Corona-Krise Magdeburg schießt quer gegen Verordnung: Restaurants bleiben bis 22. Mai zu

Restaurants und Gaststätten in Sachsen-Anhalt dürfen ab 18. Mai wieder öffnen – wenn sie strenge Auflagen einhalten und diese vorab vom zuständigen Gesundheitsamt überprüfen lassen. Völlig unrealistisch, meint Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper und betont: In der Landeshauptstadt wird vor dem 22. Mai kein Restaurant öffnen.

"Geschlossen" steht auf einem Schild an der Tür eines Restaurants.
In Magdeburg bleiben Gaststätten und Restaurants bis 22 Mai geschlossen. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

In Magdeburg sollen Gaststätten und Restaurants bis zum 22. Mai geschlossen bleiben. Einer möglichen Öffnung ab dem kommenden Montag erteilte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) am Mittwoch eine Absage. Man werde von dieser Option der Landesregierung keinen Gebrauch machen, sagte Trümper. Grund seien die strengen Vorgaben des Landes. Rein praktisch sei es nicht möglich, in der Kürze der Zeit die Hygienestandards und -konzepte von mehr als 850 Gaststätten in der Landeshauptstadt zu überprüfen. Trümper kritisierte außerdem, die Verordnung des Landes sei rechtlich unklar. Eine Differenzierung nach "Speisewirtschaft" und "Schankwirtschaft" gebe es im Gaststättengesetz nicht.

Trümper: Hat das Land kein Vertrauen in Gastronomen?

Das Stadtoberhaupt stört sich außerdem daran, dass es eine Einzelfallprüfung wie jetzt in der Gastronomie bislang noch bei keiner Lockerung gegeben habe – bei der Öffnung von Friseuren, Schulen oder Baumärkten etwa. "Hat man in Gastronomen kein Vertrauen? Wenn ja, dann ist das Diskriminierung eines Berufsstandes."

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper bei einer Veranstaltung in der Staatskanzlei in Magdeburg, 2016.
Bildrechte: IMAGO

Ich begreife nicht, was das soll. Ich begreife auch nicht, warum es für vier Tage eine Sonderregelung geben soll.

Lutz Trümper Oberbürgermeister von Magdeburg

Trümper sagte, die Klausel zur Öffnung von Gaststätten ab 18. Mai diene aus seiner Sicht nur dazu, eine frühere Öffnung unmöglich zu machen. Ähnlich äußerte sich der Chef des Magdeburger Gesundheitsamtes, Amtsarzt Eike Hennig. Hennig sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, jedem sei klar, dass es für ein Gesundheitsamt nicht möglich sei, innerhalb weniger Tage mehr als 800 Gaststätten und ihr Hygienekonzept zu überprüfen. Als Vorsitzender des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst frage er sich schon, ob er es hier mit einer "Strafaktion des Landes gegen die Ämter" zu tun habe.

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Sachsen-Anhalts schwarz-rot-grüne Landesregierung hatte am Dienstag entschieden, dass Gaststätten am nächsten Montag mit Beginn der Pfingstferien öffnen dürfen. Voraussetzung ist, dass die Kommunen für jedes Lokal prüfen, ob die Schutzkonzepte ausreichend sind. Ab 22. Mai ist eine Öffnung der Restaurants und Gaststätten ohne diese Einzelfallprüfung möglich. Diesen Weg will nun Magdeburg gehen.

Mehrere Landkreise hatten dagegen bereits angekündigt, Formulare zur Überprüfung von Hygienekonzepten bereitzustellen, zuletzt der Altmarkkreis Salzwedel. Auch anderswo in Sachsen-Anhalt gibt es solche Prüfungen schon, darunter in Halle.

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Mai 2020 | 16:00 Uhr

26 Kommentare

Erichs Rache vor 22 Wochen

@krisitscher Realist

Solange die Herde blökt und ruhig am saftigen Gras zupft, ist doch alles gut. Blöd wirds nur bei Corona-Dürre, wenn die Halme kürzer und dünner werden ...

Erichs Rache vor 23 Wochen

@Stadtkind

Die Zeche wird leider erst in ein paar Jahren präsentiert. Dann reiben sich die heutigen Entscheidungsträger verschmitzt die Hände - aber nicht wegen der Hygiene.

Fakt vor 23 Wochen

Dessen These ist aber bereits widerlegt worden.

Eine bestimmte Schnittstelle in dem Hauptoberflächenprotein von SARS-CoV-2 wurde von Forschern aus China und Europa unabhängig voneinander in ganz ähnlicher Form auch in Fledermäusen entdeckt. Damit trifft wohl eher die These des Gros der Virologen zu und nicht die von Montagnier - Nobelpreisträger hin oder her. Ausführliches finden Sie online bei der Zeitung "Merkur".

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