#MDRklärt Coronavirus: Wer sich in der Fieberambulanz testen lassen darf – und wer nicht

Luca Deutschländer
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Die Ausbreitung des Coronavirus legt mehr und mehr das gesellschaftliche Leben lahm. In Magdeburg können sich sogenannte begründete Verdachtsfälle in einer Fieberambulanz auf das Virus testen lassen. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, wie das abläuft.

Schild, das auf ein Fieberzentrum in Magdeburg hinweist
Die Fieberambulanz in Magdeburg ist in der Brandenburger Straße untergebracht. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wer sich in der Fieberambulanz testen lassen darf

Einfach eintreten und einen Abstrich nehmen lassen? So einfach geht es nicht. In der am Wochenende eröffneten Fieberambulanz in Magdeburg soll sich eben nicht jeder auf das Coronavirus testen lassen – sondern nur diejenigen, bei denen es den begründeten Verdacht gibt, dass sie sich infiziert haben könnten. Dazu hatte schon am Freitag der Chef des Magdeburger Gesundheitsamtes, Eike Hennig, gemahnt.

Was wir im Moment nicht möchten, ist, dass jeder, der meint, sich möglicherweise infiziert zu haben, in eine dieser Fieberambulanzen geht und sich testen lässt. Das ist nicht leistbar. Wir möchten die testen, die begründete Verdachtsfälle nach Definition des RKI sind.

Eike Hennig Chef des Gesundheitsamts in Magdeburg

Zu diesen begründeten Verdachtsfällen gehören laut Hennig Reiserückkehrer aus Risikogebieten oder Menschen, die sich krank fühlen, Symptome der Krankheit zeigen oder Kontakt zu einem nachweislich Infizierten hatten.

#MDRklärt Von Symptomen bis Inkubationszeit: Hinweise zum Coronavirus

Coronavirus unter dem Mikroskop
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Am Montagvormittag kurz nach halb 10 stehen fünf Menschen vor der Tür der neuen Fieberambulanz in der Brandenburger Straße 8. Zwei Frauen unterhalten sich. Alle stehen sie in ausreichendem Abstand zueinander. Denn: Wer weiß schon, ob einer von ihnen das neuartige Coronavirus auch wirklich in sich trägt. Vorsicht ist geboten, deshalb werden die potenziellen Patienten in der Magdeburger Fieberambulanz auch von Ärzten und Pflegepersonal in kompletter Schutzmontur empfangen.

Ein altes Gebäude, davor stehen mobile Toiletten.
Eingerichtet wurde die Ambulanz in einem Hinterhof. Auch für Toiletten ist gesorgt. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Kassenärztliche Vereinigung hat viel zu tun

Draußen vor der Tür deutet mit Ausnahme der vielen Hinweisschilder nichts daraufhin, dass hier kranke Menschen auf ein Virus getestet werden, das in diesen Tagen Europa und weite Teile der Welt lahmlegt. Die Menschen könnten auch Schlange stehen, um wählen zu gehen. Allerdings weist ein großes Banner im Innern der Fieberambulanz daraufhin, dass hier die Kassenärztliche Vereinigung (KV) das Sagen hat – und ganz gewiss kein Bürgermeister gewählt wird. Die Kassenärztliche Vereinigung betreibt diese Fieberambulanz und will einen ähnlichen Service demnächst in allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt anbieten.

Warum die Fieberambulanz in Magdeburg verlegt wurde

Ursprünglich war die Fieberambulanz in Magdeburg seit Mitte vergangener Woche im Medico-Zentrum in der Leipziger Straße untergebracht. Problem dort war laut Mathias Tronnier, dass der Betrieb in der Notfallambulanz weiterlief – und die Gefahr bestanden hätte, dass Patienten mit dem Coronavirus andere, gesunde Patienten anstecken. "Das Medico-Zentrum ist nie wirklich leer", sagt Tronnier. Also habe man sich entschieden, die Ambulanz dort aufzubauen, wo gesunde und erkrankte Patienten sicher voneinander getrennt werden können.

Entsprechend schwierig ist es, Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung ans Telefon zu bekommen. Die Mitarbeiter sind stark ausgelastet. Allein bis Montagvormittag hätten "sämtliche denkbare Medien" Interviews oder Informationen verlangt, heißt es aus der Pressestelle.

