.

Die erste nachvollziehbare Infektion in der Stadt war bei einer Patientin bei der Aufnahme ins Krankenhaus nachgewiesen worden. Trümper betonte, dass das Virus nicht aus Magdeburg selbst gekommen sei.

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Beginnt jetzt eine zweite Corona-Welle?

Magdeburgs Amtsarzt Eike Hennig betonte am Dienstag: "Wir haben nicht in Magdeburg eine neue Situation, sondern in einem bestimmten Bereich eine besondere Situation."

Magdeburg sei weiterhin eine sichere Stadt. Es gebe mit der neuen Infektionskette stattdessen einen "Hotspot" in der rumänischen Community. Es sei deshalb die Aufgabe der Stadt, diese "lokal begrenzte Infektionsszene" einzudämmen.

Die Infizierten würden die Quarantäne einhalten. Zwei Fiebermobile seien im Einsatz, um bei Verdachtsfällen zu Hause oder im Hauseingang zu testen. "Die Tendenzen sind da Richtung Entwarnung", so Hennig.

Trümper sagte außerdem, man könne in Magdeburg die Dinge wahrnehmen, die man lange nicht machen konnte, zum Beispiel Essen gehen.

Warum mussten einige Schulen und Horte wieder schließen?

Theoretisch sei es möglich, einen Teil einer Grundschule zu isolieren, erklärte Magdeburgs Amtsarzt Eike Hennig auf der Pressekonferenz am Dienstag. Bei Grundschülern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren sei das aber praktisch nicht umsetzbar. Kinder würden sich in Pausen auf dem Hof begegnen, umher rennen. Eine Infektionskette sei dann gegebenenfalls nicht mehr nachvollziehbar.

In einigen der geschlossenen Schulen hatte es keine Infizierten, aber engen Kontakt zu Betroffenen gegeben.

Hennig sagte, einige Kitas in freier Trägerschaft würden außerdem Gebrauch von ihrem Hausrecht machen und Kinder nicht aufnehmen, die beispielsweise Kontakt zu einer Kontaktperson hatten. Das sei nicht Auflage der Stadt oder des Gesundheitsamtes.

Lutz Trümper erklärte, dass ihn Mediziner angesprochen und gesagt hätten, Schüler seien nicht ansteckend. Er wisse das aber nicht und warte auf eine schriftliche Bestätigung des Robert-Koch-Instituts. Bis dahin gehe er lieber auf Nummer sicher.

Wie soll die Infektionskette eingedämmt werden?

Neben den Schließungen von Einrichtungen und Spielplätzen seien mehrere hundert Tests vorgenommen worden, insbesonderen bei Kindern. Dabei wurden drei Fälle identifziert.

Weißer Zettel mit Kinderschrift an einem Tor
Hortkind Zacharias hat einen Brief an die geschlossene Einrichtung geschrieben. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

In der rumänischen Gemeinschaft wurden laut Trümper rumänisch-sprachige Audionachrichten per Handy verschickt und Zettel verteilt, die unter anderem dazu aufrufen, sich testen zu lassen. Auch rumänisch-sprachige Sozialarbeiter seien angehalten, die Menschen anzusprechen und die Informationen weiterzuleiten.

Das sei nach Einschätzung einer Integrationsbeauftragten der Stadt angekommen, sagte Trümper. Viele seien bereits zum Test gekommen.

Zunächst habe es Schwierigkeiten in der Kommunikation gegeben, einige hätten am Telefon einfach aufgelegt, andere hätten nach eigenen Angaben mit den Tests gezögert – aus Angst vor Stigmatisierung.

Trümper rief am Dienstag erneut alle Magdeburgerinnen und Magdeburger dazu auf, den Mindestabstand zu beachten und, wo nötig, einen Mundschutz zu tragen, zum Beispiel in Bussen und Bahnen.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Juni 2020 | 06:10 Uhr

6 Kommentare

Guter Schwabe vor 7 Wochen

Wir leben immer noch in einem freien Land.
Wenn Sie einen Überwachungs- oder Polizeistaat wollen, dann wandern Sie nach China oder Nordkorea aus.
Mit diesem Virus und anderen (eventuell gefährlicheren) Viren werden wir noch lange leben müssen. Wie Sie damit umgehen, ist Ihre Sache.
Panik und Angst verbreiten, ist wenig hilfreich.

frank d vor 7 Wochen

Seltsam seltsam bei den bösen Kapitalisten waren die Fleischfirmen schuld. Wis ist es diesmal ? Stadtverwaltung schuld, ach nein dieses Mal ist es einfach so.
Sapere Aude

Denkschnecke vor 7 Wochen

"Allumfassend informieren" heißt nicht nur die Meinung von Prof. Streeck zu hören, sondern auch andere. Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Dr. Hennig (der genau genommen Leiter des Gesundheitsamts ist), nur auf "eine Info aus dem Kochstudio" wartet? Ich gehe davon aus, dass er die einschlägigen Expertenmeinungen kennt. (Wirkliche Studien gibt es ja in dieser kurzen Zeit noch gar nicht so viele.)
Oder passt Ihnen einfach nur die eine Aussage von Prof. Streeck in den persönlichen Meinungskram? Ich weiß jedenfalls so viel, dass sich die Kollegen im Magdeburger Gesundheitsamt gerade nicth langweilen.

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