Nach Krisensitzung Stadtteile Neue Neustadt und Salbke in Magdeburg: 19 Hausaufgänge unter Quarantäne gestellt

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus greift die Stadt Magdeburg zu weiteren Schritten: 19 Hausaufgänge in den Stadtteilen Neue Neustadt und Salbke werden unter Quarantäne gestellt. Dort hatte sich das Coronavirus zuletzt stark ausgebreitet. Eine Abriegelung mehrerer Straßenzüge oder gar des kompletten Stadtteils wird es laut Stadt vorerst nicht geben.

Blick auf mehrere Wohnblocks und Autos im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt
Magdeburg-Neue Neustadt: Aus dem Stadtteil werden seit mehr als einer Woche zahlreiche Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

In den Magdeburger Stadtteilen Neue Neustadt und Salbke werden 19 Hausaufgänge unter Quarantäne gestellt. So soll einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus vorgebeugt werden, teilte die Stadtverwaltung am Sonnabend nach einer Krisensitzung von Gesundheitsamt, Oberbürgermeister, Polizei und Sozialdezernat mit. Wie viele Menschen von der Quarantäne betroffen sind, blieb zunächst unklar. Die Hausaufgänge befinden sich in der Charlottenstraße, der Haldensleber Straße, der Umfassungsstraße, dem Umfassungsweg und der Wedringer Straße.

Gesundheitsamt nutzt Möglichkeiten aus Infektionsschutzgesetz

Zur Begründung für die Quarantäne-Anordnung hieß es, die bisherigen Mittel zur Eindämmung der Infektion hätten in den besonders betroffenen Quartieren bislang nicht funktioniert. "Quarantänemaßnahmen und Kommunikation mit dem Gesundheitsamt wurden seit der neuen Krankheitswelle nicht in dem Maße wahrgenommen, dass eine Eindämmung der Corona-Infektionen erkennbar wurde", schrieb die Stadt am Sonnabend in einer Mitteilung. Das Gesundheitsamt mache deshalb nun von Paragraph 28 des Infektionsschutzgesetzes Gebrauch. Dieser Paragraph besagt, dass Personen verpflichtet werden können, bestimmte Orte nicht zu verlassen.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper auf einer Pressekonferenz.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gibt Signale aus der rumänisch-sprachigen Community, dass sich die Menschen an die Quarantänebestimmungen halten wollen. Doch durch viele Krankheitsfälle und die häusliche Absonderung von Familienmitgliedern ist die Versorgung mit Lebensmitteln schwierig geworden. Deswegen schaltet die Stadtverwaltung jetzt Hilfsorganisationen ein und bittet diese um Unterstützung.

Lutz Trümper Oberbürgermeister von Magdeburg

Um die betroffenen Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, will die Stadt verschiedene Hilfsorganisationen einschalten. Ab Sonntag sollen demnach Lautsprecherwagen durch die Straßen fahren, um in den betroffenen Stadtteilen auf die Quarantäne-Regeln und die Hilfsangebote hinzuweisen. Die Informationen würden auch ins Rumänische übersetzt, teilte die Stadt mit. Grund ist, dass in den betroffenen Straßenzügen der Neuen Neustadt besonders viele Rumänen leben. Die Stadt kündigte an, zeitnah außerdem eine Hotline für Anwohner zu schalten.

Tests in der Makarenko-Schule in Neu Olvenstedt bislang negativ Um eine erneute Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hat das Gesundheitsamt in Magdeburg in den vergangenen Tagen insgesamt elf Schulen schließen lassen, darunter die Makarenko-Schule in Neu Olvenstedt. Bei den Schülerinnen, Schülern sowie dem Personal der Schule seien bislang keine weiteren Infektionen mit dem Virus nachgewiesen worden, teilte die Stadt mit.

Rund-um-die-Uhr-Präsenz der Polizei geplant

Vier Autos stehen vor einem Mehrfamilienhaus im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt, darunter ein Streifenwagen der Polizei.
Bislang noch eine Ausnahme: Die Polizei war am Sonnabend tagsüber kaum in der Neuen Neustadt präsent. Das soll sich "zeitnah" ändern. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Ordnungsamt und Polizei würden die Einhaltung der Verordnung prüfen, hieß es. Die Polizei werde "zeitnah" rund um die Uhr vor Ort präsent sein. Am Sonnabend war das noch anders: Ein Reporterin von MDR SACHSEN-ANHALT berichtete nach Recherchen vor Ort, lediglich einen Polizei-Streifenwagen und ein Fahrzeug des Ordnungsamtes gesehen zu haben.

Eine komplette Abriegelung des Stadtteils Neue Neustadt wird es laut Stadt vorerst aber nicht geben. Auch die Abriegelung einzelner Straßenzüge bleibt vorerst eine rein theoretische Option. Beide Schritte seien die letzte Option, teilte die Stadt mit. Kommenden Montag werde man sich erneut zusammensetzen und über die aktuelle Lage und mögliche weitere Schritte beraten.

In Magdeburg hatten sich innerhalb gut einer Woche mehr als 80 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das Virus hatte sich nach bisherigem Kenntnisstand in einer Gruppe mehrerer rumänischer Familien ausgebreitet. Seit Freitag kamen laut Stadt lediglich zwei weitere Neuinfektionen hinzu. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie im März 220 Magdeburger positiv auf das Virus getestet.

Chronik: Wie hat sich der Coronavirus-Ausbruch in Magdeburg entwickelt?

11. Juni – Starker Anstieg der Fälle

Die Zahl der Corona-Fälle in Magdeburg steigt seit vergangener Woche. Am Donnerstag, 11. Juni, hieß es vom Sozialministerium, dass seit Beginn der Woche mehr als zehn Personen positiv auf das neue Coronavirus getestet worden seien – der stärkste Anstieg innerhalb kurzer Zeit seit fast einem Monat. Vom 30. April bis zum 3. Juni wurde in der Stadt gar kein neuer Fall festgestellt.