Es sind besondere Zeiten. Das bestätigt einige Zeit später auch Mathias Tronnier aus dem geschäftsführenden Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung. Er spricht von einem "Sieben-Tage-Betrieb", den die KV aktuell und "nahezu rund um die Uhr" aufrechterhält. "Unendlich viel zu tun" habe man, erzählt Tronnier. Die Einrichtung von Fieberambulanzen ist nur eine von vielen Aufgaben.

So funktioniert die Fieberambulanz in Magdeburg

"Wir sind auf Hilfe angewiesen", sagt Tronnier. Deshalb stellt in Magdeburg beispielsweise das Gesundheitsamt Mediziner, die die Menschen in der Fieberambulanz auf das Coronavirus testen. Zwei bis drei Ärzte sind vor Ort, dazu Pflegepersonal.

Drei Schritte: So funktioniert die Fieberambulanz

Nicht jeder kann einfach in die Fieberambulanz gehen und sich testen lassen. Das sollten Patienten vor einem Besuch in der Magdeburger Fieberambulanz wissen:

  • 1. Schritt: Ein potenzieller Patient muss über Symptome in den oberem Atemwegen klagen. Ob er Fieber hat oder nicht, ist erst einmal zweitrangig. Behandelt werden außerdem Patienten, die kürzlich aus Risikogebieten nach Definition des RKI zurückgekommen sind.
  • 2. Schritt: Wer die Bedingungen erfüllt, ruft beim Gesundheitsamt in Magdeburg an. Die Telefonnummer ist 0391 540 2000. Dort werden die Mitarbeiter einen Termin für den Besuch in der Fieberambulanz geben.
  • 3. Schritt: Vor Ort wird ein Abstrich genommen. Der wird ins Labor geschickt und untersucht, etwa 24 bis 48 Stunden später teilt das Gesundheitsamt das Ergebnis mit und verhängt – je nach Testergebnis – häusliche Quarantäne. Bis zum Ergebnis sollten Getestete den Kontakt zu anderen Menschen meiden.

Schild, das auf ein Fieberzentrum in Magdeburg hinweist
Schilder weisen den Weg zur Fieberambulanz. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Auch in anderen Landesteilen von Sachsen-Anhalt werden verstärkt Fieberzentren wie das in Magdeburg angeboten. Seit Montag in Wernigerode, ebenfalls seit Montag in Schönebeck. Um all das überhaupt stemmen zu können, ruft die KV Vertragsärzte oder Mediziner im Ruhestand auf, mitzuhelfen.

Fieberambulanzen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt

Die erste sogenannte Fieberambulanz gab es zu Beginn der vergangenen Woche in Halle, kurze Zeit später öffnete eine solche Anlaufstelle auch in Magdeburg. In Halle ist die Nachfrage im Fieberzentrum der Poli-Reil noch immer hoch. 17 Menschen wurden in der Saalestadt bislang positiv auf das Virus getestet (Stand: 16.03.2020).

Auch im Saalekreis gibt es Pläne zum Aufbau einer Corona-Teststelle. Zusammen mit der Bürgermeisterin wollen die Hausärzte eine zentrale Anlaufstelle einrichten – ein Zelt auf einem zentralen Platz in Landsberg soll aufgestellt werden, durch das Patienten mit einem Auto durchfahren und aus dem Auto heraus auf das Virus getestet werden.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung hat bekräftigt, Anlaufstellen für Corona-Tests in jedem Landkreis in Sachsen-Anhalt zu ermöglichen. Dort sollen laut Sozialministerium Menschen getestet werden, die im Verdacht stehen, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Der Kontakt werde in der Regel über den Hausarzt vermittelt, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Ziel sei, lange Warteschlangen und andere Ansammlungen von Menschen zu vermeiden.

Mathias Tronnier weiß besonders angesichts der vielen Arbeit in diesen Tagen, dass die KV und ihre Mitarbeiter nun funktionieren müssen. Dafür ist bestmöglicher Schutz nötig. "Wir brauchen Mitarbeiter, die bei guter Gesundheit mitziehen", sagt Tronnier. Auch deshalb sei wichtig, dass potenzielle Patienten mithelfen – und eben nicht jeder zur Fieberambulanz komme, um sich testen zu lassen. Die Botschaft ist klar: In diesen Tagen ist das Mitdenken und ein Verantwortungsbewusstsein von jedem Einzelnen gefragt.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. März 2020 | 09:30 Uhr

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