Wegen der vielen Neuinfektionen wurden am Mittwoch, den 10. Juni, auch Kinder an der Grundschule "Am Umfassungsweg" getestet. Bei einem Kind und seiner Mutter bestätigte der Test eine Infektion. Daher wurde sowohl die Grundschule als auch der Hort im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt vom Freitag, den 12. Juni, bis zum 26. Juni geschlossen. Weitere Coronavirus-Tests waren nach Angaben der Stadt Magdeburg nicht geplant.

14. Juni – Infektionskette nicht mehr nachvollziehbar

Am Sonntag, den 14. Juni, teilte die Stadt mit, dass ab Montag, den 15. Juni, fünf weitere Schulen, zwei Jugendeinrichtungen und drei Spielplätze wegen der Corona-Fälle für zwei Wochen geschlossen werden. Die Begründung für die zusätzlichen Schließungen: Die Infektionskette sei nicht mehr nachvollziehbar. Von Freitag bis Sonntag sind laut Stadt 32 weitere Menschen positiv auf das Virus getestet worden.

Am Montag, den 15. Juni, werden zwei weitere Grundschulen sowie die dazugehörigen Horte geschlossen. Die Schulen befinden sich in Buckau und in der Alten Neustadt. Zum Mittwoch, den 17. Juni, schließt das Gesundheitsamt Magdeburg eine weitere Schule im Stadtteil Neu Olvenstedt.

16. Juni – Gemeindetreffen möglicher Ursprung der Coronavirus-Fälle

In einer Pressekonferenz am Dienstag, 16. Juni, gibt die Stadt Magdeburg weitere Details zu den Fällen bekannt. Laut Oberbürgermeister Trümper treten die Neuinfektionen vor allem innerhalb von Familien auf. Die Quelle der Infektionen ist zu dem Zeitpunkt noch unklar. Es besteht Trümper zufolge aber der Verdacht, dass ein Pfarrer aus Berlin in einer Kirchengemeinde in Schönebeck in Magdeburg lebende Rumänen infiziert haben könnte. Die erste nachvollziehbare Infektion in der Stadt wurde demnach bei einer Patientin bei der Aufnahme ins Krankenhaus nachgewiesen.

Innerhalb einer Woche sind insgesamt rund 50 Corona-Neuinfektionen bestätigt wurden. Etwa 860 Menschen haben sich bereits in der Fieberambulanz der Stadt testen lassen. Allein am Mittwoch, den 17. Juni, verzeichnet die Stadt mehr als 20 neue Coronavirus-Fälle.

18. Juni – Oberbürgermeister Trümper warnt vor Virus-Ausbreitung

Oberbürgermeister Trümper warnt im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, 18. Juni, vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Magdeburg. Bei den meisten der neuen Fälle – Trümper nannte die Zahl 90 – handele es sich bei den Betroffenen um Bewohner im Stadtteil Neue Neustadt. In den betreffenden Wohnblocks lebten etwa 700 Menschen, wo sich einige als Teil einer rumänischsprachigen Community über Treffen in einer Pfingstgemeinde infiziert haben könnten. Um das Virus einzudämmen, könnte im absoluten Notfall der Stadtteil Neue Neustadt abgeriegelt werden.

Trümper gab auch weitere Informationen zur Quelle der Neuinfektionen. Man wisse, dass alle neuen Fälle aus einer Kirchengemeinde kämen. Ob die Gemeinde aber der Ursprung ist, steht laut Trümper nicht fest. Bei den Gottesdiensten sei zudem offenbar gegen Corona-Auflagen verstoßen worden. Teilnehmerlisten seien zum Beispiel nur mit Vornamen geführt worden, obwohl voller Name und Adresse gefordert gewesen seien.

19. Juni – 31 Fälle auf 100.000 Einwohner in Magdeburg

Seit Freitag, den 19. Juni, ist im Magdeburger Stadtteil Westerhüsen eine weitere Grundschule bis 3. Juli geschlossen. Dort wurde ein Reinigungsmitarbeiter positiv getestet. Damit sind in Magdeburg elf Schulen dicht. Auch weitere Jugendeinrichtungen wurden zugemacht.

Von Donnerstag auf Freitag sind 21 neue Coronavirus-Fälle in Magdeburg bestätigt worden. Das Gesundheitsministerium meldet etwa 31 nachgewiesene Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner für die Stadt innerhalb einer Woche. Damit ist die höchste Stufe der Corona-Warnampel erreicht. Die Stadt Magdeburg will am Wochenende entscheiden, ob die betroffenen Straßenzüge in der Neuen Neustadt abgeriegelt werden müssen.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juni 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

peterhau vor 1 Wochen

Können Sie einfach mal mit Ihrer Verbreitung von Hysterie aufhören, es ist nur nervig. Es ist schon genug Kasperletheater wegen diesem ach so bösen Virus.

konstanze vor 1 Wochen

Herr Trümper, und so vergehen Tage und Tage und Tage ... und Sie erkennen "Signale" (welche eigentlich ?), dass man sich an die Bestimmungen halten wolle (nur wolle ?) und bitten und bitten und bitten und so vergehen Tage und Tage und Tage ... . Es reicht ! Sie tragen Verantwortung für die Gesundheit der Magdeburger. Handeln Sie, sofort !

maurice35 vor 1 Wochen

Ich liege zurzeit im Krankenhaus in burg bei magdeburg...arbeite auch in burg kann man dann irgendwie nach seiner post gucken oder gibt es bald eine online falls ich hier länger drin liegen bleiben muss?

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